# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 05 02_S137 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Redigirt von C. F. W. Walther. „Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von der deutſchen evangeliſch⸗lutheriſchen Synode von Miſſouri, Ohio und anderen Staaten. Jahrgang 4. St. Louis, Mo., den 2. Mai 1848. No. 18. enthalten, unter der Adreſſe: Mr. F. W. Barthel, care of O. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu ſenden. Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen Subſcriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche denſelben vorauszubezahlen und das Poſtgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cenis verkauft. Nur die Briefe, welche Mittheilungen für das Blatt enthalten, ſind an den Redacteur, alle anderen aber, welche Geſchäftliches, Beſtellungen, Abbeſtellungen, Gelder ꝛc. (Eingeſandt von Dr. Sihler.) Ein deutſcher Unionsmann über uns arme Lutheraner. (Fortſetzung.) 3.) Nachdem Hr. Hengſtenberg über „die preußiſchen Lutheraner“ näheren Bericht gethan, deſſen Berichtigung oder Widerlegung, falls er nicht überall auf beglaubigten Thatſachen beruht, wir den Betheiligten überlaſſen müſſen, geht er nun über, die Trennung einiger von uns von der Synode von Ohio anzugreifen. Er be⸗ hauptet nämlich, ohne genaue Kenntniß der Sachlage und ferner, ohne den richtigen kirchlichen Geſichtspunkt zu haben, daß wir in dieſer Tren⸗ nung „ungerecht und unweislich gehan⸗ delt haben, wie als Lutheraner ſo als Deutſche; ungerecht, weil beſonders in der Synode von Ohio das lutheriſche Bekenntniß niemals ange⸗ taſtet worden ſey; es ſtehe dort immer noch als eine kirchliche Richtſchnur feſt; unweislich, weil wir von der Kirche das Salz des deutſchen und lutheriſchen Elements vorſätzlich herausgezogen, ſo daß ſie nun, mit beſchleunigter Eile, den eng⸗ liſchen Einflüſſen unvermeidlich zur Beute fallen müſſen.“ Dagegen ſei es nun geſtattet, uns, der Wahr⸗ heit gemäß, zu rechtfertigen. Wenn Herr Heng⸗ ſenberg behauptet, „daß in der Synode von Ohio das lutheriſche Bekenntniß niemals angetaſtet worꝛden ſey, daß es daſelbſt immer noch als kirch⸗ liche Regel und Richtſchnur (ecolesiastical rule) feſtſtehe“, ſo ſcheint er zunächſt ſeinen eigenen Worten zu widerſprechen; denn er nennt früher die Synode von Ohio ſelbſt, nachdem er die ſoge⸗ nannte General⸗Synode: „undeutſch und anti-lutheriſch“ genannt hat, „halb⸗— deutſch und halb-lutheriſch“. Warum nennt er ſie denn alſo, wenn es wahr iſt, daß das lutheriſche Bekenntniß in dieſer Sy⸗ node, wie er ſagt, noch unangetaſtet ſteht? Wie ſollen wir dieſen Widerſpruch zwiſchen ſeinen eigenen Ausſagen löſen? Denn meint er, es ge⸗ nüge, daß eine Synode ſich äußerlich zu den kirch⸗ lichen Symbolen bekenne, um, dem Weſen nach, lutheriſch zu ſeyn, warum nennt er ſie denn „halb“-lutheriſch? Denn daß keine nament⸗ lich-reformirte Prediger und Gemeinden zu ihr gehören, weiß er ja wohl. Iſt ſie aber wirklich nur „halb“-lutheriſch, ſo ſcheint wieder jenes nicht richtig zu ſeyn, daß ſie das kirchliche Be⸗ kenntniß aufrecht erhalte. Wie ſollen wir nun die Sache zurecht legen und den Widerſpruch he⸗ ben? Schwerlich anders als dergeſtalt: Hr. H. meint wahrſcheinlich, daß, obſchon die Synode von Ohio ſich zu ſämmtlichen kirchlichen Symbo⸗ len bekenne, ihre kirchliche Praxis dieſem Bekennt⸗ niß nicht angemeſſen ſey und es gleichſam