# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1863_S94 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 94 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. delt wurde: „Werden wir einem politischen Vereine beitreten?“ Im Bericht heißt es: „Die Erklärung des Fragestellers: solle er für einen bestimmten politischen Verein sich als Privatmann und abgesehen von seiner Stellung in einem öffentlichen Amte entscheiden, so könne er dies nur für den im October d. J. in Frankfurt a. M. entstandenen „„großdeutschen,““ keinesfalls aber für den wie lucus a non lucendo sich unberufen so nennenden „„Nationalverein,““ welcher auf Zerreißung des Nordens und Südens deutscher Nation ausgehe, greifbar kleontisch zusammengesetzt und ein Abklatsch der kirchenfeindlichen weiland Vaterlandsvereine unseligen Andenkens sei — wurde einstimmig adoptirt.“ Nichts desto weniger war das Resultat die einstimmige Erklärung, daß die Prediger sich an keinen politischen Verein anschließen sollten, nicht nur weil jener „ehrenwerthe und ächt patriotische Verein, welchem ein Harleß, zugleich baierischer Reichsrath, beigetreten, auch entschiedene und notorische Ultramontanen zähle,“ sondern auch und zwar vor allem darum, weil ein Kirchendiener durch Beitritt zu einem solchen Verein als ordentliches Glied seine Unabhängigkeit und amtliche Wirksamkeit gefährde. Romane. Die jetzt am meisten gelesenen, ja, von Tausenden verschlungenen Romane sind bekanntlich Tendenzromane, das heißt, Schriften, die nicht dem sonstigen allgemeinen Zweck dieser Litteratur, der Unterhaltung dienen wollen, sondern in der Form einer erfundenen spannenden Geschichte gewisse besondere Tendenzen verfolgen, namentlich die, Haß und Verachtung gegen die bestehenden religiösen, staatlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse, als die Quelle alles Jammers, und Sehnsucht nach Verwirklichung der neuen radical⸗humanistischen Ideen, als dem einzigen Heil der Welt, zu erzeugen. Zu diesen Tendenzromanen der Gegenwart, die auch von dem deutschen und englischen Publicum hier verschlungen werden, gehört das Buch Les Misérables (die Elenden). In einem öffentlichen Vortrag über dasselbe sagte Pastor Kögel aus dem Haag: „An der Sünde hat der Mensch allein Schuld. Hiervon weiß ein Victor Hugo nichts in seinem vielgelesenen und auch als christlich gerühmten (!) Buche Les Misérables. Einen Christen versteht er nicht zu zeichnen; der Mensch, das Böse, das Unendliche ist seine Dreieinigkeit. Dies Buch ist ganz angethan, die Unwissenheit zu vermehren. Wer ist für das Böse verantwortlich? Seine Antwort lautet: Die Gesellschaft gab mir und ich aß, sie nahm mir und ich verdarb. Die Sünde wird zum Unfall. Das Buch ist ein Religionsbuch der Sentimentalität, es ist der Cultus der Romane, der keuschen Ehebrecher, der ehrlichen Diebe, der wahrheitsklebenden Lügner. Der erleuchtete Christ kann lernen daraus, wie ganz anders die Bibel richtet, als Victor Hugo, aber die Verblendeten werden daraus lernen, alle Schuld auf die gesellschaftlichen und staatlichen Verhältnisse zu werfen.“ Es ist dieser Roman offenbar ein Seitenstück zu Onkel Tom's Hütte. Mecklenburg. Folgendes lesen wir im „Freimund“ vom 18. Dec. v. J.: Auf dem Mecklenburgischen Landtag wurden am vergangenen 5. Dec. interessante kirchliche Verhandlungen gepflogen, welche zum Gegenstand die Zurückweisung eines treuen Kirchendieners durch die Staatsgewalt hatten. Pastor Plaß hatte nehmlich dem zu seiner Gemeinde gehörigen früheren Gutsbesitzer Krüger, der „als ein Ehrenmann und als ehemaliger Kämpfer in den Freiheitskriegen bei seinen Freunden im besten Andenken stand“, die üblichen Feierlichkeiten bei der Beerdigung verweigert, weil derselbe, „anders gesinnt, die Predigten und sonstigen Amtshandlungen des Pastors nicht besucht hatte“, d. h. ein Kirchen⸗ und Sakramentsverächter war. Eine Beschwerde der Angehörigen bei dem vorgesetzten Superintendenten Polsdorf in Güstrow ward abgewiesen. Dagegen hatte eine Vorstellung beim Großherzog die Wirkung, daß es einem benachbarten Geistlichen aufgetragen wurde, den Verstorbenen mit kirchlichen Ehren zu beerdigen. Pastor Plaß enthält sich dabei jeder Betheiligung. Darauf hin nun stellte der Schwiegersohn des Verstorbenen Herr v. Bassewitz⸗Dersentin den Antrag, man solle den Großherzog ersuchen, er wolle veranlassen, „daß der Pastor Plaß wegen dieses öffentlichen Aergernisses zur Beruhigung der Gemeinde ernstlich in Anspruch genommen, und daß den Pastoren der Landeskirche im Allgemeinen untersagt werde, dergleichen unbegründete und unberechtigte „Angriffe auf den Frieden der Familien sich ferner zu erlauben“. Dieser Antrag erregte bei einem Theil der