# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1863_S96 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 96 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. In Celle ist am 7. October die Beseitigung der Bekenntnisse beliebt, und eine Synode gefordert, welche die Glieder des Kirchenregimentes zu wählen, also die jetzigen mißliebigen Räthe zu entfernen habe, weil der Schwerpunkt der Kirchenregierung in der Synode liegen müsse. Da nun die Synode die Mehrheit in den Gemeinden vertreten soll, so haben wir eine vollständige Kirchenrevolution, die gar nichts beim Alten läßt, sondern ruft: „Rein ab, rein ab bis auf den Boden.“ Das haben Superintendenten und Geistliche in Celle wagen dürfen, denn sie haben den großen Haufen mit Pflastersteinen hinter sich, und daß sie mit dieser Garde auch auf der Synode den Platz behaupten werden, ist nicht zu bezweifeln. Was wird das willfährige Regiment dagegen anfangen? Es ist durch ein Ausschreiben den Geistlichen und insonderheit den Superintendenten, die Theilnahme an solchen Versammlungen verwiesen, sie sind „ernst und nachdrücklich gewarnt und davon abgemahnt;“ aber wo wird man den Nachdruck hernehmen, wenn sie nun doch nach Celle gehen, ja jetzt um so viel mehr, da sie berathen müssen, wie sie die Synode in ihre Gewalt bekommen, und in diesem entscheidenden Augenblicke in der Hand behalten, was die Regierung ihnen aus der Hand nehmen will? Das Ausschreiben rügt namentlich das Bedenkliche, hinsichtlich des Bekenntnißpunktes, und wir freuen uns, darüber auch einmal einen Tadel, den ersten Tadel, zu hören, wenn er auch sehr zurückhaltend und bemessen ist. An der Sache wird er nichts ändern, sobald nur erst die Synode auf ihre Füße treten kann. Vorläufig wird eine Uebergangssynode gebildet werden, auf der die Vermittelungspartei sich mit der Sturmpartei messen und ihr endlich, wie es die Natur der Vermittelung mit sich bringt, gewonnenes Spiel geben wird. Und dann, wenn die Synode erst sie selbst ist, wird sie nach den Celler Beschlüssen handeln. Nachdem man nicht einmal den kleinen lutherischen Katechismus hat halten können, wüßt' ich nicht, was sich überhaupt noch halten läßt. Zeit gewonnen, alles gewonnen, sagt das Sprichwort; aber man ist sehr eilig mit den Zugeständnissen gewesen. (Die Celler Versammlung ist vorläufig vertagt.) Hamburg. Hier ist wieder ein Erzlästerer als Pastor der St. Catharinen⸗Gemeinde angestellt worden, ein Dr. phil. Krause, „der 23jährige Sproß des verstorbenen berüchtigten Hauptpastors zu Hamburg Dr. Krause.“ Münkel macht dazu die Bemerkung: „Der (jetzige) Hauptpastor Wolters, dessen Glauben man rühmt, muß diesen Greuel an heiliger Stätte ansehen und den Lästerer ordiniren. Darauf geht die Predigt in Druck aus und erlebt die fünfte Auflage, ohne daß etwas geschieht oder auch geschehen kann. Denn die ihn gewählt haben, sind wie er, und die im Kirchenregimente sitzen, sind theils Reformjuden, theils Reformchristen wie Krause, der Abstammung nach verschieden, der Gesinnung nach gleich. Keine öffentliche Stimme ist dagegen laut geworden, man ist den Greuel gewohnt und wird des Redens dagegen müde, weil es nichts mehr hilft. P. Sengelmann hat voriges Jahr eine Schrift über das Hamburger Babel ausgehen lassen, und was wir da erfahren, ist trostlos genug und zeigt, daß die Kirche verweltlicht und unter die Zwingherrschaft der Ungläubigen und Ungerechten gerathen ist. Es läßt sich begreifen, wenn er bei diesen Zuständen kein andres Heil als in der Trennung von Staat und Kirche sieht. Wie nun diese aber anders ausgeführt werden soll, als in der Weise der lutherischen Zionsgemeinde, die sich separirt hat, das wäre erst zu überlegen. Die Trennung vom Staate wird nichts bessern, wenn nicht zugleich eine Trennung von der weit überwiegenden Masse der Ungläubigen, Kirchenfeinde und Gottlosen erfolgt, da diese sonst doch das Regiment behalten werden. Diese wird man aber nicht so ohne weiteres hinauswerfen und um ihr Recht an Kirchen und Kirchengut bringen können. Also bliebe zuletzt doch nur der Kaiserschnitt übrig.“ Dänemark. In Kopenhagen sind, wie dem „Schw. M.“ aus Schleswig geschrieben wird, 186 Mormonen⸗Apostel thätig und wirken dort mit „großem Erfolg.“ In keinem anderen Orte der Welt finden die Lehren der „Heiligen der letzten Tage“ einen solchen Anklang, wie in der Hauptstadt des Königreiches Dänemark; Rationalismus, Grundvigianismus und ein über Religion und Kirche stehender s. g. Patriotismus wirken hier zusammen, jener schändlichen Secte den Weg in die Herzen des Volkes zu bereiten.