# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1863_S171 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Dr. Hengstenbergs Stellung zu den Fragen von Amt und Kirchenregiment. 171 oft Moses, Josua, David und alle Propheten im alten Gesetz das Volk vor falschen Propheten abrufen und warnen, so oft schreien, gebieten, verkündigen und bestätigen sie desselben Recht, alle Lehren aller Leute zu richten und zu erkennen. Das thun sie aber an unzähligen Orten. Hat hier unser Heinz oder irgend ein schändlicher Thomist noch etwas dagegen zu sagen? Haben wir nicht hier das Maul derer, die unrecht reden, gestopft? Laßt uns wieder zum Neuen Testament kommen. Wenn Christus Joh. 10 spricht: Meine Schaafe hören meine Stimme; der Fremden Stimme aber hören sie nicht, sondern fliehen vor ihnen, macht er da nicht die Schaafe zu Richtern und versetzt das Recht zu erkennen auf die Zuhörer? ... Also was Christus nun Matth. 24. und allenthalben von den falschen Lehrern, Petrus und Paulus von den falschen Aposteln, Meistern, und Johannes von Prüfung der Geister gebieten: geht alles dahin, daß das Volk Macht habe, zu richten, zu prüfen, zu verdammen; und zwar mit allem Recht. Denn wie ein jeder auf seine Gefahr recht oder falsch gläubt, so hat auch ein jeder billig dahin zu sorgen, daß er recht gläube; daß auch der gemeine Menschenverstand und die Nothwendigkeit der Seligkeit es giebt, daß das Urtheil über die Lehre nothwendig bei dem Zuhörer sein müsse. Sonst ist vergeblich geschrieben: Prüfet Alles und das Gute behaltet. Ingleichen: Der geistliche Mensch richtet Alles, und wird von Niemandem gerichtet. Ein jeder Christ aber ist geistlich von dem Geiste Christi her. Es ist alles euer, spricht er, es sei Apollo, Paulus oder Kephas, d. i., ihr habt Macht, über Aller Worte und Thaten zu richten. Nun magst du zusehen, aus was für einem Geist die verruchten gräulichen Concilien gegangen sind, die wider so wichtige Stellen und Donnerkeile, und wider die offenbaren Sprüche sich haben unterstehen dürfen, den Päbsten das Recht, zu richten und zu erkennen, dazu auch gebieten und Gesetze zu stellen, durchaus in Allem zuzusprechen! Ohne Zweifel sind das Satans Gedanken gewesen, dadurch er die Welt mit Wirkungen des Irrthums überschwemmt und den Gräuel an heilige Stätte gestellt hat; und dadurch nachgehends in allersicherster Tyrannei dem Volke die Macht zu richten benommen worden, davor sich sonst falsche Lehrer hätten scheuen müssen; so daß endlich der Weg durch den närrischen und abergläubischen Gehorsam und Geduld des Volks zu allen Irrthümern und Gräueln gebahnt worden, daß sie allenthalben einreißen können. Und daß ich hier an meinen Heinzen und die Sophisten gedenke, die alles auf Länge der Zeiten“ (das nennt man jetzt: geschichtliche Berechtigung) „und Haufen der Leute stellen mit ihrem Glauben, so ist wohl nicht zu leugnen, daß dieses geraubten Rechts Tyrannei wohl über tausend Jahr gewährt habe. Denn schon im Nicänischen Concilio, welches doch noch das beste war, fingen sie schon an, Gesetze zu machen und sich solches Recht anzumaßen. Und von der Zeit an ist es bisher so eingerissen, daß nichts gänger noch fester ist, weil es mit der Menge der Leute und langem Brauch bewiesen werden kann, als dieses Recht; so daß heutiges Tages Niemand leicht ist, der es nicht für heilsam, gerecht und göttlich halte. Aber hier siehest du, daß es lauter