# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 05 02_S141 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) meinem HErrn, nichts lieberes geſche— hen könnte, als daß dieſe Leute recht gründlich mit uns eins wären, da ſollte mir kein Tod ſo bitter ſein, den ich drü⸗ ber nicht leiden wollte.“ AJIndeß ſchritt das Werk der Union in aller Stille weiter fort, indem Gott auf mancherlei Art zu den Herzen ſprach. Zwingli's ſchreck⸗ licher Tod und Oecolampadius' ſchnelles Ende waren ſo offenbare Weck⸗ und Warnungs⸗ ſtimmen des HErrn, daß Viele aus ſündlicher Sicherheit erweckt wurden, in ſich ſchlugen und ſich von der Gemeinſchaft der Irrlehre losſagten. Mit Recht führte daher Luther ihren Fall zur Warnung vor ihren Irrthümern an, indem er jedoch dabei ſein aufrichtiges Mitleiden bezeugte: „Die armen Leute! ihr Unglück iſt uns von Her⸗ zen leid.“ Auch ſchrieb er an die oberländiſchen Städte Augsburg und Frankfurt, ſich vor Zwingliſcher Irrlehre zu hüten. Solche Zeug⸗ niſſe dienten dazu, daß die Wahrheit deutlicher erkannt wurde und die Liebe zum edlen Kirchen⸗ frieden zunahm. Bucer, obwohl von den ſtreng Zwingliſchen deshalb mit ſcheelen Augen ange⸗ ſchen, ſtand fortwährend in lebhaftem Briefwech⸗ ſel mit den Unſrigen, welche ſeinem Streben, ſo lange man von der Aufrichtigkeit desſelben über⸗ zeugt war, ihre Anerkennung nicht verſagten. So ſchrieb Melanchthon an ihn: „Von mir könnt ihr verſichert ſein, daß ihr und die anderen rechtſchaffenen Leute, eure Mitarbeiter, herzlich von mir geliebt werdet. Man kann bald ſehen, worauf mein Abſehen vom Anfange her gegan⸗ gen, nämlich daß nach gemeiner Berathung ſo⸗ wohl die Wahrheit geoffenbaret, als die Eintracht. befeſtiget würde. Und ich halte nicht, daß es der Kirche nützlich ſei, daß ein jeder, mit Hintanſetzung des Urtheils der Brüder, et⸗ was Neues anhebe; und wünſche nochmals von ganzem Herzen, daß doch die frommen und gelehrten Männer einmal in Liebe und Freiheit ſich unter einander beſprechen mögen. Mit Wiſ⸗ ſen und Willen ſoll die Wahrheit nicht von mir verdüſtert, oder die zerſtreuten Kirchen noch mehr Zerſtört werden; ſondern vielmehr ſuche ich, ſo viel mir möglich, die Kirchen zu vereinigen und den zweifelhaften Gewiſſen zu rathen.“ Darauf erfolgte zu Caſſel ein Convent zwi⸗ ſchen Melauchthon und Bucer, welcher vom December 1534 bis in den Januar 1535 währte. ein Bedenken über die Art und Weiſe mit, wie die Eintracht zu ſtiften ſei. „Zuerſt“, ſagt er, „dürfe man durchaus nicht zulaſſen, daß man von uns ſagen ſollte, wir hätten uns vorher zu bei⸗ den Theilen nicht verſtanden, denn dieſer Behelf würde in ſolchen großen Sachen wenig dienen, weil wir ſelbſt ſolches nicht für wahr halten würden. Zweitens, ſei es in keinem Wege thunlich, wenn man der Einigkeit zu Liebe eine neue und Mittelmeinung aufſtellen wollte, denn das könne das Gewiſſen nicht leiden, auch würden die Leute dadurch auf mancherlei ſeltſame Gedanken geneigt und endlich dahin gebracht, daß ſie gar nichts mehr glaubten. Ferner hätten wir Luther gab Melanchthon zu dieſer Zuſammenkunft 