# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1863_S145 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Die alten lutherischen Lehrer über Sclaverei. 145 Menschen alle von Einem Vater geboren durch ein gleiches geschwisterliches Band verbunden sind, worauf man jene Stelle 1 Cor. 5, 11. bezieht: „So jemand ist, der sich läßt einen Bruder nennen, und ist ein Hurer ꝛc. Der Apostel fügt aber drei Ursachen bei, warum Knechte solchen Herren, welche Genossen ihres Glaubens sind, gehorchen sollen: 1. „Dieweil sie gläubig“ sind; denn Genossenschaft derselben Religion wirkt größere Liebe, wie denn der Apostel an einer andern Stelle gebietet, Gutes zu thun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen, Gal. 6, 10. 2. Weil sie „geliebet“ sind. Im Griechischen heißt es ἀγαπητὸς, welches meistentheils einen Geliebten bedeutet oder einen, der schon die Liebe eines anderen wirklich genießt. Hieronymus sagt zur Epistel an Philemon, es sei dasselbe wie der Liebe würdig, wie denn daselbst der flüchtige, aber bekehrte Knecht Onesimus ein geliebter (ἀγαπητὸς) Bruder genannt wird V. 16., das heißt, der geliebt zu werden würdig sei. Christliche Herren sind also sowohl von Gott Geliebte, als auch würdig, von den Menschen geliebt zu werden. Andere legen es mit den Worten „sanftmüthig, gütig, nicht mürrisch, sondern leutselig“ aus. Dieses alles kommt von der christlichen Religion, um welcher willen die Knechte gegen solche Herren ehrerbietiger sein sollen. 3. Weil sie „der Wohlthat theilhaftig sind;“ welche Worte Chrysostomus auf die Knechte bezieht, als ob sie größerer Wohlthat von ihren Herrn theilhaftig würden, als die Herren von ihnen; aber da dieses die Knechte der Gläubigen mit den Knechten der Ungläubigen gemein haben, so kann diese Auslegung nicht Statt haben. Richtiger legen wir es mit Ambrosius von der Wohlthätigkeit Gottes aus, welche sonst Gottes Gnade genannt wird, die er in Christo IEsu den Knechten ebenso wie den gläubigen Herren gegeben hat, daher auch einige das Wort „Gott“ hinzusetzen: „der Wohlthat Gottes theilhaftig,“ welches sich jedoch im griechischen Texte nicht findet. Da also alle Gläubige dieselbe Gnade von Gott in Christo haben, so hat keiner den anderen zu verachten, vielweniger der gläubige Knecht seinem gläubigen Herrn die schuldigen Dienste zu verweigern. Dies sind die Regeln für die Knechte, welche nach des Apostels Ermahnung nicht nur zu lehren, sondern auch einzuschärfen sind, weil es die Art der Knechte ist, daß sie wider ihre Herren, von denen sie wissen, daß sie denselben in betreff der geistlichen Wohlthaten gleich sind, sich leicht erheben, wenn sie nicht ihrer Pflichten öfters erinnert werden. Von den Knechten geht er zu den falschen Lehren über, denen entweder solche die häuslichen Verhältnisse betreffende Lehren verächtlich sind und die daher, höhere Weisheit vorgebend, neue, aber unnütze Dinge erdenken; oder sonst im Glauben nicht recht gesund.“ (Commentar in epp. Pauli Francof. 1664. p. 1367—69.) Michael Reichard antwortet in einer im Jahre 1617 zu Wittenberg gehaltenen lateinischen Disputation auf die Frage: „Streitet die Knechtschaft mit der christlichen Freiheit?“ folgendermaßen: „Erasmus von Rotterdam schreibt über Ephes. 6, 5.: Unter den Christen