# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1863_S169 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Dr. Hengstenbergs Stellung zu den Fragen von Amt und Kirchenregiment. 169 Satans nichts auszurichten ist. — Wenn wir dennoch viel über Verfassung und Kirchenregiment gekämpft haben, so mißverstehen uns die gänzlich, welche wähnen, das Ziel unseres Kampfes sei dahin gerichtet gewesen, unsere Art der Verfassung womöglich Allen aufzudrängen. Ach, nein, es hat sich bei uns um eine verhältnißmäßig so geringfügige Sache nicht gehandelt. Mögen die Buffaloer ihre Kirche nach irgend einer der alten Agenden regieren und die Schlesier durch ein Oberkirchencollegium und die luth. Landeskirchen durch Consistorien, das fechten wir nicht an. Mag jeder zusehen, was für ihn am besten paßt. Unser Kampf galt höheren Gütern. Es handelte sich um die Ehre Christi und seiner Kirche. Jesus Christus ist der alleinige Herr der Kirche, er allein ist König in seinem Reiche und keiner mehr, seine Ehre giebt er keinem Andern. Kein Pabst, kein Kirchenrath, kein Consistorium, keine Gemeinde hat in Christi Reich ein Jota zu befehlen. Nur die Befehle Jesu, die ein für allemal und für immer in der heil. Schrift niedergelegt sind, zur Ausführung zu bringen, das ist ihr Beruf. Wollen sie außer den Befehlen Jesu selbst irgend etwas befehlen aus eigener Machtvollkommenheit, so sind sie Rebellen gegen den Himmelskönig, und sagen sie nun gar, diese usurpirte Macht rühre aus göttlichem Rechte her, so sind sie Gotteslästerer obendrein. Das ist der eine Punkt, um den es sich handelt; der andere ist die Ehre der Christen. Die Christen sind zu der Gemeinschaft Jesu Christi berufen (1 Cor. 1, 9.), d. h. sie haben alle Güter, die Christus hat, sind in Wahrheit Christi Braut, Christi Brüder, und das sind keine leere Redensarten! Haushalter, die nun auch nur in einem einzigen Stücke, das der Herr nicht befohlen hat, Gehorsam für sich verlangen, machen dadurch des Herrn Braut zu ihrer Magd, des Herrn Brüder zu ihren Knechten, und begehen damit einen schändlichen Frevel, zerstören Gottes wunderbare Ordnung, entheiligen seinen Tempel, rühren seinen Augapfel an; des Hausherrn Zorn wird sie sicherlich treffen, mag der Teufel ihre Verblendung und Hoffahrt auch schmücken mit dem Namen eines schönen, wirksamen Kirchenregiments, einer festen, gesegneten, geschichtlich gewordenen Kirchenordnung. Die römische Hierarchie ist eine Ordnung, eine feste, starke, auch geschichtlich hervorgewachsene, (worauf man jetzt ganz besonderes Gewicht legt; H. sagt: „Im Allgemeinen wird die Verfassung, welche jede Kirche hat, die durch die geschichtlichen Verhältnisse nothwendig bedingte und also die Gottgewollte (?) sein.“), und welcher Christ kann denn leugnen, daß diese Ordnung die verfluchteste Unordnung, die gräulichste Zerstörung der Hausordnung Gottes ist? — Es bleibt ewig dabei: „Einer ist euer Meister, ihr alle aber seid Brüder.“ Diese Brüder können nun unter sich, je nach den Gaben, die Arbeit im Hause vertheilen. Aber wehe, wehe den Brüdern, die sich als Herrn aufwerfen, welche die andern Brüder, die vielleicht rauhere Arbeit haben, Bäcker, Schmiede, Farmer sind, für nicht so gleich berechtigt halten, als sich selbst, wohl gar meinen, durch sie würden diese Brüder erst Brüder, durch ihr Austheilen bekämen diese erst die Güter des Hauses, diese Brüder hätten eigentlich kein Recht, z. B. auch mit zu sprechen, wenn es gilt einen Unbußfertigen