# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1863_S156 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 156 Kirchlich-Zeitgeschichtliches. wolle, damit unsere Kirche von der Aufgabe, selbständig ihren Weg zu gehen, nicht überrascht werde. Es ist der Gedanke eines zweiten Katechumenats nach der ersten Kommunion, welcher ausgehe in einem mit dem Namen der Konfirmation zu bezeichneten Akt der Befestigung und Bestätigung als vollberechtigter Glieder der Kirche, einen Akt der Handauflegung im Sinne einer Laienordination. (!) Das kirchliche Vollbürgerrecht, bestehend in dem Rechte der Pathenschaft, dem Rechte auf Einsegnung der Ehe, dem Antheile an der Vertretung der Interessen einer Kirchgemeinde, an der Wahl der Pfarrer, der Lehrer, der Kirchväter oder Kirchenvorstände, der Kirchenvertreter bei Synoden, soll erst bei höherer Altersreife durch einen besondern Akt und auf Grund einer erziehenden Vorbereitung zuertheilt werden; so zwar, daß diejenigen, welche nach dieser Vorbereitung nicht reif erfunden werden, oder sich zu dem Akte nicht stellen, für die organisirte Gemeinde Katechumenen bleiben, dabei aber, wenn sie sich dessen nicht sonst unwürdig machen, Abendmahlsgenossen der Kirche sind." Pastor Brunn's Anstalt empfiehlt Dr. Münkel in seinem Neuen Zeitblatt vom 21. Februar mit folgenden Worten: „Nachdem die Methodisten und Baptisten unter den Deutschen schon wichtige Geschäfte gemacht haben, wollen nun auch die Bischöflichen ihr Heil versuchen, und an Geld und Leuten wird es nicht fehlen. Wollen wir hier in Deutschland dem so unthätig zusehen? Das Erntefest ist ergiebig genug und liegt uns näher als irgend ein andres. Ohne Mühe lassen sich hier Gemeinden sammeln, wenn nur Prediger hingeschickt und zu ihrer Ausrüstung unterstützt werden. Es sei bei der Gelegenheit noch einmal nachdrücklich an die Anstalt zur Ausbildung amerikanischer Prediger erinnert, welche der hierzu sehr geeignete Pastor Brunn in Steeden (Nassau) errichtet hat und mit großer Aufopferung leitet. Eine Sendung von Predigern hat er im August vorigen Jahres zur See gehen lassen und bereitet eine neue Sendung vor. Es ist sehr zu wünschen, daß diese Anstalt gehörige Unterstützung findet, und das Werk seiner Liebe durch unsre dienende Liebe gefördert wird." Chiliasmus. Eine in Berlin erschienene chiliastische Schrift: „Unsere Gegenwart und Zukunft. Von K. Griesemann" wird in dem Sächsischen Kirchen- und Schulblatt, vom 26. Febr. wie folgt, angezeigt: „Trotz so mannigfacher Enttäuschungen wird hier von Neuem der apocalyptische Rechenstift zur Hand genommen und fast bis auf's Datum die Zukunft, in Ausdeutung der Offenbarung Johannis, auch des Daniel, mit einer Sicherheit enthüllt, als ob man in unsers Herrgotts Rathsstübchen gesessen hätte. Nach dieser Deutung leben wir im 2. Abschnitt der antichristlichen Zeit, die in drei Hauptakten verläuft, und hätten, um alles Anderen zu geschweigen, möglicherweise nach schweren Kämpfen, im J. 1866, namentlich durch das Verdienst des sich wieder findenden Preußens, den völligen Sturz des Thieres (Napoleon) und den Anbruch des Weltfriedens zu erwarten, nachher eine große, allgemeine Erweckung der Christenheit u. s. f., in Opposition dagegen ein furchtbares Wachsthum des antichristlichen Geistes, bis Alles reif wird für den 3., letzten antichristlichen Akt, der persönlichen Menschwerdung des Satan in Gestalt des letzten Buonaparte, wahrscheinlich Napoleons VII. (etwa im J. 1986), zuletzt Anbruch des tausendjährigen Friedensreichs, das aus verschiedenen Stellen der Schrift mit und ohne exegetische Kunst zu erweisen gesucht wird." Studium und Benutzung der Schriften Luther's. Hierüber spricht sich Prof. Dr. Harnack in Erlangen in dem Vorwort zu seinem Werk: „Luthers Theologie" (Erlangen bei Bläsing 1862) u. A. folgendermaßen aus: „Zu den erfreulichsten Erscheinungen auf dem Gebiete theologischer Wissenschaft unserer Zeit wollen die Bestrebungen gerechnet sein, die auf ein erneuertes und gründliches Studium der Theologie Luthers gerichtet sind. Nur zu lange hat man sich damit begnügt, seine Schriften mehr in praktischem und asketischem Interesse zu verwerthen, oder sie vereinzelt nach beliebigen Standpunkten auszubeuten und Aussprüche aus ihnen nach verschiedenen Gesichtspunkten zusammenzustellen. Zwar lebt in der lutherischen Kirche und Theologie Luthers Lehre fort; sie ist ihrem wesentlichen Inhalt nach kirchliches Bekenntnißgut geworden, ist in die kirchliche Dogmatik übergegangen und hat hier auch ein genuineres Verständniß gefunden, als Manche heutzu-