# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1863_S178 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 178 Dr. Hengstenbergs Stellung zu den Fragen von Amt und Kirchenregiment. bei zieht und sagt: „Christus hält dort die Sterne in seiner rechten Hand, zum Beweise, daß er zu dem Amte in einer directen, nicht durch die Gemeinde vermittelten Beziehung steht. Die Strenge und Hoheit der Anforderungen, welche in der Apokalypse an das in dem Engel der Gemeinde personificirte Amt gestellt werden, hat die Hoheit seiner Würde zur Voraussetzung. Ebenso, daß in der Person des Engels durchgängig zur Gemeinde geredet, er unbedingt als ihre Seele angesehen, von seiner Buße und von seiner Treue die ihrige als abhängig betrachtet wird —“ so ist das wirklich ganz erschrecklich. Von der Buße des Predigers soll die Buße der Gemeindeglieder abhängig sein?! Da wäre ja der Prediger der Herr über Leben und Tod, Seligkeit und Verdammniß der Gemeinde. Das geht, wenn es nicht leere, rhetorische Floskel ist, noch über die päbstliche Amtslehre hinaus. — Wie die Schrift, so soll auch die Erfahrung gegen die lutherische Lehre vom Amte sein. H. sagt: „Wie mit der Schrift, so steht die Lehre von dem Amte als Erzeugniß der Gemeinde auch mit der Erfahrung in Widerspruch. Der Anfang ist in der Regel, daß Gott treue Arbeiter in seine Ernte sendet, der gewöhnliche Gang nicht der, daß erst die Gemeinde auf eigene Hand gläubig wird und sich dann einen treuen Pastor beruft oder ausbittet, sondern daß der treue Hirt die Heerde um sich sammelt. Auch da, wo zunächst die Sache sich anders verhält, wird man doch bei näherer Nachforschung gewöhnlich auf das Amt als den letzten Grund zurückkommen.“ Man fügt gewöhnlich, um die Sache recht schlagend zu machen, das Beispiel hinzu: die Apostel waren eher da, als die Gemeinden. Dieser anscheinend so plausibele und doch durchaus irrthümliche Einwurf rührt aus einer Verwechselung des Predigtamtes mit dem Pfarramte her. Es ist nicht nur kein gewöhnlicher Gang, daß erst die Gemeinde auf eigene Hand gläubig wird, sondern das ist gar kein Gang, kein Mensch wird auf eigene Hand gläubig, der „letzte Grund“ ist nicht nur „gewöhnlich“ das Amt, sondern es giebt und kann gar keinen andern Grund geben, als nur das Amt. Der Artikel V. Conf. Aug. lehrt uns, woher der Glaube kommt, und nur wo Glaube ist, sind christliche Gemeinden. „Solchen Glauben zu erlangen,“ heißt es, „hat Gott das Predigtamt eingesetzt, Evangelium und Sacrament gegeben, dadurch er als durch Mittel den heil. Geist giebt, welcher den Glauben, wo und wenn er will, in denen, so das Evangelium hören, wirket.“ Es kann also keine christliche Gemeinde entstehen ohne das Predigtamt, weil Gott ohne das Predigtamt keinen Glauben gibt, der heil. Geist nur durch das Predigtamt, d. h. Evangelium und Sacrament wirkt. Dieses Predigtamt übt jeder aus, der Evangelium verkündigt und Sacrament reicht, ein Kind, das einem andern die Geburt Jesu erzählt, eine Hebamme, die ein Kind tauft, wendet das Mittel an, wodurch der heil. Geist wirkt, übet also das heil. Predigtamt aus. Denn das Predigtamt ist der Befehl Christi das Evangelium zu verkündigen, ganz abgesehen von denen, die es verwalten. Der IV. Artikel handelt von der Rechtfertigung durch den Glauben, die lutherische Kirche zeigt nun im gleich darauf folgenden, im