# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1863_S182 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 182 Zeugniß wider den Chiliasmus aus der norwegisch⸗lutherischen Kirche. herrlichen Messiasreiche auf Erden? Sodann: „chiliastische Hoffnungen“ für unschuldig und „relativ berechtigt“ anzusehen, wenn man nicht sagen darf, es ist etwas in der Schrift gelehrt, das klar und bestimmt Grund und Recht, ja Verpflichtung zu solchen Hoffnungen gibt: heißt das nicht einräumen, daß Christen auf etwas hoffen können, was nicht klar im Worte Gottes gelehrt ist? Aber auf etwas hoffen, von dem ich nicht gewiß weiß, daß Gott es klar und bestimmt gelehrt hat, ist ja eine Hoffnung außerhalb des Wortes, ist doch wohl Sünde wider das erste Gebot: „Gott über alle Dinge zu vertrauen,“? denn Gott ist für uns bloß in seinem Worte, und wenn ich auf etwas außerhalb des Wortes hoffe, dann vertraue ich nicht Gott über alle Dinge. Und was habe ich als Christ mit dem zu thun, wovon ich nicht gewiß weiß, ob Gott es gelehrt hat oder nicht? Wird nicht dies ein zweifelhaftes Wesen sein ohne sichern, festen Glauben und also Sünde? (Röm. 14, 23.). Und wenn ich gewiß und fest nach dem Worte Gottes glaube, daß ich mit den Aposteln den Tag des Gerichts jeden Augenblick erwarten kann und soll, so kann ich unmöglich eine „Auffassung,“ die diesen Glauben unsicher oder unmöglich macht, anders als für falsch und irrig ansehen. Und K. T. irrt sehr, wenn sie es einen bescheidenen Standpunkt der Theologen in Norwegen nennt, daß sie den Chiliasmus als ein Problem hinstellen und „sich nicht getrauen,“ ihn als irrig zu verwerfen (siehe K. T. 21. 61. Sp. 224.), und daß es also unbescheiden und hochmüthig von uns ist, wenn wir uns getrauen, es zu thun. Im Gegentheil: es ist unbescheiden, die bestimmte Lehre des Wortes Gottes zu einer nur ungewissen menschlichen Meinung herabzusetzen, die ein solches „Problem“ als möglich oder relativ berechtigt neben sich leiden kann. Eine klare, bestimmte Lehre der Schrift kann nicht eine entgegengesetzte Auffassung als ein berechtigtes Problem neben sich dulden, das können nur ungewisse, menschliche Meinungen über ein Ding dulden. Wenn daher die Theologen den Chiliasmus für ein berechtigtes Problem ansehen, so müssen sie zuvor jene klare Schriftlehre, daß alle Todten am jüngsten Tage auferweckt werden sollen und daß wir allezeit Drangsal, allezeit den Tag des Gerichts erwarten sollen, auf eine ungewisse „Meinung“ reduciren — aber das ist unbescheidener Aberwitz und ein Meistern des Wortes Gottes. Und es ist kein unbescheidener Hochmuth, sondern gerade Bescheidenheit, alle sowohl eigene als auch Anderer Lieblingsideen oder Hoffnungen und Auffassungen dem Worte zu unterwerfen, zu sagen: wenn es klar und bestimmt im Worte Gottes gelehrt ist — und das glaube ich, weil es so ist, daß ich den Tag des Gerichts erwarten soll ꝛc. —, so kann ich nicht eine Auffassung, welche solchen Glauben unmöglich macht, als ein Problem hinstellen, sondern muß es eine Lüge nennen, von Teufeln oder Menschen, die eine gewisse und klare Glaubenssache verwirren und verdunkeln wollen. Und Theologen, welche sich von solcher Bestimmtheit in Schrecken setzen lassen, die beweisen nur damit, daß sie den Unterschied zwischen christlicher, fester Glaubensgewißheit aus und nach der klaren Lehre des Wortes Gottes nicht kennen, denn sie schließt aus und verdammt immer alle entgegengesetzten „Meinungen“ als Fabel und