# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1863_S139 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Was sagen die Apostel und was sagt Christus der Herr zu unserm Katechismusstreit. 139 Stolz solche Niederlage bereitet hat (1 Cor. 15, 19. Offenb. 12, 12.). Hingegen hat man ein Sprichwort, das heißt: „Wen der Teufel hat, den sicht er nicht-an.“ Daß in dieser Beziehung nur durch eine gezwungene Deutung die Bibel mit den Ideen einer Zeit ausgeglichen werden kann, welche der persönlichen Existenz böser Geister abgeneigt ist, geben ja nun diejenigen selbst zu, denen um der Frage 20. und 21. (S. 80.) willen der neue Katechismus mißfällt, während doch auch der alte (s. II. Abschn. Fr. 23 — 26.) nicht umhin konnte, auf die unliebsame Lehre vorübergehend sich einzulassen. Sie entblöden sich daher nicht, in Voltaire'scher Manier die Versuchung Christi und das Heer von Teufelaustreibungen, wovon die Evangelien berichten: kurz, den ganzen neutestamentlichen Teufel, wie sie sich auszudrücken belieben, mit ihrem Spott zu beehren, d. h. (wenn man die nächste Consequenz aussprechen will) Christum und seine Jünger als beschränkte Thoren zu brandmarken: denn sie alle bestätigen, daß es einen persönlichen Widersacher Gottes und seiner Wahrheit auch unter denen gibt, welche unsichtbare Geister sind und nennen ihn Teufel. Als ausgemacht gilt es diesen Gegnern biblischer Offenbarung, daß die Vorstellung von einem Wesen, das als Prinzip des Bösen anzusehen sei, mit der Vernunft streite. Nun ist es ja wahr, daß dieselbe überhaupt viel gegen die Offenbarung, somit auch gegen dies Lehrstück derselben einzuwenden hat. Ein Anderes ist es, ob sie das wirklich mit genügendem Grunde thut. Wo man instinktmäßig dem „heutigen Zeitbewußtsein“ und seinen Vorurtheilen folgt, behält ja freilich immer der Widerspruch gegen übersinnliche, durch Anschauung fürs Erste unbeweisbare Wahrheit Recht. Daß aber nüchterne Sinne nichts Unvernünftiges in der Lehre vom Teufel finden, — wiewohl sie ihre Schwierigkeiten hat und zu den Mysterien der Religion gehört, erlaubt sich Einsender dieses mit einigen Worten zu erweisen. Gewiß wird Niemand leugnen, daß in der Stufenreihe der Wesen vom Menschen bis zum allerhöchsten Urheber der Welt lebende Mittelglieder denkbar sind. Man nenne sie, wie man will, so ist folgende Defination derselben den Forderungen einer gesunden Vernunft nicht entgegen: In höherem Maße als dem Menschen kommt ihnen Persönlichkeit, Freiheit des Willens und eine gewisse Fülle von Kraft und Macht zu. Erhöht es den Adel der menschlichen Natur, daß ihr die Entwickelung zu einem wohlgegliederten Gemeinwesen, staatlichen Organismus u. dgl. vergönnt ist, so läßt sich noch weniger von dem Begriff der größeren Vollkommenheit dieser Wesen die Idee eines Reiches trennen, wozu dann auch ein Oberherr gehört. Ferner widerspricht es nicht der Macht, Weisheit und Güte Gottes, so construirten Geschöpfen auch ein gewisses Maß freier Bewegung zu verstatten. Damit hängt die Möglichkeit einer Art Opposition zusammen. Die Wirklichkeit derselben soll freilich mit der höheren Begabung streiten. Schützt aber letztere den Menschen nicht vor Leidenschaft, warum sollte dann ein gewissermaßen selbstmörderischer Akt in der höhern Sphäre der Geisterwelt durchaus