# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 04 18_S136 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchliche Nachrichten. Der „Deutſche Kirchenfreund“ und der „Ame⸗ rikaniſche Botſchafter“ melden aus Berlin, daß mehrere Männer von Bedeutung durch das arm⸗ ſelige Glaubensbekenntniß, welches die preußiſche Generalſynode 1846 in Form eines Ordinations⸗ formulars abgefaßt hat, endlich zu der Einſicht gekommen ſind, auf wie haltloſem Grunde die unirt⸗evangeliſche Kirche gebaut ſei und daß es Täuſchung ſei, wenn ein Lutheraner meine, in⸗ mitten dieſer Kirche ein Lutheraner ſein und blei⸗ ben zu können. Dieſe Männer ſind, außer dem bereits im Lutheraner erwähnten Archidiakonus Kniewel von Danzig, die pommeriſchen Predi⸗ ger Nagel, Hollatz, Hardeke und Mein⸗ hold, welche im Oktober 47 mit einem großen Theil ihrer Gemeinden aus der unirten Kirche ausgetreten ſind und ſich den ſeparirten Luthera⸗ nern angeſchloſſen haben. Inſonderheit wird von der Gemeinde zu Triglaff berichtet, daß der größte Theil derſelben ihrem Paſtor Nagel gefolgt ſei und ihren Gottesdienſt im Hauſe des Herrn von Thadden halte. Der „Amerik. Botſch.“ ſagt, daß das Gut des Herrn v. Th. ſeit vielen Jahren ein Mittelpunktechriſtlichen Lebens und evangeli⸗ ſcher Miſſionsthätigkeit für die ganze Umgegend war. Paſtor Ernſt von Neudettelsau, Union Co., O., erhielt im Monat Juli vorigen Jahres einen dringenden Ruf von zwei lutheriſchen Gemeinden bei Marion, Marion Co., O., den er nicht aus⸗ zuſchlagen wagte. Da es ihm aber auch Gewiſ⸗ ſensſache war, die bis dahin von ihm bedienten Gemeinden nicht zu verlaſſen, ſo ſah er ſich ge— nöthigt, ſich einen Hilfsprediger beigeben zu laſ⸗ ſen, welchen er in der Perſon Herrn Jakob Sei⸗ dels aus Walpenreuth in Oberfranken erhielt. Letzterer, in dem theologiſchen Seminar zu Fort Wayne gebildet, wurde nemlich von den Gemein⸗ den dazu ordentlich berufen, auf ſein Anſuchen bei der Synode von Miſſouri, Ohio u. a. St. nach Anordnung derſelben examinirt und, nachdem er wohl beſtanden, von Herrn Dr. Sihler unter Aſſiſtenz des P. Ernſt vor der Gemeinde zu Neu— deitelsau als Hilfsprediger ordinirt. Es ſtellte ſich jedoch heraus, daß es dem Gedeihen der von einander weit entlegenen Gemeinden förderlicher ſein werde, wenn dieſelben in zwei eigne Parochien getheilt würden, inſonderheit, da P. Ernſt noch den Beruf an die Stadtgemeinde Marion erhielt. Es haben daher die Gemeinden zu Neudettelsau und Wittenverg (Franklin Co., O.), auf Vor⸗ ſchlag des P. Ernſt, Herrn Hilfsprediger Seidel ausſchließlich zu ihrem Seelſorger berufen und erſteren den Gemeinden in und bei Marion über⸗ laſſen. P. Seidel iſt nun bereits von P. Ernſt im Auftrage des Präſes der Synode in ſein Amt eingewieſen. Adreſſe: Rev. J. Seidel, Marysville P. O., Union Co., O. (Eingeſandt.) Neue Ausgaben zweier alten aber nicht ver⸗ alteten Schriften. 1. Dr. M. Luthers Tiſchreden, heraus⸗ gegeben von Dr. Forſtemann, Bibliothekar in Halle, zwei Bände in groß Octav, Leipzig 1844. Dieſe neue Ausgabe iſt ein treuer Abdruck der erſten von Joh. Aurifaber i. J. 1566 beſorgten, nur daß darin deſſen leſenswerthe Vorrede fehlt, an deren Stelle eine andere des neuen Heraus⸗ gebers g treten iſt, die freilich weit weniger Dank verdient, als die dem Texte beixegebenen geſchicht⸗ lichen und andere Eiläuterungen. 