# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1863_S123 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Was sagen die Apostel und was sagt Christus der Herr zu unserm Katechismusstreit. 123 5. Wenn die Beschwerde führende Partei darauf Anspruch macht, Lehren, die nicht etwa specifisch lutherische Glaubensartikel sind, sondern zu den von allen Confessionen anerkannten Fundamental·Sätzen des Christenthums gehören, in Zweifel ziehen, resp. aufgeben zu dürfen, so ist das mehr, als wenn Jemand den Huldigungseid für ein Privilegium ansieht, sich von allen Gesetzen seines Vaterlandes zu emancipiren. 6. Daß Herrn Kirchenrath Schenkel in Heidelberg ein Katechismus, der den Dr. Luther zum Verfasser hat, und eine im Geist desselben gehaltene Erklärung mißfällt, kann Niemand befremden. Die badische Landeskirche nämlich ist seit langer Zeit bekenntnißlos und so wenig lutherisch, daß unsere badischen Glaubensgenossen noch jüngst auf empörende Weise verfolgt worden sind. Die feindliche Gesinnung derselben theilt der Mann in hohem Grade, schmäht u. a. — wie Schreiber dieses in Baden selbst aus glaubhaftem Munde vernommen hat — gelegentlich den theuren Knecht Gottes, unsern Luther, wegen seiner Treue gegen jedes Jota des Wortes Christi. 7. Weil Christi Reich nicht von dieser Welt ist, so darf es Niemand Wunder nehmen, wenn einmal fünfzig Jahre lang in einem Lande der Glaube darniederliegt. Ueber die Kämpfe, die dadurch entstehen, daß Christi Art ist, vom Tode wieder aufzuwecken, muß man entweder mit Gott oder mit den Ursachen rechten, die einen so schweren und gefährlichen Schlaf herbeigeführt haben. Die Wächter Zions aber sind an keine Tradition, auch nicht an die des hergebrachten Schlendrians verwiesen, sondern haben das ausdrückliche Gebot eines Herrn, der seiner nicht spotten läßt, und sollen Jeder für sich sehen, daß sie ihm stehen und nicht fallen. 8. Wer selig werden will, hat wohl nöthig, seine Vernunft von dem gefangen nehmen zu lassen, der deß Macht und Gewalt hat, und dem Worte zu gehorchen, wodurch derselbe unsere Seele allerdings — bekehrt. 9. Den „Schriftgelehrten“ sogar bleibt die Bibel ein verschlossenes Buch, bis sie, wie Luther, als die neugebornen Kindlein einfältig nehmen, was ihnen und jedem ungelehrten Leser Gott in der Bibel gibt. Der „Schlüssel“ ist daher nicht zu verachten, den dieser Knecht Gottes gefunden und im Katechismus uns aufbewahrt hat. Die heil. Schrift ist allerdings ein Himmel, der sein Licht nicht erst von dem empfängt, welcher ihn mit offenen und im Anschauen seiner Wunder geübten Augen siehet; aber seine Sonne ist der „Glaube“ (im objectiven Sinne), die Richtschnur aller Weissagung (s. Röm. 12, 7.) Den kann und darf ein hinreichend beglaubigter Priester der Wahrheit — und diesen Titel wird keine Zeit der Wittenberger Nachtigall nehmen — in einem kurzen Bekenntniß schriftlich fassen und damit auch Anderen zur Einsicht in den Zusammenhang der Offenbarung verhelfen. Daß Luther in dieser Weise bis auf den heutigen Tag vielen Seelen Pförtnersdienste geleistet hat, bedarf keines Belegs. Wie mancher dagegen kann nicht ins Heiligthum kommen, weil falsche Auslegung und Predigt derer es verriegeln, denen Gott den „Schlüssel der Erkenntniß“ ihres Orts gleichfalls befohlen hat (s. Luc. 11, 52.)!