14¹ den hellen klaren Tert des Evangelii und viele Sprüche der Väter für uns, welche man mit gutem Gewiſſen nicht anders deuten könne als wie ſie lauten, weil die Art der Sprache ſo ſtark mit dem Texte klinge. Auch das ſei für uns, daß es ſehr gefährlich ſei, zu ſchließen, daß die Kirche ſo viele hundert Jahre durch die ganze Chriſten⸗ heit den wahren Verſtand vom Sacramente nicht gehabt habe, weil wir doch alle das bekennen, daß die Sacramente und das Wort, wiewohl mit mancherlei Gräuel bedeckt, dennoch geblieben ſind.“ Darauf weiſ't er nach, daß auch die Sprüche des heiligen Auguſtinus nicht gegen uns ſeien, wie aus ſeinen Büchern bewieſen werden könne, denn wenn er von Zeichen rede, ſo rede er von den Zeichen des gegenwärtigen Leibes, um den Irrthum der Juden und Heiden zu widerlegen, als würde bei den Chriſten der ſichtbare Leib Chriſti gegeſſen, und damit habe er den Glauben des Sacramentes vertheidigt. Wiederum habe er gegen die falſchen Chriſten lehren müſſen, daß man das Sacrament geiſtlich eſſen müſſe, und damit habe er die Liebe im Sacrament getrieben. „Wenn man mir, ſetzt Luther hinzu, dieſe Stücke, ſo jetzt erzählt, alle bleiben läßt, will ich mich nicht viel bitten laſſen. Denn Gott ſei mein Zeuge, ich wollte, wenn es möglich wäre, dieſe Streitig⸗ keit mit meinem Leibe und Blute (wenn ich auch mehr denn einen Leib hätte) gerne erkaufen.“ In einer andern Schrift, welche Luther bei dieſer Gelegenheit ſchrieb, faßte er die Lehre vom heiligen Abendmahle kurz ſo zuſammen: „Chriſtus ſei mit dem Brod im heiligen Abendmahle gegen⸗ wärtig nicht allein durch ſeine Kraft und Wirkung, noch allein nach der Gottheit, ſondern Chriſti Leib und Blut ſei mit dem Brod und Wein im Abend⸗ mahle weſentlich gegenwärtig. Es ſei nicht wahr, daß Chriſti Leib allein räumlich, nach Länge und Breite an einem Orte ſei, ſondern der Leib Chriſti möge auch auf andere Weiſe zugleich an mehreren Orten ſein. Demgemäß ſei auch der Leib Chriſti im Abendmahle gegenwärtig, obſchon Ungläubige dasſelbe genöſſen.“ Luthers obiges Bedenken wurde bei den Ver⸗ handlungen in Caſſel zum Grunde gelegt. Bucer geſtand, er habe Luthers Lehre vor dem von ihm herausgegebenen großen Bekenntniſſe noch nicht recht verſtanden. Uebrigens erklärte er ſich mit ihm einverſtanden, und wünſche nur dreierlei zu verhüten (was auch die Unſrigen niemals be⸗ hauptet haben), daß man keine natürliche Ver⸗ einigung des Leibes Chriſti mit dem Brod und Weine annehme; daß der Leib Chriſti keine Speiſe des Bauches, noch den Wirkungen desſelben unter⸗ würfig werde; und daß die ſacramentliche Ver⸗ einigung nicht ſo weit ausgedehnt werde, daß, wer das Sacrament empfange, auch gleich dafür an⸗ geſehen werde, als ob er die Speiſe des ewigen Lebens, eben wie die Speiſe des leiblichen Lebens, genieße und habe (womit er ſagen will, daß zu einem geſegneten Genuſſe des Abendmahls der Glaube nothwendig ſei). Zugleich verſprach er, daß er und die mit ihm gleichgeſinnten Prediger in den oberländiſchen Städten künftig nach der Augsburgiſchen Confeſſion und deren Apologie lehren wollten; von den Augs⸗ burgiſchen Predigern meldete er, daß ſie dasſelbe bereits thäten. So konnte Melanchthon von ihnen berichten: „Sie neigen ſich jetzt auf Luthers Seite, es gebe viele redliche Leute unter ihnen und er hoffe, daß eine rechte feſte Einigkeit ohne Trug und Argliſt getroffen werden könne, wenn man in Liebe mit einander über eine ſo wichtige Sache verhandelte.