# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1863_S144 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 144 Die alten lutherischen Lehrer über Sclaverei. nicht nach den Worten, sondern gerade nach den Werken und dem Leben der Menschen zu beurtheilen. Von den Knechten schreibt Homer in der Odyssee, daß ihnen die Hälfte der Tugend verloren gegangen sei und meistens sind Knechte boshafte und verschmitzte Menschen erster Classe und werden dafür gehalten, daher einst unter den Völkern greuliche Strafen erdacht worden sind, um der ausgebrochenen Macht der entbrannten Bosheit, und der anwachsenden Kühnheit zu steuern. Wenn daher die Heiden merken, sagt Chrysostomus in der vierten Homilie zur Ep. an Tit., daß eine unverschämte, eine so freche Art Menschen durch den Einfluß unserer Religion gleichsam gezügelt, ehrbarer und bescheidener geworden sei, als alle, so werden die Herren gewiß, wenn sie auch sehr unwissend und unvernünftig sind, von den Glaubensätzen unserer Religion groß halten. Gehorsame Knechte können daher der Kirche viel nützen, denn, wie Chrysostomus daselbst hinzusetzt, je schlechter sie waren, desto mehr wird, wenn sie sich belehren, die Kraft der Predigt zu bessern hervorleuchten. Die andere Regel für die Knechte ist diese: „Welche aber gläubige Herren haben, sollen dieselbigen nicht verachten (mit Schein,) daß sie Brüder sind; sondern sollen vielmehr dienstbar sein, dieweil sie gläubig, und geliebet, und der Wohlthat theilhaftig sind. Solches lehre und ermahne.“ Diese Regel wird hier vermöge einer Präoccupation (Verwahrung im Voraus) hinzugefügt. Denn es hätten zum christlichen Glauben bekehrte Knechte einwenden können, alle Christen seien durch Christum verbunden, daher sei es unbillig, daß einer über den anderen sich eine Herrschaft herausnehme oder daß einer sich dem anderen unterwerfe. Der Apostel antwortet, das heißt die Herren verachten, was von Christen fern sein soll. Denn jene Verbindung, welche sie in Christo haben, betrifft die Seele, den Glauben, das Wort und die Sacramente, endlich die Seligkeit selbst, in welcher kein Unterschied zwischen einem Freien und Knecht ist, Gal. 3, 28. In Betreff des Standes und Berufes aber sind sie unterschieden und eben darum sollen die, welche im Knechtsstande sind, gegen die Herren, von denen sie wissen, daß sie gläubig sind, um so williger ihre Pflichten erfüllen. Diese Gläubigen nennt er die „Brüder“ der Kirche. Wobei zu merken ist, was Hieronymus wider Helvidius ziemlich gegen das Ende angemerkt hat, das in heiliger Schrift in vierfacher Weise von Brüdern geredet wird: vermöge der Natur, des Volksstamms, der Verwandtschaft, der Zuneigung. Vermöge der Natur heißen Brüder, welche dieselben Eltern haben, wie Esau und Jakob; vermöge des Volksstamms, alle Juden, Deut. 15, 12. ꝛc.; vermöge der Verwandtschaft, alle, welche zu derselben Familie gehören, wie denn Abraham Loth's Bruder genannt wird, Gen. 13, 8.; die Brüder vermöge der Zuneigung werden in zwei Gattungen eingetheilt, in die geistliche und in die allgemeine; in die geistliche, weil alle Christen Brüder genannt werden, wie Ps. 133, 1.: „Siehe, wie fein und lieblich ist es, daß Brüder einträchtig bei einander wohnen;“ und in diesem Sinne werden die Knechte Brüder ihrer gläubigen Herren in unserem Texte genannt; insgemein, weil wir