# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1863_S142 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 142 Die alten lutherischen Lehrer über Sclaverei. (Fortsetzung.) Friedrich Balduin, Prof. zu Wittenberg, gest. 1627, schreibt zu 1 Tim. 6, 1—2.: Der Apostel macht mit den Knechten den Anfang, von denen er in seinen Briefen häufig handelt, insonderheit in Denjenigen, die er an asiatische Gemeinden geschrieben hat, wie an die Epheser, an die Colosser und an den Timotheus. Es bewogen ihn dazu fünf Ursachen. 1. Weil in Asien sehr viel Knechte waren, welche jedoch vor anderen in gutem Rufe standen; daher Agesilaus, der König der Lacedemonier, zu sagen pflegte, daß zwar die Freien unter den Einwohnern Asiens bös seien, die Knechte aber gut. Würden nun diese zum christlichen Glauben bekehrt, so mußten sie so unterrichtet werden, daß sie wüßten, ihr Stand, obgleich in der Welt verachtet, sei doch Gott angenehm, wenn sie nur selbst, was ihres Amtes wäre, treulich ausrichteten. 2. Weil die Knechte der Hebräer nach sechsjähriger Knechtschaft frei werden konnten, Exod. 21, 2.; damit nehmlich die christlichen Knechte nicht dasselbe von ihren Herren verlangen möchten, so wird ihnen durch apostolische Auctorität geboten, ihren Herren unterthan zu sein; welchen Grund Augustinus in der 77. Quästion zum Exodus angibt. 3. Weil es schon damals Leute gab, welche die apostolische Lehre von der christlichen Freiheit verkehrt verstanden; denn was die Apostel von der geistlichen Freiheit lehrten, welche in Befreiung von Sünde, Tod, Hölle und anderen geistlichen Feinden besteht, das legten jene von politischer Freiheit aus, gleich als ob die Christen keinen Herren, auch keiner Obrigkeit verbunden seien. Darum war diese Lehre nöthig, weil das Evangelium die politischen Ordnungen nicht aufhebt; welchen Grund Chrysostomus in seinem Commentar über diesen Text in der 16. Homilie berührt. 4. Weil dem Aergerniß der Heiden zu begegnen war, damit sie die christliche Religion nicht mehr verabscheuten, wenn sie auch die Knechte zügellos leben sähen. Denn nicht aus den Worten pflegten die Heiden die Glaubenssätze zu beurtheilen, sondern gerade aus den Werken und dem Leben, sagt Chrysostomus in der vierten Homilie über den Brief an Titus. 5. Weil die Lebensart der Knechte selbst einen wiederholten Unterricht dieser Art erfordert. Denn, wie Chrysostomus a. a. O. hinzusetzt, unter allen Völkern und allenthalben gilt es für ausgemacht, daß die Knechte insgemein unverschämt, unduldsam, muthwillig, schlau und wenig geschickt zur Annahme der Tugendlehre sind, nicht zwar um ihrer Natur willen, sondern wegen ihres Umgangs und wegen Verwahrlosung ihres Lebens; denn in dem, was die Sitten betrifft, pflegen sie von ihren Herren vernachlässigt zu werden. Aus diesen Ursachen also erinnert der Apostel die Knechte häufig ihrer Pflicht. In unserem Texte aber schreibt er ihnen zwei Regeln vor: die eine betrifft solche Knechte, welche ungläubige Herren, die andere diejenigen, welche