# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1863_S184 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 184 Zeugniß wider den Chiliasmus aus der norwegisch⸗lutherischen Kirche. heft 61, von Lic. Ströbel gestanden hat: „Mir blieb blos die Wahl zwischen der völligen Lossagung von den millennischen Gedanken und — der völligen Ausdörrung meines evangelischen Glaubenslebens, — und mit raschem Rechts-um-kehrt! wandte ich mich für immer vom Millennium ab. Seitdem ist mir auch erst das rechte Licht darüber aufgegangen, daß beide, die Reformatoren sowohl als unsere alten Dogmatiker, nicht blos eine besondere Species des Chiliasmus, sondern diesen selbst in allen seinen Gestaltungen, als crassus, subtilis und subtilissimus, verwerfen und verwerfen müssen. Der chiliastische Geist ist immer ein und derselbe und schafft sich nur, je nach Verschiedenheit der Zeiten und Personen, in denen er Eingang findet, bald eine grobe, bald eine feine, bald eine feinste Verkörperung. Seinen Wesencharakter hat die Augsburgische Confession mit unvergleichlichem Scharfblick durchschaut: sie bezeichnet ihn als „„jüdisch.““ Das ist und bleibt er in allen seinen Gestaltungen; darum darf er keinen Raum in der evangelischen Christenheit finden. Sollte ich den Chiliasmus definiren, ich könnte ihn nach bestem Wissen nicht anders bezeichnen, als: die jüdische Messiashoffnung im Neuen Testamente (Testament natürlich nicht als Buch, sondern als Bund verstanden). Jüdisch und doch zugleich Neutestamentlich⸗gesinnt sein, ist freilich ein greller Widerspruch; aber als ein solcher erscheint mir auch der Chiliasmus.“ — Nun, ich führe dies zunächst an, damit K. T. mit Lic. Ströbel, Mitarbeiter an ihrer „echt lutherischen“ Zeitschrift (die übrigens wie K. T. die verschiedenartigsten „Ansichten“ aufnimmt) ausmachen kann, wer Recht hat, entweder sie, wenn sie behauptet, daß Männer „des alten, echten Lutherthums“ solchen chiliastischen Auffassungen „in gutem Einverständnisse mit den Symbolen“ gehuldigt haben, oder er, welcher behauptet, daß sowohl die Reformatoren als auch die alten Dogmatiker ihn in allen seinen Gestaltungen verworfen haben und haben verwerfen müssen. Die „Auffassung“ der K. T. darüber, wer Männer „des alten, echten Lutherthums“ sind, muß also von Ströbel's verschieden sein; aber vielleicht wird doch K. T. Str. für „relativ berechtigt“ ansehen, hierüber eine entgegengesetzte „Ansicht“ zu haben! Aber wie dem auch sei, so hilft es nicht, ob Männer „des alten, echten Lutherthums“ solche Auffassungen gehabt haben, was ich nicht gesehen habe und auch nicht glaube, ehe es mir gezeigt wird, und noch weniger, daß sie „dieselben in gutem Einverständnisse mit den Symbolen haben haben können;“ denn ein Kind mit dem Katechismus in der Hand kann ja, wie oben gesagt, nachweisen, daß es nicht im Einverständnisse mit demselben sei. Und wenn K. T. uns bittet, die Anmerkung zu Herzen zu fassen: „Unabhängig vom tausendjährigen Reiche fordert die Exegese, wie es scheint, die Wiederherstellung Israels,“ so werde ich K. T. bitten, dieses „wie es scheint“ zu Herzen zu fassen, denn mehr ist es auch nicht, als daß solchen Exegeten etwas „scheint;“ aber wie sehr es auch so „scheint,“ so ist es doch gewiß, daß, wenn „die Wiederherstellung Israels“ vor dem Tage des Gerichts geheischt wird, ich diesen nicht erwarten kann, ehe jene geschehen ist. Darum kann unmöglich ein wahrer Exeget dies wirklich hei⸗