# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 05 02_S143 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) kindlich⸗kremüthige und gläubige Annahme des Wortes macht getroſt auch für die Stunde der Anfechtung und des Todes, und macht keck und unverzagt ſelbſt im Angeſichte des Rechenſchaft fordernden Gottes. Daher ſchreibt Luther: „Setze es gleich dahin, daß unſer Tert und Verſtand auch ungewiß und finſter ſei (als nicht iſt), ſo⸗ wohl als ihrer (der Zwinglianer) Tert und Ver⸗ ſtand, ſo haſt du dennoch das herrliche und trotzige Vortheil, daß du mit gutem Gewiſſen kannſt auf unſerm Tert ſtehen, und alſo ſagen: Soll ich denn und muß ungewiſſen finſtern Tert und Ver⸗ ſtand haben, ſo will ich lieber den haben, der aus göttlichem Munde ſelbſt geſprochen iſt, denn daß ich den habe, ſo aus menſchlichem Munde ge⸗ ſprochen iſt. Und ſoll ich betrogen ſein, ſo will ich lieber betrogen ſein von Gott (ſo es möglich wäre), denn von Menſchen; denn betreugt mich Gott, ſo wird er's wohl verantworten und mir Wiederſtattung thun. Aber Menſchen können mir nicht Wiederſtattung thun, wenn ſie mich be⸗ trogen haben und in die Hölle geführt. Solchen Trotz können die Schwärmer nicht haben, denn ſie können nicht ſagen: ich will lieber auf dem Tert ſtehen, den Zwingel und Oekolampad zwieträch⸗ tiglich ſprechen, denn auf dem, den Chriſtus ſelbſt einträchtiglich ſpricht. Demnach kannſt du fröh⸗ lich zu Chriſto reden, beide an deinem Sterben und jüngſten Gericht, alſo: Mein lieber HErr IEſu Chriſte, es hat ſich ein Hader über deinen Worten im Abendmahl er⸗ hoben; etliche wollen, daß ſie anders ſollen ver⸗ ſtanden werden, denn ſie lauten. Aber dieweil ſie mich nichts gewiſſes lehren, ſondern allein ver⸗ wirren und ungewiß machen, und ihren Tert in keinen Weg wollen noch können beweiſen, ſo bin ich blieben auf deinem Tert, wie die Worte lauten. Iſt etwas finſter darinnen, ſo haſt du es wollen ſo finſter haben; denn du haſt keine andere Er⸗ klärung darüber gegeben noch zu geben befohlen. So findet man in keiner Schrift noch Sprachen, daß ‚iſt' ſollt deutet“, oder „mein Leib — Leides Zeichen heißen. Wäre nun eine Finſterniß drin⸗ nen, ſo wirſt du mirs wohl zu gute halten, daß ich's nicht treffe, wie du deinen Apoſteln zu gut hielteſt, da ſie dich nicht verſtunden in vielen Stücken, als, da du von deinem Leiden und Auf⸗ erſtehen verkündigteſt, und ſie doch die Worte, wie ſie lauteten, behielten, und nicht anders machten. Wie auch deine liebe Mut⸗ ter nicht verſtund, da du zu ihr ſagteſt Lue. 2, 49.: „Ich muß ſein in dem, das meines Vaters iſt und ſie doch einfältiglich die Worte in ihrem Herzen behielt, und nicht andere dar— aus machte. Alſo bin ich auch in dieſen deinen Worten blieben: ‚Das iſt mein Leib' ꝛc. Und habe mir keine andere daraus machen wollen noch machen laſſen, ſondern dir befohlen und heim⸗ geſtellet, ob etwas finſter darinnen wäre, und ſie behalten, wie ſie lauten, ſonderlich weil ich nicht ſinde, daß ſie wider einigen Artikel des Glaubens ſtreben. Siehe, ſo wird kein Schwärmer mit Chriſto reden dürfen, das weiß ich wohl; denn die ſind ungewiß und uneins über ihren Text.“ So weit Luther in ſeinem großen Bekenntniß vom heiligen Adendmahle vom Jahre 1528. 