# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1863_S172 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 172 Dr. Hengstenbergs Stellung zu den Fragen von Amt und Kirchenregiment. Kirchenraub und Gottlosigkeit sei wider die offenbarste und unüberwindlichste Schrift Gottes. Darum wenn ein so großer Irrthum und solcher Kirchenraub mit solcher Länge der Zeit und Haufen der Leute, die entweder recht gegeben oder verführt worden oder beigefallen, geherrscht hat wider die Wahrheit Gottes, so will ich hier allen Sophisten und Papisten zu gut ihren Hauptgrund auf einmal zu Pulver getrümmert und ihnen das Maul damit gestopfet haben, daß sie sehen, warum Gott nicht wolle, daß wir irgend einer Kreatur, ob sie lang, viel, groß oder breit sei, gläuben sollen, sondern allein dem Worte Gottes, so untrüglich ist. Wir haben demnach dieses als etwas Unstreitiges, daß die Macht, von den Lehren zu erkennen und zu urtheilen, oder zu prüfen, bei uns und nicht bei den Concilien, Päbsten, Vätern, Lehrern stehe; aber daraus folgt nicht, daß wir auch Macht haben, Gesetze zu machen. Denn das gehört allein für Gott; für uns aber, sein Gesetz und Wort zu erkennen, zu prüfen, zu richten und von allen andern Gesetzen zu scheiden; nicht aber, Gesetze zu geben oder zu gebieten. Denn aus dem Worte Christi: Sehet euch für vor den falschen Propheten, folgt darum nicht: Also stehet euch zu, zu weissagen. Ja, wie Petrus spricht: So ist noch nie keine Weissagung aus menschlichem Willen hervorgebracht, die heil. Menschen Gottes haben geredet ꝛc. Also folget nicht: Meine Schaafe hören meine Stimme, darum werden meine Schaafe meine Stimme geben oder machen. Vielmehr folgt das Gegentheil daraus: Ich gebe meine Stimme, die Schaafe aber erkennen sie, prüfen sie und folgen ihr, wenn ich sie gegeben habe. .. Aber hier werden sie sagen: Wenn ein jeder Macht hat, zu richten und zu prüfen, wie wird man denn aus der Sache kommen, wenn die Richter nicht eins sind und ein jeder nach seinem Kopfe richtet? Darum muß nothwendig Einer sein, bei dessen Urtheil es die andern bewenden lassen und zufrieden sind, damit der Kirchen Einigkeit erhalten werde. Antwort: Diese Schwätzerei schickt sich für Niemand besser, als die Thomisten. Denn nun frage auch ich: Wie kommt man heutiges Tages zu Rechte, da Alles unter des Pabstes Urtheil steht? Wo wird hier die Einigkeit erhalten? Ist das die Einigkeit unverletzt erhalten, wenn man sich mit dem äußerlichen Namen des Pabstes“ (bei den Angermünder Pastoren und Dr. H. heißt es: Mit dem äußerlichen Gehorsam gegen das Oberkirchencollegium) „vereinigt? Wo bleibt die Einigkeit der Herzen? Wer ist in seinem Gewissen versichert, daß der Pabst recht urtheile? Und wo keine Gewißheit ist, da ist auch keine Einigkeit. Also ist zwar unter dem Pabst ein äußerlicher Schein und Gepränge der Einigkeit; innerlich aber ist Nichts, als die allergräulichste Babylon, daß kein Stein auf dem andern bleibet, noch ein Herz mit dem andern einstimmig ist. Also siehet man, wie schön die menschliche Verwegenheit mit ihren Satzungen den geistlichen Sachen zu rathen wisse.“ So romanisirend Hengstenberg und Stahl in ihren Meinungen und Ansichten vom Kirchenregiment sind, so unreformatorisch, unlutherisch unbiblisch sind sie auch in ihren Auslassungen über das Amt. H. sagt: „Ein Verdienst Stahls ist es ferner, daß er den modernen Traum