# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1863_S107 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Der Materialismus oder die sog. Resultate der modernen Naturwissenschaft. 107 eines Wesens geschehen, das nebst der vollkommensten Glückseligkeit die Unsterblichkeit besitzt, . . . . . sondern alles entspringt aus jener ewigen Ordnung, welcher alles unterworfen ist, und ohne welche alles eitel Verwirrung wäre und alles zu Grunde ginge." — Schon in diesen wenigen Citaten, die wir hier nicht vermehren können, wird der nachdenkende Leser die wissenschaftliche der „heutigen Klarheit und Consequenz" gewiß nicht nachstehende Entwickelung jener Lehre erkennen, welche Dr. Büchner unter dem Titel: Kraft und Stoff in seiner Weise verträgt, ohne im Stande zu sein, einen neuen, haltbaren oder das Ganze beweisenden Gedanken aufzustellen. Aber auch Epikur hat diese Lehre nicht erfunden. Sie ist eine schon sehr alte, hat sich aber stets für eine sehr neue ausgegeben. Denn sie benützt zur Darstellung ihres Inhalts die Naturerkenntniß einer jeden Zeit in solcher Weise, als wäre diese Erkenntniß durchaus abhängig von ihr selbst, und umgekehrt diese Lehre eine Folge jener Erkenntniß. So wird sie von den Materialisten unserer Zeit als Resultat der modernen Naturwissenschaft ausgegeben und ihre Vertreter geberden sich gerade, wie wenn von ihnen „neue und großartige Erwerbungen der Wissenschaft" ausgegangen wären; gerade wie Epikur nie eingestanden hat, daß die in seine Lehre eingewobene Naturphilosophie nicht durch ihn, sondern durch seine Vorgänger Moschus, Leucipp und Demokrit ausgebildet worden ist. Der Materialismus läßt seiner ganzen Natur nach, da er aus Behauptungen besteht, welche der Wahrheit keck ins Angesicht schlagen, und nur die Leugnung alles Göttlichen zum Ziele hat, keine weitere Ausbildung zu, sondern erhält sich auf dem Gebiete der Wissenschaft allein durch ein unverschämtes Ansichreißen der Fortschritte echter Wissenschaft vermittelst einer plumpen Verzerrung derselben, wie wir oben wahrzunehmen Gelegenheit gehabt haben. Als der Apostel Paulus in Areopag zu Athen namentlich den Philosophen aus der Schule Epikurs das Dasein Gottes, des Schöpfers, Herrn, Regierers, Erhalters und Richters der Welt bezeugte, wies er zu ihrer Beschämung auf eine bessere Erkenntniß hin, die durch etliche Poeten ihres eigenen Volkes ausgesprochen worden war. Diese Hinweisung ist auch für uns nicht ohne Bedeutung. Wir theilen hier zum Schluß ein derartiges, vom Apostel citirtes Gedicht mit, in der Absicht, dem Leser zu einer Vergleichung dessen zu veranlassen, was uns oben als die höchste Errungenschaft des menschlichen Geistes im neunzehnten Jahrhundert dargeboten wurde, mit dem, was Kleanthes c. 250 Jahre vor Christi Geburt als Ergebniß seiner Forschung in einem Hymnus auf Zeus niedergelegt hat. Aus solcher Vergleichung wird sich ein bestimmtes Urtheil darüber bilden lassen, ob das Heidenthum in einem Zeitraum von über zweitausend Jahren, die zwischen die Verabfassung jener beiden Schriftstücke fallen, nach Form und Inhalt des Denkens fortgeschritten oder gesunken ist. Wir geben den Hymnus in einer Uebersetzung von Prof. Dr. Carriere. Zeus, der Unsterblichen Haupt, Vielnamiger, Vater des Weltalls, Das nach deinem Gesetz du lenkst mit ewiger Allmacht,