# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Mai 1863_S131 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — Was sagen die Apostel und was sagt Christus der Herr zu unserm Katechismusstreit. 131 Wünschen und Ansprüchen einige Gewalt anthun, weichen und sich gefan⸗ gen geben muß. — Concrete Exempel beweisen immer anschaulicher als all⸗ gemeine und abstracte Begriffe. So möchte man hieran erkennen können, in welchem Sinne ich mit dem Apostel Paulus sage, daß man seine Ver⸗ nunft unter den Gehorsam des Glaubens gefangen nehmen müsse. Die Vernunft faßt selbst was ihren Widerspruch erweckt als den Inhalt des gött⸗ lichen Wortes auf, wird aber dann durch eine höhere Macht, die ihr in dem Wort entgegentritt, überwunden und gebeugt: daß sie also zustimmt, ist nicht ihr eigenes Werk, nicht einmal in solchen einzelnen, dem Mittelpunkte des seligmachenden Glaubens noch sehr fernstehenden Lehrpunkten. 3. Die Lehre vom Amt der Schlüssel und der Beichte. Christus sagt: Ich bin ein Arzt der Kranken! Sünder allein kommen zu ihm, solche, die wissen und fühlen, daß sie Sünder sind. Er, der als wahrhaftiger Gott das Herz ergründet, begegnet den Seufzern der Buße mit der heiligen Absolution. Seinen Jüngern befiehlt er darnach das Predigt⸗ amt mit dem Wort: Welchen ihr die Sünden erlasset, denen sind sie erlas⸗ sen u. s. w. Daß er der ganzen Gemeine diese trostreiche Gewalt verliehen hat, die Pastoren die Schlüssel nur verwalten ist hier nicht am Ort weiter auseinander zu setzen. Genug, daß das Amt der Kirche gegeben ist und daß dies Amt jedem aufrichtigen Gemüth (einem solchen ist nämlich seine Sünde nicht unbekannt) zu großem Trost gereicht. Darum hat auch Luther, der aus eigener Erfahrung wußte, wie nöthig jeder armen Seele die Absolution und die in derselben aus dem Himmel ins Herz tönende Stimme Christi ist, als treuer Diener am Heiligthum darüber gewacht, daß sie der lutherischen Kirche verbleiben möchte. Bekannt ist sein tapferes Wort: „Wenn tausend und aber tausend Welten mein wären, so wollt' ich nicht das kleinste Stück dieser Beicht' aus der Kirche kommen lassen!“ Sind die Bedürfnisse der Seele inzwischen anders geworden? Gibts keine Sünde mehr? Hat der Sünder eine andere Arznei als die der Erlö⸗ sung und Versöhnung mit Gott durch Christum? Kommt der Glaube nicht mehr durchs Evangelium, durch die Predigt desselben „öffentlich und durch die Spendung des Gnadenwortes nach Bedürfniß (und der Buße ist dies Bedürfniß allezeit eigen) auch „sonderlich?“ Man sage nicht, eine solche Beichte sei ein „katholisirender“ Gebrauch. Zu dem, was man eigentlich mit Unrecht „katholisch“ nennt, fehlt unserer Pri⸗ vatabsolution die päpstische Lehre von der richterlichen Gewalt des Prie⸗ sters, von der durch Zerknirschung des Herzens, durch das einzelne Sünden⸗ bekenntniß und eigene Genugthung mit bedingten Hoffnung der Gnade. Auch ist es falsch, daß unsere Lehre von den Schlüsseln dem Pastor eine Art Mittleramt zuerkenne. Er kommt hiebei nur in Betracht, sofern das Wort Christi durch seinen Dienst verkündigt wird, wie das Jeder wissen und sich doch lieber erst gehöriges Orts über die Sache unterrichten sollte, ehe er es wagt, durch voreiliges Absprechen Solche irre zu machen, die ein⸗