# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1863_S176 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 176 Dr. Hengstenbergs Stellung zu den Fragen von Amt und Kirchenregiment. nung, daß man sie ließe thun, das Titus, Timotheus, Paulus und Barnabas thäten mit Pastoren einsetzen u. s. w. Nu sie aber an des Teufels Statt sitzen und Wölfe sind, die das Evangelium nicht lehren, noch leiden wollen, so geht sie das Predigtamt und Seelsorge unter den Christen zu beschicken ebenso viel an, als den Türken und die Jüden. Esel sollen sie treiben und Hunde leiten. Ueber das, wenn sie nun gleich rechtschaffene Bischöfe wären, die das Evangelium haben wollten und rechtschaffenes Predigen setzen wollten, dennoch könnten und sollen sie dasselbe nicht thun ohne der Gemeine Willen, Erwählen und Berufen; ausgenommen, wo es die Noth erzwinge, daß die Seelen nicht verdürben aus Mangel göttlichen Worte. Denn in solcher Noth, hast du gehört, daß nicht allein mag ein jeglicher einen Prediger verschaffen, es sei durch Bitten oder weltlicher Oberkeit Gewalt, sondern soll auch selbst zulaufen, auftreten und lehren, so ers kann. Denn Noth ist Noth, und hat kein Maaß; gleichwie jedermann zulaufen und treiben soll, wenns brennt in der Stadt, und nicht harren, bis man ihn drum bitte. Sonst wo nicht solche Noth da ist, und vorhanden sind, die Recht und Macht und Gnade haben zu lehren, soll kein Bischof jemand einsetzen ohne der Gemeine Wahl, Willen und Berufen, sondern sondern soll den Erwählten und Berufenen von der Gemeine bestätigen. Thut er es nicht, daß derselbe dennoch bestätigt sei durch der Gemeine Berufen. Denn es hat weder Titus, noch Timotheus, noch Paulus je einen Priester eingesetzt ohne der Gemeine Erwählen und Berufen. Das beweiset sich klärlich daraus, daß er Titus 1, 7. und 1 Tim. 3, 2. spricht: Ein Bischof oder Priester solle untadelig sein. Item: Die Diakon soll man zuerst prüfen. Nun wird ja Titus nicht gewußt haben, welche untadelig gewesen sind; sondern solch Gerücht muß aus der Gemeine kommen; sie muß einen solchen angeben. Item lesen wir doch Apostelg. 6, 3. 6., daß in viel einem geringern Amt auch die Apostel selbst nicht durften Personen zu Diakon einsetzen ohne der Gemeine Wissen und Willen; sondern die Gemeine erwählete und berief die sieben Diakon, und die Apostel bestätigten sie. So nun ein solch Amt, das nur über zeitliche Nahrung auszutheilen, die Apostel nicht durften von eigener Oberkeit einsetzen: wie sollten sie so kühn gewesen sein, daß sie das höchste Amt, zu predigen, jemand aus eigener Gewalt, ohne der Gemeine Wissen, Willen und Berufen hätten aufgelegt?“ (Schrift: Von Heiligung des göttlichen Namens. 1523.) — Chemnitz: „Hier fragt es sich, wer diejenigen seien, durch deren Stimmen jene Wahl und Berufung geschehen müsse, daß sie für göttlich angesehen werden könne, das heißt, daß Gott selbst durch jene Mittel die Arbeiter in seine Ernte wähle, berufe und sende. Nun finden sich hierzu gewisse und klare Beispiele in der Schrift. Apostelg. 1, 5. ff. legt Petrus, da ein anderer an Judas Stelle zu setzen war, die Sache nicht nur in mitten der Apostel, sondern auch der übrigen „Jünger“ vor; denn