# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 05 02_S144 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ſeiner Kirche widmen könnten und ſollten, und die ſich durch die Gedanken davon abhalten laſſen wollten, daß der Lohn, welchen treue Diener in dieſer Welt für ihren allerſchwerſten Dienſt zu er⸗ warten haben, meiſt Armuth, Verachtung und Noth iſt. Wir hoffen aber, daß auch junge Leute, die ſich dem HErrn bereits gewidmet haben, durch dieſen ſchönen Brief werden erweckt werden, ihrem Vorſatze treu zu bleiben. Endlich liegt aber auch in dieſem aus einem wahrhaft chriſtlichen Herzen gefloſſenen Schreiben für einen jeden eine dringende Aufforderung zur Beſtändigkeit, der durch Gottes Gnade ſich auch nur entſchloſſen hat, in den Chri⸗ ſtenſtand zu treten und unter der Fahne des Creu⸗ zes für ſeinen lieben HErrn IEſum Chriſtum wider Fleiſch, Welt und Teufel zu ſtreiten. Der Brief lautet folgendermaßen: Mein Sohn! Dein letztes Schreiben habe ich mit Verlangen erwartet, um dadurch einige innere Erquickung zu erlangen. Aber anſtatt deſſen hat mir dein Brief eine nicht geringe Betrübniß verurſacht; indem ich vernehmen muß, und zwar mit Verwunderung, daß du wegen eines ſo kleinen Ungewitters, wel⸗ ches über die Evangeliſche Kirche ergehet, aus dem Weinberge deines HErrn zu weichen gedenkſt; eben als wenn dir ganz und gar unbekannt wäre, daß un⸗ ſer Heiland nicht diejenigen, ſo nur angefangen ha⸗ ben, nach ſeinem Willen zu wandeln, ſondern die, ſo bis ans Ende beharren, belohnen werde. Die Worte Chriſti ſind dir ſchon längſt bewußt, da er ſpricht: „Ihr werdet weinen und heulen, aber die Welt wird ſich freuen, ihr aber werdet traurig ſein, doch eure Traurigkeit ſoll in Freude verkehret werden.“ (Joh. 16, 22.) Hat nicht auch unſer König und unſer Haupt ſelbſt aus unausſprech⸗ licher Liebe gegen uns, uns zu gute, ſo viel aus⸗ geſtanden, und zwar von ſeiner Kindheit an bis zu ſeinem Creuzestod, ſo gar, daß er rufen mußte: Sehet, ob irgend ein Schmerz ſei, wie mein Schmerz, der mich getroffen hat. (Siehe Ger⸗ hards Medit.“) 2., desgleichen Pſalm 88, 4. Jeſ. 53, 3. 4.) Ei warum ſollten ſeine Glieder nicht auch etwas weniges mit ihm und um ſeines Namens willen leiden? Es iſt nicht möglich, die Crone des Lebens zu erlangen, wenn man den Streit, nach dem Erempel Chriſti, nicht geduldig und beſtändig abwartet; und wenn man das zeit⸗ liche Leben um ſeinetwillen nicht verlieret, kann man jenes himmliſche nicht ererben. Iſt mir gleich der Himmel und die Crone, die wir dort be⸗ kommen ſollen, lieb, ſo wird ſie mir doch nicht ge⸗ geben, ohne daß ich dieſelbe in einem Sieg davon getragen habe. Der Zuſtand der Kirche, ſowohl im Alten als Neuen Teſtament, iſt dir nicht unbe⸗ kannt. Gedenke, mein Sohn, an die Zeiten Eliä. In welchem elenden Zuſtand war nicht damals der kleine Haufe der Heiligen, ſo daß Elias ſelbſt vermeinte, er wäre allein übrig geblieben; dennoch hat ihn Gott eines andern überführt. Er hat ihm aber auch zu verſtehen gegeben, es müſſe mit der Kirche ſo ausſehen. Denn da er ſich ihm einſt offenbarte, ließ er ihn erſt einen ſtarken Wind wahrnehmen, der die Berge zerriß, und die Felſen zerbrach; nach dem Winde kam ein Erdbeben, nach dem Erdbeben ein Feuer, und erſt nach dem Feuer ein ſtilles und ſanftes Sauſen. (1 Kön. 19, 11.) Unter ſolcher Fahne des Creuzes, die Chriſtus voranträgt, haben auch alle Heiligen und Auserwählten, die jemals geweſen ſind und ſein weiden, geſtritten, und ſie würden uns, wie der ſel. Arnd ſchreibt, nicht einmal für ihre Brü⸗ *) Dieſe erbaulichen Medit. ſind auch in die böhmiſche Sprache überſetzt und konnten daher von dieſer chriſtl. Mut⸗ ter geleſen werden. 