# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1845 01 11_S39 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 39 für Auswürfe gelten, einen Anhang finden, der sich an ihren ebenso schmutzigen, als unvernünftigen Ergießungen ergötzt. Wenn wir in unseren gegen solche Spötter gerichteten Beiträgen No. 5 „des Lutheraners“ zugleich großer Philosophen Erwähnung thaten, so hatten wir keinesweges im Sinne, diese so herabzuwürdigen, daß wir sie solchen elenden Schreiern an die Seite setzen wollten, wir wollten vielmehr zeigen: haben scharfsinnige Philosophen über die wichtigsten Angelegenheiten der Menschen vermittelst der bloßen Vernunft nichts Gewisses erforschen und geben können, wer wollte dann in dem Gallimathias, das heißt, in dem Unsinne, in dem Gedanken-Auskehricht der neueren Lästerer die Wahrheit suchen? Wir gehen weiter. Die erste Waffe, welche solche Schreiber wider das Christenthum gebrauchen, ist, wie wir gezeigt haben, das Vorgeben, daß dasselbe unvernünftig sei. Eine zweite ist, daß sie nachzuweisen suchen, wie verderblich das Christenthum von jeher gewirkt habe. Wollen nehmlich die Feinde des wahren Christenthums demselben den Todesstreich versetzen, so beginnen sie damit, daß sie erstlich ihren Lesern versichern, wie gelehrt sie seien. Hierauf gehen sie in die Geschichte der Vorzeit und erzählen nun grausame Geschichten von spanischer Inquisition, von finstern Kerkern, wo Mäuse und Ratten wohnten, von Scheiterhaufen, Torturkammern, von Rad und Galgen, von Dieben, Räubern und Mördern, von Gift, Dolchen und dergl. schrecklichen Mordmitteln, von geheimen Greueln, die schändliche Pfaffen verübt haben, von Hexenprozessen, Teufelsverschwörungen ꝛc. ꝛc. Glauben nun diese Schreiber durch ihre Schilderungen so viel bei ihren Lesern gewirkt zu haben, daß diesen alle Haare zu Berge stehen, dann, meinen sie, sei der günstige Augenblick gekommen, wo sie nun bei ihren Lesern Umfrage halten könnten: Ist also das Christenthum nicht das Schrecklichste der Schrecken der Menschheit? Sie hoffen, ein jeder Leser werde nun dazu gewonnen sein, das Todesurtheil mit zu unterschreiben. Bei ihresgleichen verfehlen auch solche Schriftsteller ihren Zweck nicht. Menschen, die des Joches der Religion schon längst gern los sein wollten, um sich nicht mehr vor einem künftigen Gericht fürchten zu müssen, lesen solche Beweisführungen mit Begeisterung, klatschen dem hochherzigen Aufklärer und Gewissenserleichterer stürmischen Beifall zu, und rufen aus: Ja, ja, das ist der Mann, der schon längst hätte in die Welt kommen sollen, so wäre die Erde nie ein Jammerthal gewesen; dieser Mann deckt endlich die, Jahrhundert lang verborgen gewesenen, Geheimnisse alles Pfaffentrugs und ihrer Menschenquälerei auf und erlöst uns von Gott, dessen Inspection auf der Erde uns nun lange genug belästigt hat. Wird dieser große Mann auch jetzt noch verkannt, so wird ihn doch eine dankbare Nachwelt noch in seinem schönen Bilde mit unverwelklichen Lorbeern bekränzen und, nachdem seine Seele längst zerstoben ist, seinen Namen mit goldenen Buchstaben an hohe Ehrensäulen schreiben und unsterblich machen. Doch, liebe Christen, laßt uns einmal fragen: Was ist denn eigentlich der langen Reden eines solchen Spötters kurzer Sinn? Worauf kommt denn eigentlich endlich alles hinaus, was er sagt, um zu beweisen, daß das Christenthum schädlich und verderblich sei? Worin liegt denn eigentlich die Kraft seiner Beweisführung verborgen? — Ihr werdet es euch denken können, ohne daß ich es sage, daß solche neue Lichtverbreiter nicht die alte Art zu schließen anwenden, sondern auch neue Regeln, Schlüsse zu machen, selbst erdacht haben. Sie schließen nehmlich, wie folget: Weil es Leute gegeben hat, die sich Christen genannt und des Christenthums gerühmt, ja, die wohl gar einen schwarzen Rock getragen haben, die doch Bösewichter waren, — darum ist das Christenthum ein Pfaffenbetrug, eine Erfindung der Lüge zur Marterung der armen Menschen. Ist das nicht ein lieblicher Schluß? — Wenn ein roher Mensch, der sich im Denken nie geübt hat, sich mit den Sünden derer, die sich Christen nennen, tröstet, indem er daraus den Schluß zieht, daß daher das Christenthum falsch und die Drohungen der Schrift gegen die Sünder nichtig seien, so wird sich niemand darob groß wundern, aber was soll man sagen, wenn Menschen so schließen, die den großen Beruf zu haben meinen, die Welt aufzuklären und sie daher mit ihren Geistesschöpfungen zu beglücken? Es versteht sich von selbst, daß wir zur Belehrung solcher keine Feder ansetzen; wer solche Schlüsse zieht, ist entweder nicht fähig, die Kraft eines rechten Schlusses einzusehen, oder nicht willig dazu, oder beides zugleich. Verständigen und unparteiischen Lesern aber legen wir nun Folgendes vor. Eine Lehre oder eine Kirche ist nicht darnach zu beurtheilen, wie diejenigen handeln, die sich dazu bekennen, sondern darnach, wie sie nach ihrer Lehre und nach den Grundsätzen ihrer Kirche handeln sollten, nach dem bekannten Sprüchwort: „Der Mißbrauch hebt den rechten Gebrauch nicht auf.