# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1863_S92 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 92 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. denn Hr. Dr. Harkey nicht die Augsburgische Confession gelesen? Oder, wenn er etwa meint, daß dieselbe in diesem Punkte eine Fundamentallehre des Christenthums verworfen habe, wo steht denn in der h. Schrift auch nur ein Buchstabe von geschehener göttlicher Einsetzung eines neutestamentlichen Sabbathtages? — Selbst Spener, der doch, wie alle Pietisten, in diesem Punkte mehr alt-, als neutestamentlich lehrte, bekennt doch in einem theologischen Bedenken offen: „Die Nothwendigkeit der Sonntagsfeier auf den ganzen Tag gegen einen Widersacher zu erweisen, wird schwerer sein, als man glauben möchte.“ (S. Theol. Bd. I. 475.) Der „Observer“ über Glaubensbekenntnisse. Als wir in der Nummer vom 25. Dezbr. v. J. des genannten Blattes einen wohlmeinend sein sollenden Aufsatz über obigen Gegenstand fanden, wurden wir, durch jahrelange Erfahrung gewitzigt, fast unwillkürlich an das Virgilische: Timeo Danaos et dona ferentes erinnert und unsere Besorgniß hat uns leider nicht getäuscht. Zwar diesmal läßt sich der Observer soweit herab, gnädigst anzuerkennen, daß kurze, klare Darlegungen der fundamentalen christlichen Lehren, wenn recht gebraucht, harmlos seien, ja sich sogar als nützlich erweisen mögen. Aber, aber der Mißbrauch, daß nun ein solches Bekenntniß, „in all seinen Einzelheiten bindend sein soll für alle Glieder der Kirche, für alle, die sich ihr anzuschließen, die mit ihr zu communizieren wünschen, für alle ihre Kinder und Kindeskinder, für alle Nachkommen“ — das ist entsetzlich! Da muß man mit Schrecken ausrufen: „Bringt das keinen Schaden? Ist das kein Eingriff in das Gewissen des Einzelnen? keine Anmaßung ungebührlicher Gewalt? keine Usurpation angeborner Rechte Anderer, ja Tausender, die noch ungeboren sind?“ — Doch der tapfere Observer ist kein sentimentaler Weltschmerzmann, sondern ein Mann von Rath und That. Darum tritt er denn auch für die Rechte der geknechteten Gewissen, des unterm Symbolzwang schmachtenden Menschenthums in die Schranken und dient zunächst mit seinem weisen Rath, indem er der Kirche sagt, was ein Bekenntniß sein und thun und wie es mit demselben bewandt sein sollte. Hört doch, ihr Gewissenstyrannen, ihr Symbolgläubigen, ihr hartköpfigen Lutheraner den großen Arzt der leidenden Kirche und Menschheit! Ein Bekenntniß „sollte die beiläufige Meinung der Mehrheit darlegen und in Punkten, die für einen lebendigen Glauben und für das Heil der Seele nicht wesentlich sind, der Minorität nicht aufgezwungen werden. Es sollte der Verbesserung und wachsenden Vervollkommnung unterworfen sein.“ Und warum nicht? „Würde es doch Thorheit sein zu behaupten, daß die Weisheit mit den alten Vätern oder mit den Reformatoren starb, oder mit dem gegenwärtigen Geschlechte sterben werde. Riesenfortschritte sind in der Wissenschaft, in Geschichte, Chemie, Philologie und jedem andern Zweig gemacht worden. Die Fortschritte in der Astronomie und Chemie haben uns befähigt, die Bibel besser zu verstehen als unsere Väter; die Geologie hat uns gelehrt, das 1. Kapitel der Genesis richtiger auszulegen, als dies vor einem Jahrhundert geschah.“ ꝛc. . . . . . . . . . . „Ja, selbst wenn wir im Vergleich mit den Reformatoren Zwerge wären,“ (natürlich nur den Fall gesetzt, nicht zugegeben, denn das hieße sich doch gar zu sehr wegwerfen) „so sollten wir mit unseren vermehrten Vortheilen die Bibel besser verstehen als sie; ein Zwerg, der auf den Schultern eines Riesen steht, kann weiter sehen als der Riese selbst. Deshalb sagten wir, ein Bekenntniß des Glaubens solle nicht gleich sein den (unabänderlichen) Gesetzen der Meder und Perser, sondern solle der Verbesserung und wachsenden Vervollkommnung unterworfen sein. Sobald wir der Wahrheit näher kommen, tiefer und klarer in den geoffenbarten Willen des h. Geistes schauen, wie derselbe in der h. Schrift dargelegt ist, sind wir verbunden, unsere Symbole zu revidiren und sie den besser verstandenen Lehren der Schrift vollkömmlicher anzupassen.“ . . . . . . . . . . „Wir wagen zu behaupten,“ (welch ein Wagstück) „daß Luther und seine gelehrten Mitarbeiter in Sachsen die Bibel richtiger auslegten als irgend eine gleiche Zahl ihrer Zeitgenossen. Nichtsdestoweniger glauben wir nicht, daß sie dieselbe so gut verstanden als Gottes erleuchtetes Volk der Gegenwart. Ja, ein verständiges Sonntagsschulkind hat