# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1863_S108 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 108 Luther als Prediger. Sei mir gegrüßt! Es geziemt uns wohl, dich anzurufen, Dessen Geschlecht wir sind, der einzig uns auf der Erde Sein Wort nachzusprechen die herrliche Gabe verlieh'n hat. Dich darum preist mein Lied, dich feiert es immer und ewig. Dir folgt, wie du gebeutst, der Himmel; und alle Gestirne Drehen sich freudig und gern, wie deine Gewalt sie beweget, Der als Diener und Boten in unantastbaren Händen Du den entflammenden schwingst, den unauslöschlichen Blitzstrahl: Vor ihm bebt die Natur; doch durch sein Feuer entzündest Du den gemeinsamen Geist, der Alles belebt und in Allem Leuchtenden Glanzes erscheint, im Größesten wie im Kleinsten. Also wohnest im All und herrschest du königlich. Ohne Dich mag nimmer ein Werk auf grünender Erde geschehen, Noch in des Himmels ätherischem Reich, noch tief in dem Meere, Als was Thörichtes thun im eigenen Sinne die Bösen. Du doch weißt hin wieder zum Heil auch das Schlimme zu lenken, Ordnend das Ordnungslose, den Haß auflösend in Liebe, Daß sich das Böse der Harmonie einfüget des Guten, Daß ein einiger Geist in Jeglichem webet und waltet, Dessen Gesetz die fliehen, die unter den Sterblichen Böses Thun, Unselige, die nach den ewigen Gütern verlangend Doch nicht hören und ehren des Gottes gemeinsamen Willen, Dem treufolgend auch sie ein herrliches Leben genössen. Aber des Schönen beraubt nun streben sie hier hin nnd dort hin, Die von des Ruhmes Begier rastlos zum Kampfe getrieben, Die um Geldes Gewinn zu mancherlei Sorge verwirret, Andere aber zur Ruhe gewandt und zur Pflege des Leibes; Alle mit nichtigem Eifer Entgegengesetztes erjagend. Doch du, Zeus, Allgeber, du Blitzender, Dunkelumwölkter, Wend', o wende die Menschen hinweg vom traurigen Wahne, Scheuch' aus der Seele ihn fort, und gieb uns Theil an der Weisheit Rathschluß, dessen getrost du Jegliches ordnest und wohl machst, Daß in der Ehre Genuß dir wieder die Ehre wir geben, Singend in ewigem Lied dein Werk, wie solches dem Menschen Zukommt; denn nie ward ein Höheres Göttern und Menschen, Als dein durchwaltend Gesetz einstimmend zu preisen. (Fortsetzung folgt.) Luther als Prediger von Prof. Dr. Hengstenberg. (Fortsetzung und Schluß.) Ehe wir aber auf die eigentliche Predigtweise Luthers näher eingehen, müssen wir vorher noch bemerken, daß er seine Predigten über die kirchlichen Perikopen gehalten hat. An ihnen hat er festgehalten, obschon er diejenigen nicht tadeln will, „die die ganzen Bücher der Evangelisten vor sich nehmen", wie er ja auch selbst ganze Bücher, z. B. das erste Buch Mosis, durchgepredigt hat. Die Perikopen aber zieht Luther deshalb vor, „denn auch das der Ur⸗