# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1863_S160 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 160 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. bens und in Gemeinschaft der Liebe geschehen kann. Irren Wir nicht, so kommt es jetzt darauf an, allenthalben recht zu beherzigen, daß die löbliche Furcht vor Verleugnung der evangelischen Wahrheit, wie die lutherische Kirche sie bekennt, doch nie zu „„Schulgezänk““ verführen darf, bei dem unmerklich der Eifer um die eigene Ehre an die Stelle des Eifers um die göttliche Wahrheit tritt, daß vielmehr immer und vor Allem Acht zu haben ist auf „„Besserung zu Gott im Glauben““, daß die Schwachen im Glauben mit Geduld getragen und geschont sein wollen, damit der glimmende Docht nicht ganz verlösche, und daß den Geistlichen vor andern die apostolische Mahnung gilt, „„gelinde, nicht haderhaftig““ zu sein. Ob und wiefern es aber in dem Bezirke des einzelnen Consistoriums nöthig oder räthlich ist, durch allgemeinen Erlaß oder durch einzelne Verfügungen in besonderem Anlaß dies oder Aehnliches den Geistlichen ans Herz zu legen, überlassen Wir dem Urtheile der mit den Verhältnissen besser als Wir bekannten königl. Consistorien. Daß anderer Seits das Verhalten einzelner Geistlichen, wonach dieselben in Schwäche oder Eitelkeit unberechtigte Ansprüche und Vorwürfe der Gemeinden, der Tagesmeinung huldigend oder nachgebend, angeregt und gefördert haben, ernste Mißbilligung verdient, betrachten Wir als selbstverständlich.“ Dazu macht der Freimund folgende gute Bemerkung: „So weit das Cultusministerium. Es theilt erst Tadel aus für beide Theile des Kirchenstreits und sagt dann, welches Benehmen es von beiden Seiten verlange. Was den Tadel anbetrifft, so ist er leise, sehr leise für die Feinde; sie werden sachte behandelt; stark und ernst und immer wiederkehrend werden die eifrigen Pastoren gerügt. Ob in solchem Augenblick Rüge oder Stärkung der treuen Männer nöthig war, kann jeder selbst sich sagen. Aber — — verlasset euch nicht auf die Fürsten und Gewaltigen. Zum andern: das Verhalten heißt: Friede und Ruhe halten um jeden Preis. Beiderseits! Wir thun ja den Fortschrittsleuten alles, was sie wollen; die Umwälzung geht ihren regelrechten Gang ja vorwärts, — darum haltet nun, ihr Männer von Celle, Friede und Ruhe! Die Pastoren aber sollen schweigen und kein „„Schulgezänk““ treiben, nicht für die „„eigene Ehre eifern““ u. s. w. Großer Gott, ist denn das Schulgezänk, wenn die Gevattern am Taufste'n sagen: wir glauben nicht, daß es einen Teufel gibt u. s. w., und unser Katechismus sagt doch, der HErr habe uns von des Teufels Gewalt erlöst, und die Schrift bezeugt, dazu sei er in die Welt gekommen, des Teufels Werk zu zerstören? Ist denn das ein Schulgezänk, wenn das ABC des Christenthums in Frage gestellt wird und der Diener Christi weist solche Ungläubige aus dem Heiligthum weg? Wohin sind wir denn nun gekommen, auf welcher schiefen Ebene stehen die Diener Gottes — werden sie mit dem Pöbel hinunterlaufen, — wenn sie selber sie nicht aufhalten können, werden sie ihnen gar voranlaufen? Ist das der rechte Eifer, ist das der Friede? Davor behüte uns, lieber HErre Gott. Und uns stärke er den Bund, damit wir trotz der Gewalt des HErrn Wort vertheidigen; denn hier ist der Punkt, wo der Gehorsam gegen die Hohen zum Ungehorsam gegen den Höchsten wird. Kyrie Eleison.“ Füllsteine. „Wahrheiten kommen uns grob vor, wie die Zeichnungen der Natur, ohne es zu sein; Lügen hingegen sind gedrechselt und polirt für das Auge, wie die Werke der Kunst, und sind ungehobelt.“ Hamann I, 358. „Der Glaube ist kein Werk der Vernunft und kann daher auch keinem Angriff derselben unterliegen; weil Glauben so wenig durch Gründe geschieht, als Schmecken und Sehen.“ Derselbe II, 36. „Gott ist ein Wesen, das nur ein Blinder mit starren Augen ansehen kann, und dessen Denkungsart und moralischen Charakter sich nur ein eitler Mensch zu erkennen getraut.“ Derselbe I, 518.