1⁴⁴4 der erkennen, wenn wir nicht auch unter ſolcher Fahne ſtreiten wollten. Wer dermaleinſt die Lebenscron von Gott gedenkt zu kriegen, Den muß in dieſem Jammerthal kein Creuz noch Leid be⸗ ſiegen. Es kommt mir ſehr ſeltſam vor, daß ich deine Hoffnung auf Gott bei gegenwärtigen Umſtänden ſo bald ſinken ſehe. Das ſei ferne von dir! Viel⸗ leicht ſorgeſt du, wie du möchteſt einſt in der Welt fortkommen. Das ſind unnütze Sorgen. Gott der HErr, deſſen Macht keiner Abwechſe⸗ lung unterworfen iſt, der dich im Mutterleibe zu ſeinem Ebenbild erſchaffen, und dir zugleich eine vernünftige Seele gegeben, um deinen Schöpfer zu erkennen, wird dich niemals verlaſſen, wofern du dich nur durch ſeinen Heiligen Geiſt wirſt leiten laſſen, und ſo wandeln, wie er es haben will; ſollte er dich gleich durch das Thal des Todes führen. Dein Vorhaben rührt von deinem verderbten Sinn, ja aus einem ungläubigen und wankenden Herzen her. Ueberlege doch die Worte deines IEſu, die er zu ſeinen Jüngern, aber auch zu dir geſprochen: „Den Kelch (des Leidens), den ich trinke, ſollt ihr auch trinken, und mit der Taufe, da ich mit getauft werde, ſollt ihr getauft werden.“ (Matth. 20, 23.) Darum weiche weder zur Linken noch zur Rechten von dem ab, was du dir einmal vorgenommen, und wozu dich Gott der HErr berufen. Ich, deine Mut⸗ ter, verlange keinesweges, daß ihr, meine Kinder, in der Welt beſtändige Ruhe und Bequemlichkeit genießen ſollt; vielmehr gehet mein einziges Verlangen dahin, daß ich einſt ſammt eurem lieben Vater und euch bei der Schwelle der himmliſchen Hütte zum Dienſt meines Heilandes ſitzen und bleiben möge.“) Nimm dir, mein Sohn, von uns, deinen geplagten Eltern, ein Beiſpiel. Du weißt wohl, wie groß unſere Verfolgung ge⸗ weſen, ſo daß wir nicht allein von den Feinden der evangeliſchen Wahrheit, ſondern ſogar von unſern Glaubensgenoſſen vieles haben erleiden müſſen. Die Welt hat uns nicht tröſten wollen: Doch weil uns unſer IEſus die Süßigkeit ſeiner Nachfolge hat ſchmecken laſſen, ſo haben wir ſol⸗ ches alles mit Freudigkeit und Geduld ertragen. Ja, wenn es meinem Gott beliebig wäre, wollte ich mir das für eine Glückſeligkeit ſchätzen, auch mein Leben um ſeinetwillen zu laſſen. Iſt dir das auch unbekannt, daß der ſelige Luther ſehr bedauert hat, daß er ſein Blut mit in das Grab nehmen müſſe, welches er gerne Chriſto zu gefal⸗ len vergießen wollte? Du giebſt zwar vor, du wäreſt auch zur Medicin von Natur nicht unge⸗ neigt; allein dies ſind eitle Gedanken. Deine Begierde, die du zur Theologie ſowohl als zur Mediein getragen haſt, iſt mir nicht unbekannt. Darum habe ich dir als deine treue Mutter alle⸗ zeit vergönnt, dich neben deinem Hauptzweck auch in der Medicin etwas umzuſehen, um dadurch die Conſtitution deines Leibes beſſer in Acht zu neh⸗ men. Weil du aber zu dem Ende aus deinem Vaterlande gegangen biſt, dich der Gottesgelahrt⸗ heit zu widmen, ſo muß dich das kleine Ungewit⸗ ter, welches über die evangeliſche Kirche ergeht, keinesweges davon abhalten. Chriſtus hat ſein Zion in ſeine Hand gegraben; darum iſt es un⸗ möglich, daß er uns, nachdem er unſern Glauben geprüft