“ Wer wird so thöricht sein, einen Freistaat darum eine dem Völkerglücke nachtheilige Anstalt zu nennen, weil es gottlose Bürger darin gibt, die vielleicht auch von hohen Beamten der Republik in Schutz genommen, deren Frevelthaten aber durch die Gesetze des Staates verdammt werden? Bei gesundem Verstande gewiß niemand. Wahrhaft kindisch ist es daher, die Greuel des Pabstthums, das in der h. Schrift als Sitz des Antichrists vorausverkündigt worden ist, dem Christenthum beimessen zu wollen. Solche Beweisführungen würde der Christ nur zur Kurzweil lesen — weil er daraus sieht, wie die, welche sich weise dünken, zu Narren werden — wenn man sich nicht über die unerhörte Bosheit betrüben müßte, die allein solche Sachen dem armen unwissenden Volke zur Verführung auftischen kann. Mag uns die Geschichte noch so viele Greuel derer, die sich Christen, Diener Christi, christliche Obrigkeiten ꝛc. nannten, erzählen, so beweist dies nicht im mindesten, daß die h. Schrift und die daraus allein zu schöpfende christliche Lehre verderblich sei, da eben die h. Schrift es ist, die alles gottlose Wesen, wie kein Buch in der Welt, straft und verdammt. Ist der, der sich äußerlich zum Christenthum bekennt, ja wohl gar das Priesterkleid trägt, ein Heuchler, der im Geheimen der Sünde dient, so ist er kein gläubiger Christ; dann gehört er zu den Ungläubigen; dann glaubt er, wie sie, nicht mehr an Gottes Wort, weder an seine Gnade, noch an seinen Zorn; kein wahrer Christ stellt sich heuchlerisch wie ein Ungläubiger, aber alle, die sich heuchlerisch wie Christen stellen, sind eben dadurch in die Reihen der Ungläubigen getreten. Mögen immerhin die Personen, die in der h. Schrift aufgeführt werden, große Sünden begangen haben, so wirft dies keinen Schatten auf dieses h. Buch, da darinn zugleich der Fluch Gottes über solche Sünden aufgezeichnet ist und die Strafe, womit Gott sie heimgesucht hat, erzählt wird. Lüstern und schmunzelnd erzählen nur unsere Spötter die Geschichten von der Hurerei, in welche ein David ꝛc. fiel; die Bibel hingegen erzählt solche Dinge so, daß der Leser, wenn er nicht ein ganz unfläthiges und geiles Gemüth ist, zum Abscheu von solchen Sünden und zur Wachsamkeit über sich selbst erweckt wird. Die Bewandniß, die es überhaupt mit dem Christenthum hat, dieselbe hat es auch mit den verschiedenen Kirchen in der Christenheit. Nur die grenzenloseste Unwissenheit kann zu der Behauptung verführen, daß das allemal die Kirche thue, was ihre äußerlichen Glieder thun. Dann hätte es freilich nie eine Kirche gegeben, welche sich nicht mit allen Lastern befleckt haben sollte, denn gab es nicht selbst unter den Zwölfen einen Judas? Wehe dann unserer lutherischen Kirche! — Welche hätte sich dann mehr mit Verwerfung des Wortes Gottes befleckt, als sie? Denn sind nicht die meisten Prediger, die sich noch lutherisch nennen, besonders in unserm alten Vaterlande, Rationalisten (Vernünftler), die den Glauben der Kirche, der sie dienen sollen und deren Brod sie essen, heimlich verlachen und das Predigtamt nur noch um des Bauchs willen verwalten? Aber wie? soll etwa unsere Kirche sich aufbürden lassen, was diese in sie eingedrungenen geistlichen Räuber und Mörder vornehmen? — Das sei ferne! — Nein, nur dann kann man sagen, daß die Kirche das gethan habe, was ihre äußerlichen Glieder thun, wenn diese dabei nach der Vorschrift ihrer Kirche gehandelt haben. Darum kann die luth. Kirche nie falsche Lehren predigen, denn die Lehre, die sie in ihren öffentlichen Symbolen (Glaubensbekenntnissen) niedergelegt hat, und worauf sie daher gegründet ist, ist rein und lauter, nach dem klaren Worte Gottes. Mögen daher immer unzählige lutherisch genannte Prediger falsch lehren; das thun sie nicht als Diener unserer Kirche, sondern als ihre Zerstörer; und mögen unzählige Lutheraner gottlos leben, so leben sie nicht als Lutheraner, sondern als Apostaten (Abfällige) unserer Kirche, welche sie nach Gottes Gebot unsträflich leben lehrt. Mit vollem Rechte haben wir daher in der 7. Nummer unseres Blattes geschrieben, daß sich zwar die römische, aber nie die lutherische Kirche mit dem Blute der Ketzer befleckt hat,