# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1863_S163 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Theologische Axiome. 163 men, so daß nirgends ein unverfälschtes und reines Predigtamt übrig ist, so irrt dennoch die ganze Kirche niemals so, daß es nicht Leute gäbe, welche, der einfachen Leitung des Wortes folgend, durch Regierung und kräftige Wirkung des heil. Geistes und durch den Glauben so geheiliget werden, daß sie den Grund des Heils behalten, von grundstürzenden Irrthümern unbefleckt bleiben und aus Gottes Kraft durch den Glauben bewahrt werden zur Seligkeit, obgleich ihrer zuweilen wenige sind und bei dem öffentlichen Wüthen der Verfolgungen und Verfälschungen so verborgen sind, daß sie öffentlich vor der Welt nicht erkannt werden. 69. Quatenus ecclesia verbum sequitur, eatenus Spiritu S. regitur et eatenus non errat. (Gerh.) Sofern die Kirche dem Worte folgt, sofern wird sie vom heil. Geiste regiert und sofern irrt sie nicht. 70. Es ist nicht Gottes Wort darum, daß es die Kirche sagt; sondern daß Gottes Wort gesagt wird, darum wird die Kirche. Die Kirche macht nicht das Wort, sondern sie wird von dem Wort. (Luther.) 71. Vera ecclesia res adiaphoras non jubet facere vel omittere propter suum mandatum, sed tantum propter τάξιν καὶ εὐσχημοσύνην conservandam, ut ordo observetur et scandalum vitetur, quae, quamdiu non violantur, conscientias liberas relinquit, nec iis vel scrupulum injicit, vel necessitatem imponit. (Gerh.) Die wahre Kirche heißt Mitteldinge nicht thun oder unterlassen um um ihres Gebotes willen, sondern allein um Erhaltung der Ordnung und Wohlanständigkeit willen; so lange diese nicht verletzt werden, läßt sie die Gewissen frei und macht ihnen damit weder einen Scrupel, noch legt sie etwas als nothwendig auf. 72. Dieses ist genug zu wahrer Einigkeit der christlichen Kirchen, daß da einträchtiglich nach reinem Verstand das Evangelium geprediget und die Sacramente dem göttlichen Wort gemäß gereicht werden; und ist nicht noth zu wahrer Einigkeit der christlichen Kirchen, daß allenthalben gleichförmige Ceremonien, von den Menschen eingesetzt, gehalten werden. (Augsb. Conf.) 73. Dissonantia jejunii non dissolvit consonantiam fidei. (Form. Concord.) „Ungleichheit des Fastens soll die Einigkeit im Glauben nicht trennen.“ 74. Es fahen wohl jetzt etliche Klüglinge an zu flicken, wollen den Sachen rathen und den Hader schlichten, geben für, man sollte auf beiden Seiten weichen und nachgeben. Die lassen wir zwar machen, und versuchen, was sie können; gönnen ihnen der Mühe wohl: werden sie aber den Teufel fromm und mit Christo eins machen, so sind sie die ersten. Ich halte es aber, es sei mit solchem Flickwerk eben (wie Jesus Sirach 22, 7. sagt), als wenn man Scherben wollte zusammen flicken. Und sind zwar bereits der Schuster viel gewesen, so sichs unterstanden, aber auch umsonst gearbeitet, und beide, Draht und Stich, verloren. (Luther.)