“ Und Luther erklärte: „Da die Prädicanten alſo vermelden, weiß ich für meine Perſon die Concor⸗ dia nicht auszuſchlagen. Wenn ihr Herz alſo ſtehet, wie die Worte lauten, weiß ich auf dies⸗ mal die Worte nicht zu ſtrafen.“ Die Ausſicht auf eine friedliche Eintracht rückte ſomit immer näher. Luther rieth jedoch, dieſelbe nicht zu übereilen, denn der Zwieſpalt ſei von An⸗ fang her weit und tief eingeriſſen; noch herrſche auf beiden Seiten mancherlei Mißtrauen; man möge daher fortfahren, freundlich mit einander zu handeln, ſo werde das trübe Waſſer ſich allmählich ſetzen und endlich alle aus rechtem Grunde frei⸗ willig beiſtimmen. Es ſei überhaupt nicht die Sache eines Einzelnen, ſondern der ganzen Kirche. Und den Blick auf das große Ganze erhebend, ſprach er: „Sehet erſt auf die gegenwärtigen, vergangenen und künftigen Völker; dann auf die Schriftſtellen, auf die Sprüche der Väter, auf der Kirche Brauch. Wenn wir damit fallen ſollten, ſo mag die Welt zu Grunde gehen, wenn nur das Recht erhalten wird.“. (Fortſetzung folgt.) Warum ſind die Einſetzungsworte: „Das iſt mein Leib; das iſt mein Blut“, eigentlich zu verſtehen? (Fortſetzung.) 2. Ein anderer Grund, der uns dringt und zwingt, die in Rede ſtehenden Einſetzungsworte nicht in einem bildlichen Sinne zu nehmen, iſt, weil hier von einem Sacrament nicht des Alten, ſondern des Neuen Teſtamentes die Rede iſt. Zwar dürfen wir nicht meinen, daß die Sacramente des Alten Teſtamentes, nemlich die Beſchneidung und das Oſterlamm, leere, unkräftige Zeichen ge⸗ weſen ſeien und die göttliche Gnade nicht auch angeboten, dargereicht, angeeignet und verſiegelt haben;*) nein! die altteſtamentlichen Sacramente hatten denſelben Zweck, dieſelbe Kraft und denſelben Nutzen, wie die neuteſtament⸗ lichen. Sie waren auch das ſichtbare Wort; ſie *) Dies leugnen die Papiſten. Sie ſagen zwar, die Sacramente des Alten Teſtaments ſeien nur nicht ex opere operato gnadegebend und rechtfertigend, wohl aber ex opere operantis; darunter verſtehen ſie aber dies, daß der Ge⸗ brauch der Sacramente im Alten Teſtament eine Handlung des Gehorſams gegen Gottes Gebot geweſen ſei; da nun Paulus ſage: „Die das Geſetz thun, werden gerecht ſein“ (Röm. 2, 13.), ſo ſeien freilich die Iſraeliten auch durch dit Erfüllung des Geſetzes von der Beſchneidung und dem Oſterlamm vor Gott gerecht worden. Weit entfernt alſo, daß die Papiſten die Sacramente des Alien Teſtaments in Wahrheit für Gnadenmittel erkennen, ſo lehren ſie vielmehr das gerade Gegentheil, indem ſie die Rechtfertigung nicht dem Glauben an die Sacramente, ſondern dem Werk der Beſchneidung u. ſ. w. zuſchreiben, zuwider dem klaren Aus⸗ ſpruche St. Pauli: Röm. 4, 9—12.