# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1863_S114 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 114 Luther als Prediger. predigt und da auf den letzten großen Kampf zu sprechen kommt. Er versetzt sich dabei so lebhaft in eine Völkerschlacht, daß er nicht nur das Kriegsge⸗ schrei der kämpfenden Soldaten auf der Kanzel nachmacht, sondern auch selbst den Ton der Trompete erschallen läßt: Taratantara, und den Donner nach⸗ macht mit seinem: Pummerlepumm. Aber freilich predigt derselbe Luther auch oft wieder ganz anders, und zwar so speculativ hoch und tief, daß man ihn gar nicht wieder erkennt. Wenn er z. B. auf die Tiefen der Dreieinig⸗ keit zu sprechen kommt und da anfängt von Natur und Person Gottes zu reden, da ist ihm nichts zu hoch und zu tief; alle Sprachen müssen herbei, um seine Gedanken auszudrücken, und er schwingt sich mit seiner Intuition und seinen dialektischen Stößen aus dem Worte heraus so hoch hinein in die Tiefe Gottes, daß gewiß viele seiner Zuhörer ihm nicht haben folgen können. Das ist wohl doch etwas für die 40 Magister gewesen. Wir müssen eben wiederholen: Luther gibt sich auf der Kanzel, wie er ist; er spricht wie er es hat; nur deutlich machen will er die Gedanken seines Gottes, dazu muß ihm alles dienen, und alle seine Gaben gebraucht er nur zu diesem einen Zwecke, und wie der Text, so ist seine Auslegung, wie die Zuhörer, so seine Dar⸗ stellung — er will und kann Allen Alles sein. Und dieses Begabtsein, dieser Wunsch, mit diesen Gaben das Evangelium deutlich zu machen und allen seinen Inhalt dem populus Dei auseinander zu legen aus seiner eigensten Persönlichkeit heraus, ließ ihn allezeit die rechten Worte finden: und das war seine Popularität. Sein Plattdeutsch so wenig wie sein Lateinisch, sein nicht Aufschreiben so wenig wie seine analytische Weise machten seine Popularität aus. Dieses alles waren nur Momente der vorher vorhandenen Originalität und urkräftigen Persönlichkeit, die, vom Evangelio durchdrun⸗ gen, nicht anders als originell das Evangelium verkündigen konnte. Und wo Persönlichkeiten in der Weise aufgetreten sind, d. h. Männer, die ihre Begabtheit von dem Evangelio haben durchdringen lassen, da haben sie auch allezeit populär gepredigt. Heut zu Tage freilich scheint es fast, als müßten Recepte erfunden werden, um einem die Popularität anzucuriren. Weil da oder dort einer so oder so predigt, z. B. plattdeutsch, weil einer mit seinen Predigten diese oder jene Erfolge gehabt hat, darum werden die Herrn ohne Erfolge irre und denken, wenn sie auch plattdeutsch oder mindestens bäurisch aufträten oder brav Geschichten erzählten, dann würden sie auch populär. Jeder Prediger aber, wie jeder Christ, ist eine eigne Persönlichkeit, mit Eigenthümlichkeiten ausgestattet in Mannigfaltigkeit von verschiedenen Gaben (1 Corinth. 12), die will der heil. Geist zu Ehren bringen, indem er die alte Natur nicht zerbricht, sondern auf⸗ baut und verklärt. Auf diese seine eignen Gaben soll sich jeder besinnen, wie er sie von Natur hat und wie der heil. Geist sie heiligen und mehren will. Und wer sich so herausarbeitet als ein Christ aus der Indolenz und Verkehrtheit seines alten Menschen, und auch die