# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1863_S127 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich-Zeitgeschichtliches. 127 nur Eine Gemeinde treu bleiben würde, sofern die Zustimmung der großen Mehrheit erfor- derlich sei. Dazu kommt noch eine große Zahl von Gemeinden, in welchen der neue Ka- techismus entweder von der Mehrheit oder doch von der Minderheit angenommen ist. Auch das ist nicht gering anzuschlagen, wenn auch nur in der Rücksicht, daß der Katechismus hin und her Wurzel gefaßt hat, und zwar ist das meist eher häufig da der Fall, wo zugleich das Glaubensleben Wurzel gefaßt hat, welches sich als der beste Pfleger und Hüter des Katechis- mus erweist. Vergleichsweise günstig scheint die Sache im Norden, im Herzogthum Bremen- Verden, zu stehen, dessen Geistliche sich eben so sehr durch ihre praktische Tüchtigkeit und Rüh- rigkeit auszeichnen, als sie wegen ihres Confessionalismus verschrieen sind. Ihnen ist es zu statten gekommen, daß der alte Katechismus schon seit 1815 mehr und mehr beseitigt ist und also mindern Einfluß auf die religiöse Bildung oder Verbildung des Volkes gehabt hat.“ Dr. Tischendorf erklärt den Griechen Simonides, welcher die Sinaitische Handschrift selbst verfertigt haben will, für einen Betrüger. Von Dr. v. Harleß ist so eben bei Bläsing in Erlangen erschienen: Das Ver- hältniß des Christenthums zu Cultur- und Lebensfragen der Gegenwart. 8. (VII und 85 S.) geh. n. 12 Ngr. (42 kr. rh.) Heidelberger Katechismus. Der ref. „Evangelist“ schreibt: „Die drei- hundertjährige Jubelfeier des heidelb. Katechismus ist in Deutschland nur an wenigen ver- einzelten Orten beobachtet worden. Selbst in Baden, in Heidelberg, in der Pfalz, in der Heimath des ehrwürdigen Lehrbuchs, kam es zu keiner öffentlichen Feier, weil es hieß, man sei jetzt unirt und dürfe den Lutheranern keinen Anstoß geben. Nur von Elberfeld und andern Gemeinden der Grafschaft Berg, von Mörs und Umgegend und vom jülicher Land laufen Berichte über kirchliche Feier des 19. Jan. ein.“ Diese Theilnahmlosigkeit und Gleichgültigkeit nimmt uns nicht Wunder. Der Heidelberger Katechismus ist kein frisches Bekenntniß, sondern das Machwerk eines abgefallenen Lutheraners, der darin die Worte so künstlich setzte, daß ein einfältiger nicht recht weiß, ob der Katechismus lutherisch oder zwing- lisch lehre, obgleich ihn die Dortrechter Synode bestätigt hat. Als es noch galt, Lutheraner, deren man auf andrem Wege nicht habhaft werden konnte, im Trüben zu fischen, da erlangte der Katechismus ein hohes Ansehen. Diese Zeit ist nun vorbei. So ist denn auch die Sym- pathie für das Buch erloschen und die hier angestellten Versuche, dieselbe wieder zu erwecken, werden ohne nachhaltigen Erfolg bleiben. Schon sucht ihn der Schaff'sche Katechismus den Rang abzulaufen. Auf Schrauben gestellte Bücher überleben sich immer eher, als selbst solche, in denen der Irrthum leck und schroff aufgestellt ist. Unionskatechismen modeln ihre Lehre immer nach den Forderungen ihrer Zeit, daher sie auch mit jeder neuen Zeit eine Me- tamorphose erfahren. Zum Beweise hiefür aus neuester Zeit dient, daß z. B. der hiesige unirt-evangelische Verein während seines kurzen Daseins schon den dritten nach Inhalt und Form verwandelten Katechismus zur Welt gebracht hat; jedes Unwetter wäscht wieder etwas lose Tünche ab, daher des Tünchens, Flickens und Kleisterns kein Ende ist. Wie dankbar sollten daher wir Lutheraner Gott für unseren Katechismus sein! Auch an ihm hat sich bewährt und wird sich bis an den jüngsten Tag bewähren: Gottes Wort und Luthers Lehr vergehet nun und nimmermehr — und wenn unsere Feinde und Mißgönner darob ber- sten wollten. Baden. Unirte Landeskirche. In der Woche zwischen dem 1. und 2 Adv. des laufenden Kirchenjahres starb in Baden der alte Pfarrer Aloys Henhöfer, dessen Namen neben Sailer, Boos und Feneberg in der Geschichte der eigenthümlichen evangeli- schen Bewegung von Bedeutung ist, die zu Anfang unseres Jahrhunderts durch die katholische Kirche Süddeutschlands ging. Nach einem von ihm selbst in ein Kirchenbuch aufgezeichneten Lebenslaufe war er geboren am 11. Juli 1789 zu Völkersbach, einem badischen Oertchen. Seine Eltern waren Katholiken. Die bigotte Mutter bestimmte den Knaben frühzeitig zum geistlichen Stande. Nachdem ihn der Ortspfarrer im Lateinischen vorbereitet hatte, besuchte er die Schule der Piaristen (eines geistlichen Ordens der römischen Kirche) und später das Lyceum zu Rastatt. Im Jahre 1811 bezog er als Theolog die kath. Universität zu Freiburg.