# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1863_S126 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 126 Kirchlich-Zeitgeschichtliches. Genf. Die hiesige deutsch-reformirte Kirche hat auf den Antrag des bekannten Pfarrer Wagner mit Mehrheit den Beschluß gefaßt, daß apostolische Glaubensbekenntniß zu beseitigen und eine von allen Dogmen freie Kirche der Vernunft zu bilden. So lesen wir in der Allgem. Kirchenzeitung vom 28. Decbr. vorigen Jahres. Tod. Am 16. Decbr. vorigen Jahres starb zu Eisleben Superintendent Dr. theol. Rudolf Stier. Dr. Fr. Delitzsch ist, wie schon früher erwähnt worden, seit Anfang dieses Jah- res in der Redaction der Guerickeschen Zeitschrift an die Stelle des sel. Dr. Rudelbach getreten. Sein erster Aufsatz als Mitredacteur in dem ersten diesjähr. Quartalheft ge- nannter Zeitschrift trägt die Ueberschrift: „Die Bibelübersetzung Luthers muß verbessert wer- den.“ Es erscheint uns dies als kein günstig Omen für das, was die lutherische Kirche von des gelehrten Professors Mitarbeit an einer so weit verbreiteten theologischen Zeitschrift zu erwarten habe. — In demselben Heft findet sich als Anhang eine Critik der Dogmatik von Kahnis aus der Feder desselben Gelehrten unter der Ueberschrift: „Für und wider Kahnis,“ worin jedoch ersterer nicht in Abrede stellt, daß in der Dogmatik von Kahnis „sowohl im Gebiete der biblischen Theologie als der eigentlich dogmatischen mit heraus- fordernder Kühnheit nicht wenige Ergebnisse vorgetragen werden, durch welche den Wider- sachern kirchlicher Theologie haltbare Positionen als unhaltbar preisgegeben und sogar theil- weise die Fundamente gemeinchristlichen und insbesondere lutherischen Glaubens erschüttert worden.“ (S. 1.) „Die genommenen Ergebnisse alteriren nicht blos die Schriftbegründung der Dogmen von der Trinität und vom heil. Abendmahl, sondern ihre Substanz selber.“ (S. 2.) „Der Verfasser fällt in jenes arianische ἦν ὅτε οὐχ ἦν zurück, dessen Ueberwindung der alten Kirche so viel Schweiß und Blut und Thränen gekostet hat. „Er verfällt so auf einen Subordinatianismus, welcher die Einheit der Dreieinigen Gottheit bedroht und folgerecht an die Stelle des Einen Dreieinigen einen Gott und zwei Untergötter setzt.“ (S. 23.) Hannover. Wie wir aus dem Neuen Zeitblatte vom 9. Jan. ersehen, verhehlt sich Dr. Münkel die unheilvolle Bedeutung der Zurücknahme der die Einführung eines recht- gläubigen Katechismus betreffenden königlichen Verordnung nicht. Er schreibt: „Was bedeutet also in diesem Zusammenhange der Satz, daß der König die Gewissen nicht zwingen und darum den Katechismus freigeben will? Es bedeutet thatsächlich Gewissens-, Glaubens- und Lehrfreiheit, wohlgemerkt, nicht blos im Staate, sondern in der lutherischen Kirche selbst; denn thatsächlich ist nicht nur der Katechismus, sondern auch die Lehre freigegeben, und das kann nicht anders sein, wenn der Katechismus, wie die Gegner nach errungener Freiheit selbst bekennen, die reine lutherische Lehre enthält. Die Verordnung hat noch mehr dazu geholfen, dieser Thatsache Halt zu geben, denn sie hat zwei wichtige Stücke versäumt, die zum Schutze der Kirche unerläßlich waren. Sie hat nicht erklärt, daß trotz der Aufhebung des Gebotes die reine Lehre in alleiniger Geltung bleibe, und sie hat nicht gewagt, die lautgewordenen Irrlehren und den Unglauben mißfällig zu bescheiden. Die Katechismusstürmer konnten die Verordnung nur so verstehen, als wenn ihre Empörung ein berechtigter Kampf des Gewissens gegen Glaubenszwang sei. Sie sind frei und gerecht- fertigt ausgegangen; dagegen die Freunde und Vertheidiger des Katechismus sind der Wuth der aufgeregten Massen preisgegeben und haben nicht nur das Geschenk des Königs theuer bezahlen müssen, sondern auch nicht einmal rechten Gebrauch davon machen können.“ Münkel berichtet weiter: „Wenn der Ausgang des Kampfes im Süden des Königreichs, im Fürstenthum Göt- tingen am ungünstigsten ist und mit einer, wie es scheint ziemlich vollständigen Niederlage den Frieden wieder herbeigeführt hat, so haben sich in den übrigen Provinzen eine Reihe von Gemeinden tapfer gehalten und den neuen Katechismus einstimmig angenommen und beibe- halten. Daß dies sehr viel sagen will, wird jeder einsehen, der sich vergegenwärtigt, welch ein rasender Schwindelgeist über das Land ausgegossen war und selbst Gutgesinnten die Köpfe verdrehte. Mitten in der Zeit des Sturmes hielt man es nicht für möglich, daß auch