2* „Rufe getroſt, ſchone nicht, erhebe deine Stimme wie eine Poſaune, und verkündige meinem Volk ihr Uebertreten, und dem Hauſe Jakobs ihre Sünde.“ Jeſ. 58, 1. Samuel Urlſperger (geſtorben 1772), ein Freund A. H. Francke's, war ſeit 1714 Hof⸗ prediger in Stutigart. Es ging zu jener Zeit am würteinbergiſchen Hofe ſehr ausſchweifend zu, was 143 den Hofprediger ſehr ſchmerzte, aber Menſchen⸗ furcht und Menſchengunſt banden ſeine Zunge. Francke, der 1717 eine Reiſe nach Süddeutſchland machte, erfuhr dieß; er ging in ſeine Predigt, und nach der Predigt voll Wehmuth zu Urlſperger, und ſagte: „Ich höre, Bruder, daß Deine Vorträge evangeliſch ſind, aber die Sünden Deines Hofes berührſt Du mit keinem Worte. Ich komme alſo, Dir im Namen Gottes zu ſagen, daß Du ein ſtummer Hund biſt (Jef. 56, 10), und wenn Du nicht umkehrſt, und als öffentlicher Lehrer die Wahrheit frei herausſaaſt, ſo gehſt Du verloren, trotz aller Deiner Erkenntniß.“ — Betrübt nahm Francke Abſchied und ging. Sonntags darauf redete der Hofprediger mit viel Ernſt und Frei⸗ müthigkeit. Der Herzog ließ ihm ſagen, er ſei ſchon Willens geweſen, ihn von der Kanzel zu ſchiehen; wenn er künftigen Sonntag ſeine Predigt nicht widerrufe, ſo werde er ſich beim Reichskammer⸗ gericht beſchweren, und da könnte er, weil er ein Majeſtätsverbrechen begangen habe, leicht den Kopf verlieren. Urlſperger ließ antworten, wider⸗ rufen könne er auf keinen Fall, er müſſe daher Sr. Durchlaucht überlaſſen, zu thun, was Die⸗ ſelben für gut fänden. Nun wurde er arretirt, und alle Veranſtaltungen zu ſeiner Verurtheilung gemacht. Nachdem man ihn noch einmal befragt hatte, wurde ihm für künftige Woche ſein Todes⸗ tag beſtimmt. Darauf ließ er ſeine Frau und vier Kinder kommen, und fragte ſie, was ſie zu ſeiner Sache ſagten. — Die Frau antwortete: „Lieber Mann! Dein Tod wird mich und unſere Kinder in das größte leibliche Elend ſtürzen; ich bitte Dich aber um Gottes willen, verleugne die Wahrheit nicht, ſonſt bliebe der Fluch auf mir und meinen Kindern liegen.“ Getröſtet über dieſe Antwort, ließ er dem Herzog ſagen, ſein Kopf ſtände ihm alle Tage zu Dienſt. Dieſer legte nun das Todesurtheil ſeinem Miniſter zur Unterſchrift vor, allein der Miniſter übergab ſein Amt und ſeinen Degen, und ſagte: „Euer Durchlaucht! hier iſt mein Amt und meine Ehre, ich unterſchreibe keine Blutſchulden!“ Der Herzog erſtaunte, und um ſeinen erſten Rath nicht zu verlieren, ſetzte er den Hofprediger bloß ab, aber nicht nur ohne alle Verſorgung, ſondern ſogar mit dem Verbot, aus⸗ wärtige Dienſte zu ſuchen, und gleich darauf wurde ein anderer Hofprediger gewählt. Einige Jahre darauf war derſelbe Miniſier mit dem Fürſten bei der Wachtparade, als eben der ehemalige Hofprediger vorbeiging; der Miniſter machte den Fürſten aufmerkſam auf ihn, und ſagte: „Eure Durchlaucht hatten, ſo lange dieſer Mann noch im Amte war, Glück und Segen; aber ſeitdem wir einen Schmeichler hier haben, geht Alles unglücklich. Wollen Sie das Böſe wieder gut machen, ſo ſuchen Sie ihn wenigſtens zu verſorgen.“ Dieß geſchah. Urlſperger ward Dekan in Herrenberg, und bald darauf erſter lutheriſcher Prediger in Augsburg. Iſt unſer Evangelium verdeckt, ſo iſt es in denen, die verloren werden, verdeckt. 