# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1863_S91 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 91 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. I. America. „Politische Blätter, von christlichem Standpunkt aus redigirt“, wollen jetzt viele sein, die nichts weniger, als dies, sind. Fast scheint es, als ob manche Redakteure dächten, Christen sind redlich bezahlende Subscribenten, drum wollen wir unser Blatt als „nach christlichen Grundsätzen redigirt“ ankündigen; bringt uns das auch eine kleine Schande, so bringt's uns doch Geld; denn die Christen sind einfältige Leute, spottet man nicht direct gegen die Bibel, sondern lobt sie wohl gar dann und wann, dann kann man ihnen wer weiß was für christliche Politik verkaufen, sie verschlucken es nicht nur geduldig, sondern endlich mundet ihnen auch das Unchristlichste ganz vortrefflich; so sind sie denn, ohne daß sie es merken, für die neue Weltreligion gewonnen. Von einem ähnlichen Raisonnement scheint der „Amerikanische Wächter“ ausgegangen zu sein, als er, die Devise „nach christlichen Grundsätzen“ auf seinen Wimpeln, seine Anker lichtete. Um nur einen Beleg aus vielen für diese Behauptung anzuführen, so schreibt er in seiner Nummer vom 6. Febr.: „Dies ist ein Krieg der Ideen; der Menschheitsidee des Christenthums, die sich endlich nach 1900 Jahren Bahn bricht!“ Jedermänniglich ersieht hieraus, der Herr „Wächter“ gehört auch zu der humanistischen Roßmühlen⸗Fortschritts⸗Partei. Abolitionismus. Der berüchtigte Abolitionist, Senator Sumner, erklärte in einer im Senat neulich gehaltenen Rede, worin er zu sofortiger Emancipation aufforderte: „Man hat die zehen Gebote nicht allmälig, sondern unbedingt zu befolgen.“ Der Herr scheint die zehen Gebote noch gar nicht gelesen, geschweige an das „unbedingte befolgen“ derselben gedacht zu haben, denn das zehnte Gebot lautet bekanntlich: „Laß dich nicht gelüsten deines Nächsten Weibes, noch seines Knechts, noch seiner Magd, noch seines Ochsen, noch seines Esels, noch alles, was dein Nächster hat.“ New-Orleans. Folgendes meldet der „Evangelist“ vom 24. Jan.: „Die Episkopal-Prediger in New-Orleans, welchen von General Butler das Predigen verboten wurde, weil sie in ihrer Liturgie das Gebet für den Präsidenten der Ver. Staaten ausließen, haben von seinem Nachfolger, Gen. Banks, Erlaubniß erhalten, wieder ihr Amt zu verwalten.“ Ueber die Vereinigung der lutherischen Kirchen in Amerika zu schreiben, zeigt sich Hr. Dr. Harkey unermüdlich. Der Luth. Observer vom 30. Jan. enthält bereits den 6. Artikel über diesen Gegenstand. Zeigte nur der Schreiber den rechten Weg zu einer wahren Vereinigung, so wäre ja freilich damit der Sache nicht zu viel gethan. Leider fehlt es aber gerade daran gänzlich. Nach Dr. Harkey sollen die Grundlehren des Christenthums zur Basis der Vereinigung dienen, nehmlich diejenigen, in Betreff welcher alle s. g. „evangelischen“, d. h., nicht offenbar rationalistischen, „Protestanten“ miteinander übereinstimmen. Sieht denn Hr. Dr. H. nicht, daß er damit den lutherischen Kirchen in Amerika die ganz eigentliche Basis der unirten Kirche unterbreiten will? Was würde, wenn dieses Band kirchlicher Einigung von allen Lutheranern anerkannt würde, die hiesige lutherische Kirche anders werden, als ein buntes Gemisch von Lutheranern, Reformirten, Methodisten, Baptisten u. s. w.? Denn diese alle erkennen die aufgeführten zehn s. g. Fundamentallehren der Form nach entschieden an. Sind damit diese alle, wie Hr. Harkey sagt, Lutheraner, dann sind auch die Reformirten, methodistischen, baptistischen ꝛc. Gemeinschaften ebenso viele lutherische Kirchen, und neben ihnen noch eine besondere lutherische Kirche errichten oder erhalten zu wollen, wäre nichts, als Sünde der Separatisterei. Wie kläglich es mit jenem Vereinigungsprojekt Hrn. Dr. Harkey's bestellt ist, tritt endlich auch dadurch an den Tag, daß derselbe eine Lehre als eine Fundamentallehre aller evang. Protestanten mit aufzählt, die von allen wahren Lutheranern verworfen wird! Die Lehre nehmlich, daß die christliche Sonntagsfeier (denn sie versteht er ohne Zweifel unter dem „Sabbath“) göttlicher Einsetzung sei. Hat