wieder aufhebe, nämlich, daß die Prediger dieſer Synode z. B. vielfach gemiſchte Gemeinden als ſolche bedienen und Reformirten als ſolchen das heilige Abendmahl reichen; daß ſie ferner ihre Candidaten bey der Ordination nicht auf die kirchlichen Bekenntnißſchriften verpflichte und der⸗ gleichen. Meint er nun wirklich dieſes und hält er um deßwillen die Synode von Ohio nur für halb— lutheriſch, ſo iſt er mit uns geſcholtenen Separa⸗ tiſten derſelben Meinung und wir, als ganz⸗ lutheriſche — denn jenen kindiſchen Gegenſatz von alt- und neu⸗lutheriſch können wir nirgends und niemals anerkennen — hätten dann nicht „ungerecht“ gehandelt, von ſolcher Synode auszuſcheiden, die in ihrer kirchlichen Handlungs⸗ weiſe das Bekenntniß in ſeinen nothwendigen praktiſchen Folgerungen verleugnet und unter dem lutheriſchen Namen die unioniſtiſchen Umtriebe dieſer unſerer Zeit begünſtigt und fördert. Vor dem Eintritte aber dieſer unſerer nothge⸗ drungenen Trennung haben wir durch Gottes Gnade auch chriſtlich und nach der Liebe gehandelt. Denn wir haben in aller Demuth, und nicht auf einmal alle Mißſtände berührend, die Synode zuerſt bittweiſe ſchriftlich angegangen, die reformirt⸗unioniſtiſche Spendungsformel beim heiligen Abendmahl: „Chriſtus ſpricht“ abzu⸗ thun, indem wir die Unzuläſſigkeit derſelben für lutheriſche Gemeinden und kirchliche Körperſchaf⸗ ten, zumal bei dem dermaligen unioniſtiſchen Stande der Dinge, mit genugſamen Gründen erwieſen. Dieſes Geſuch wurde auf der Extra-Sitzung der allgemeinen Synode von Ohio im Jahre 1844 zu Zanesville zuerſt erhoben, ſeine Erledi⸗ gung aber auf die Synodal⸗Verſammlung des kommenden Jahres verſchoben. In dieſer aber, gehalten zu Lancaſter 1845, wurde es, ohne ir⸗ gend welche ernſtliche Erwägung und noch weni⸗ ger Umſtürzung unſerer Gründe, kurz und ſpöt⸗ tiſch abgewieſen, ja es war nahe daran, daß das Gegentheil der Bittſchrift erfolgte, nämlich, daß den Predigern der Synode der Gebrauch der unioniſtiſchen von Doctor Demme redigirten Agende von 1842, darin jene Spendungsformel ſteht. durch einen Synodal⸗Beſchluß zu einer bin⸗ denden Gewiſſensſache gemacht wurde. Zugleich fielen auch bei Verhandlung dieſer Sache und zwar aus dem Munde angeſehener Prediger ſelt⸗ ſame Reden, als z. B. „Es würde doch ſehr in⸗ conſequent und lieblos gegen Hrn. Doctor Demme ſeyn, wenn ſie jetzt dieſe Austheilungsformel ab⸗ thäten, nachdem ſie die Agende angenommen, und dem Herrn Doctor Demme dafür beſondern Dank abgeſtattet hätten“ — Worte, die ſattſam bewei⸗ ſen, daß dem Sprecher die Rückſicht auf Men⸗ ſchen wichtiger ſchien, als die auf die Sache, und daß eine bedauerliche Menſchelei hiebei mitwirkte. Eine ähnliche Abweiſung erfuhr eine andere Bittſchrift, die wir zu dieſer Synode einbrachten, indem wir nämlich, gleichfalls geſtützt auf triftige Gründe, dringend baten: 1.) Daß die Synode, bei Ertheilung der Ordination, auf ſämmtliche Symbole der lu⸗ theriſchen Kirche den Ordinanden feierlich ver⸗ pflichte; 2.) Daß ſie hinfort nicht mehr geſtatte, daß ihre Prediger gemiſchte, d. i. reformirt⸗lutheri⸗ ſche, Gemeinden als ſolche bedienen, indem dies doch eine Billigung und Förderung der falſchen Union unſerer Zeit ſei; 3.) Daß ſie ein Synodal-Zeugniß wider die falſche Sakramentslehre der ſogenannten lutheriſchen General⸗Synode erhebe; 4.) Daß eine gründliche Reform des Exa⸗ minations-Weſens angeordnet werde.