2 Cor. 4, 3. Dr. Taylor von Norwich ſagte zu Newton: „Freund, ich habe jedes Wort in der Bibel ſieb⸗ zehn Mal verglichen, nach dem Grundtexte, und es befremdet mich, daß ich die Verſöyn ungs⸗ lehre, die Sie lehren, darin nicht gefunden habe.“ „Ich wundere mich nicht darüber“, antwortete Newion. „Ich wollte einmal mein Licht an⸗ zünden. während das Lichthütchen darauf war. — So bilden die durch Erziehung und Bildung an⸗ genommenen Vorurtheile ein Lichthütchen. Es iſt nicht genug das Licht zu bringen, man muß auch das Hütchen abthun.“ Gottes Abſicht, wenn er unſere Kinder ſterben läßt. Einem eben nicht chriſtlichen Elternpaare war das einzige Kind geſtorben. Sie gaben laut ihr Mißfallen gegen dieſe Entſcheidung Gottes zu erkennen, und fragten ihren frommen Seelſorger, warum Gott, wenn noch Einer eriſtire, und Er die Liebe ſei, ihnen das einzige Kind habe nehmen können. Der Mann Gottes verſpricht in der dem Kinde zu haltenden Leichenrede Auskunft zu geben, und giebt ſie am Schluſſe derſelben in fol⸗ genden Worten: „Ihr wollt von mir noch wiſſen, warum Gott Euer Kind zu Sich genommen habe. Nun wohl! Er will aus Eurer Familie auch Eins in den Himmel haben. Ihr Alten wollt nicht in den Himmel, und hättet das Kind, wenn es das Eurige blieb, auch nicht hinein⸗ gelaſſen. Hört weiter ein Gleichniß: Es war ein guter Hirte, der hatte in ſeinem Schafſtalle köſt⸗ liches Futter bereit gelegt für ſeine Schafe. Er machte das Thor des Stalles weit auf, aber die Schafe wollten nicht hinein; er jagte ſich lange mit ihnen im Hofe umher, ſie prallten jedoch immer wieder vor dem geöffneten Thore zurück. Da nahm er ein Lamm von der Heerde, und trug es voran, und ſiehe! Da liefen die Alten nach. — Der gute Hirte iſt Chriſtus; — der geöffnete Schafſtall der Himmel; — das Lamm Euer Kind; — habt Ihr noch ein Elternherz, lauft nach! Der OErr trägt die Lämmer voran, damit die Alten nachlaufen ſollen! Amen.“ „Wir rühmen uns nicht über das Ziel in fremder Arbeit.“ 2 Cor. 10, 15. Die Rottengeiſter können nichts mehr, denn in fremde Arbeit fallen und dieſelbe tadeln und dar⸗ nach ſich rühmen, ſie habens gethan, und nicht die vorigen rechten Lehrer und Apoſtel, welche ſie ver⸗ laſſen. Es ſind die Hummeln, ſo den Bienen das Honig freſſen, das ſie nicht gemacht haben. Luther. Die Deutſche Evangeliſch⸗Lutheriſche Synode von Miſſouri, Ohio u. a. St. hält ihre nächſten Sitzungen in St. Louis, Mo., vom zweiten Mittwoch nach Pfingſten an, am 21. Juni bis 1. Juli. Die eintreffenden Brüder wollen die Wohnung des Paſtor Loci erfragen bei Herrn L. Pechmann, Deutſche Glas⸗ und Porzellan-Waaren⸗Handlung, No. 22 Main⸗ ſtraße, in der Nähe des Alten Marktes. Quittung und Dank. Durch P. Brauer von der lutheriſchen Ge⸗ meinde in Addiſon, Ill., 58,00. zum Bau einer lutheriſchen Kirche in Saginaw, Mich., erhalten zu haben, beſcheinigt mit herzlichem Danke F. Sievers. Brief einer rechiſchaffenen Mutter in Ungarn an ihren Sohn, der erſt Theologie ſtudiren wollte, ſich aber davon. wieder abſchrecken ließ, als über die Lutheraner und inſonderhtit über die lutheriſchen Prediger eine harte Verfolgung herein⸗ brach. Aus dem Böhmiſchen überſetzt. (Siehe Samm⸗ lungen zum Bau des Reichs Gottes vom Jahre 1734.) Wir theilen dieſen Brief mit, eines Theils zur Aufmunterung für ſolche Eltern, denen Gott Kinder gegeben, die ſie dem Dienſte des HErrn in