# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1863_S164 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 164 Theologische Axiome. 75. Möchte aber ein Gutherziger (wie man's nennt) sagen: Was schadet's denn, daß man Gottes Wort hielte, und ließe daneben diese (irrigen) Stücke alle oder je etliche, so leidlich wären, auch gleichwohl bleiben? Antworte ich: Es mögen gutherzige Leute heißen, sie sind aber irreherzige und verführetherzige Leute. Das Leben kann wohl Sünde und unrecht sein, ja, ist leider allzu unrecht; aber die Lehre muß schnurrecht und gewiß ohne alle Sünde sein. Darum muß in der Kirche nichts, denn allein das gewisse, reine und einige Gottes Wort, gepredigt werden. Wo das fehlet, so ist's nicht mehr die Kirche, sondern des Teufels Schule. (Luther.) 76. Man sagt recht und wohl: Die Kirche kann nicht irren; denn Gottes Wort, welches sie lehret, kann nicht irren. Was aber anders gelehret oder Zweifel ist, ob's Gottes Wort sei, das kann nicht der Kirchen Lehre sein, sondern muß des Teufels Lehre, Lügen und Abgötterei sein. (Luther.) 77. Sacramenti usurpatio est nota confessionis et doctrinae; qui ergo doctrinam illius ecclesiae, in qua sacramento uti vult, pro vera non agnoscit, is sacramento quoque salva conscientia in illa ecclesia uti non potest. (Balduin.) Der Gebrauch des Sacraments ist ein Zeichen des Bekenntnisses und der Lehre; wer daher die Lehre derjenigen Kirche, in welcher er das Sacrament gebrauchen will, nicht für wahr anerkennt, der kann auch das Sacrament in jener Kirche nicht mit unverletztem Gewissen gebrauchen. 78. Non potest concordiam habere cum Christo, qui discors voluerit esse cum christiano. (Augustinus.) Der kann keine Einigkeit mit Christo haben, der uneinig sein will mit den Christen. 79. Melius est discidium pietatis ortum causa, quam vitiosa concordia. (Gregor. Nazianzen.) Die Zwietracht, die um der Gottseligkeit willen entstanden ist, ist besser, als eine sündliche Eintracht. 80. Ambitio mater est omnium haeresium et sectarum. (Luther.) „Aus Ehrsucht kommen alle Ketzereien her.“ 81. Qui Christo non credit, multo minus credit in Christum. (Selneccer.) Wer Christo nicht glaubt, glaubt noch viel weniger an Christum. 82. Τὸ ἀληθὲς ἕν, τὸ δὲ ψεῦδος πολυσχιδές. (Gregor.) Die Wahrheit ist Eine, die Lüge aber manchfaltig. 83. Si fueris Romae, romano vivito more, Si fueris alibi, vivito, sicut ibi. (Melanchthon.) Bist du in Rom, so lebe nach römischer Sitte, bist du anderwärts, so lebe, wie es da Gebrauch ist. 84. Die Ceremonien sind uns unterworfen, und nicht wir ihnen. (Luther.) 85. Geräth eine Ordnung in Mißbrauch, so ist sie nicht mehr eine Ordnung, sondern eine Unordnung. (Luther.)