# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1863_S167 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Dr. Hengstenbergs Stellung zu den Fragen von Amt und Kirchenregiment. 167 Glauben ergriffen, davor fleucht die alte Schlange, vor sonst nichts. Mit Recht sagt der, in Kämpfen wohl erprobte, Luther: „das Wort sie sollen lassen stahn!“ Aber zu den zerbrochenen Rohrstäben und sonstigen „Elendigkeiten“ rechnen wir nicht nur Presbyterial- und Synodalverfassung, sondern auch Consistorial- und Episcopalverfassung, überhaupt jede Art menschlichen Kirchenregiments, jede Kirchenverfassung, mag sie Namen haben, welche sie will. Denn es hilft nun einmal nichts Menschliches gegen den Satan und sein Reich, nur Jesus Christus nimmt dem starken Gewappneten seinen Raub, nur der Glaube ist der Sieg, der die Welt überwindet. Und hier scheint uns eine große Gefahr zu liegen, welche der deutschen Kirche in den kommenden Stürmen droht, daß man sich nicht ganz frei macht von der gefährlichen⸗Blendung, die Fleisch für ihren Arm hält, da man Hülfe hofft für die Kirche zwar nicht vom Arme des Volkes, aber wohl vom gestärkten Arme kirchlicher Oberbehörden. Allein Fleisch ist Fleisch, des Pöbels Fleisch ist verderbt und ohnmächtig, aber eines Pabstes, oder Königs, oder Oberkirchen⸗ oder Consistorialraths Fleisch ist doch um kein Haar edeler oder kräftiger. Wir können daher auch mit Dr. Hengstenberg nicht übereinstimmen, wenn er sagt: „Es ist die Aufgabe der Zukunft, die Stellung unserer Generalsuperintendenten und unserer Superintendenten zu heben, so daß sie sich als wahre Oberhirten darstellen.“ Und es ist mehr als ein zerbrochener Rohrstab, es ist in der That eine wahre „Elendigkeit,“ z. B. in dem Streit unter den separirten Lutheranern, in dem rein und ganz äußerlichen Gehorsam gegen die Anordnungen des Oberkirchencollegiums eine Abhülfe zu sehen und zu empfehlen, das kann man wohl Partheien im Staate zumuthen, aber der Christen Thun muß aus dem Glauben kommen, sonst ist es Sünde. Dr. H. berichtet: „Eine Conferenz von Pastoren, die im Oktober in Angermünde zusammentrat und die zur Hälfte aus solchen bestand, die ganz sich zu dem Oberkirchencollegium bekennen, zum andern aus solchen, die mehr oder weniger mit ihm in einem gespannten Verhältnisse standen, hat ein erfreuliches Resultat geliefert. Sie hat zwar die Wunde nicht ganz heilen, die Ausgeschiedenen nicht wieder zurückführen können, aber es ist ihr doch gelungen, den weitern Ausscheidungen ein Ziel zu setzen. Man hat sich in dem sehr vernünftigen Beschlusse geeinigt, daß den Anordnungen des Oberkirchencollegiums Folge zu leisten sei, daß es aber jedem überlassen bleibe, wie er sich die Autorität desselben zurecht lege, ob er sie aus göttlichem oder menschlichen Rechte ableite. Man muß sich nur wundern, daß das sich nicht von selbst verstand, daß es erst beschlossen werden mußte. Wir wünschen unsern Brüdern Frieden und hoffen, daß diese Vereinigung Frucht tragen wird, daß auch Männer wie Ehlers aus ihrer unhaltbaren Sonderstellung heraustreten werden.“ In solcher Art von klugen Compromissen pflegt die hiesige General⸗Synode ziemlich fruchtbar zu sein. — Es heißt ferner von den Behörden zu viel hoffen, sich auf diesen Rohrstab zu stützen, wenn H. sagt: „Es handelt sich darum, daß die Behörden im Stande sind, die großen Uebelstände auszugleichen, welche das in den meisten Gemeinden der westlichen Provinzen bestehende freie Wahl⸗