und uns treu erfunden hat, verlaſſen ſollte. Bitte vielmehr dieſes Gott ab, beuge deine Kniee vor dem Angeſicht Gottes, und bitte deinen IEſum, daß er dir ſolches vergeben und deinen Glauben, wie jenen Jüngern, ſtärken *) O, daß alle Eltern in dieſer Geſinnung rückſichtlich ihrer Kinder ſtänden! D. R. möge, auf daß dich von ihm weder Tod noch Le⸗ ben, weder das Gegenwärtige noch das Zukünf⸗1 tige ſcheiden könne. Ich weiß ſolches beſſer als du, daß dich Goit gleich von Jugend auf in ſeinen Weinberg berufen habe. Du haſt es auch dunh mancherlei Unternehmungen von deiner Kindheit an zu erkennen gegeben; deine Lehrer haben in der Folge ein Gleiches an dir wahrgenommen. Warum ſollteſt du denn alles dieſes in den Wind ſchlagen, und deine bisherigen Bemühungen fah⸗ ren laſſen? Das Verlangen, das du trägeſt, Gott und dem Nächſten in deinem Vaterlande zu! dienen, iſt eben nicht übel: dies wird auch ge⸗ ſchehen, wenn wir Gottes Güte trauen werden. Doch hoffe du nur allein auf Gott, und ſehne dich nicht nach dem Vaterlande, gedenke vielmeht, wie du in das rechte himmliſche Vaterland einſt kommen mögeſt. Darnach müſſen wir trachten und ringen. Dort kommen wir alle zuſammen, ob uns gleich die Welt von einander trennen ſollte. Ich glaube gewiß und bin verſichert, da Gott der HErr dich als einen der geringſten Die- ner gebrauchen wird, ſein Zion zu erneuern. Hierbei kann ich nicht umhin, dich der Worte zu erinnern, deren ich oft mit Freuden gedenke, die du in deiner zarten Kindheit haſt von dir hören laſſen. Als du nemlich einſt im Garten den Schaaf⸗Hirten gefragt: ob er nicht lieber wolle einen Seelen⸗Hirten abgeben? und er nein dazu geſagt, gabſt du ihm zur Antwort: Du wollteſt lieber einen geiſtlichen Hirten abgeben und die menſchlichen Seelen weiden; indem auch der HErr JEſus ſich einen Seelen-Hirten nenne, und für die geiſtlichen Schaafe ſein Leben gelaſſen habe. Als ich nun ſolches vernahm, und an dir eine große Luſt ſchon damals dazu verſpürte, habe ich mit Thränen zu Gott gerufen, und dich ihm Zu ſeinem Dienſte, wie jene Mutter ihren Sa⸗ muel, übergeben, mit der Bitte, er möge dich nach ſeinem Willen lenken und zu einem Gefäß berei⸗ ten, damit du einſt in der chriſtlichen Kirche die verirrten Schaafe zurechte bringen und auf eine geſunde Weide führen könneſt. Darum gehe von dem nicht ab, was dir noch in deiner Kind⸗ heit beliebet, und wozu dich Gott berufen hat, ſondern bleibe deinen HErrn getreu; wäre es auch vonnöthen, dein Leben für ihn zu laſſen, ſo mußt du bereit und willig ſein, ſolches auf dich zu nehmen; es gereicht auch dies zu deinem Beſten. Denn der Tod kann dir nicht ſchaden, ſon⸗ dern wird dir nur deſto eher zu deinem Erz⸗-Hir⸗ ten in den Himmel verhelfen. Hiermit Gott befohlen. ꝛc. — Erhalten für das Seminar in Altenburg (durch Herrn P. Keyl geſammelt): In Milwaukee...... — .88 In Freiſtadt..— 3.33 In Kirchheim..— 1.28 Von Hrn. Meyerr 0.94 514.43 für die lutheriſche Miſſion: Von Verſchiedenen in Milwaukee à1.00. Bezahlt. Die 2. Hälfte des 3. Jahrg. Hr. H. L. Dannettel. Die 1. Hälfte des 4. Jahrg. Hr. E. Ziſcher. Die 2. Hälfte des 4. Jahrg. Die HH. Conr. Duchardt, Ellinger. Den 4. Jahrg. Die HH. G. Albach, P. Baumgart, W. Brodbeck, H. L. Dannettel, H. Eggers, Dr. Haynel, Jockel, Ad. Leiſtner, C. G. Müller, Fr. Meyer, Ad. Röhrich, Schäfermann, Thöle. Gedruckt bei Arthur Olshauſen, Herausgeber des Anzeiger des Weſten.