2. Pastorale Lutheri d. i. nützlicher und nöthiger Unterricht von den vornehmſten Stücken 136 zum heiligen Miniſterio gehörig, und richtige Antwort auf mancherlei wichtige Fragen von ſchweren und gefährlichen Caſibus, aus Dr. Lu⸗ thers Schriften, herausgegeben durch M. Conr. Porta, vom Jahre 1586; aufs Neue heraus⸗ gegeben zu Nördlingen 1842, mit Berichtigung der Citate und Verbeſſerung ſinnentſtellender Druckfehler. Leider aber haben ſich auch in dieſe neue Ausgabe ſo viele Druckfehler eingeſchlichen, daß das Verzeichniß derſelben beinahe zwei Sei⸗ ten einnimmt. Die alte Schreibart iſt der jetzi⸗ gen angepaßt worden, jedoch angeblich des eigen⸗ thümlichen Charakters möglichſt unbeſchadet. Darüber, ſo wie über das „Nutzloſe“, was weg⸗ gelaſſen worden iſt, ſoll ſpäter in dieſem Blatte genauere Auskunft gegeben werden. Leider fehlt auch der ganze aus acht Capiteln beſtehende An⸗ hang; dennoch aber iſt allen Kirchendienern drin⸗ gend anzurathen, dieſes Werk, das bis jetzt noch nicht ſeines Gleichen hat, ſich anzuſchaffen und wohl zu nutze zu machen; je fleißiger ſie das letz⸗ tere thun werden, deſto höher werden ſie dieß treffliche Werk ſchätzen und bei den reichen Gaben desſelben den Mangel des Fehlenden ertragen lernen. Beide Bücher (und zwar das erſtere gebunden für $3.00) können von der Radde'ſchen Buch— handlung in New Rork, durch die Herren Stohl⸗ mann in Milwaukie, Frankſen und Weſſelhoeft in St. Louis und Rademacher in Philadelphia bezogen werden. W. Keyl. Der Herr „Lichtfreund“ belieben wahrſcheinlich zu ſcherzen, indem ſie den Glauben, daß Gott kein Ding unmöglich iſt und daß Gott daher auch „einen Körper in die Luft ſteigen laſſen könne, obgleich derſelbe ſchwerer als ſie iſt“, für eine altlutheriſche Bornirtheit erklä— ren. Wir wenigſtens halten es im vollen Ernſte für Verrücktheit, Gott jene Macht abſprechen zu wollen. Es erinnert uns dies an den Zweifel jenes Schulkindes, ob Gott die Sonne geſchaffen habe, da ja die Sonne gar zu weit dort oben ſtehe! Herr Lichtfreund hatten, wie wir bereits mit— getheilt haben, aber auch behauptet, die Ortho⸗ doxen würden die alten Mährchen von der Ge⸗ burt Mariä und dergl., die man freilich ſchon in der früheſten Zeit als unecht erkannt und verworfen habe, doch für wahr halten und eben ſo ſteif und feſt glauben, wie die anderen bib⸗ liſchen Wundergeſchichten, wenn ſie jene in der heiligen Schrift fänden. In dieſer Behbauptung erlaubten wir uns eine Petitio brincipii zu finden. Herr Lichtfreund wollen nun zwar dieſen Fehler eingeſtehen, aber erſt, „nachdem wir klar dargethan haben, daß die in den Evangelien erzählten Mährchen weniger ab⸗ ſurd ſind, als die in dem von Herrn Lichtfreund angezogenen Evaͤngelio von der Geburt Mariä“. Wahrſcheinlich belieben der Herr L. auch hier wie⸗ der zu ſcherzen, denn ſie wiſſen jedenfalls, daß die Orthodoxen die bibliſchen Wundergeſchichten nicht deswegen vor anderen annehmen, weil die⸗ ſelben weniger „abſurd“ ſind, als andere, ſondern weil dieſelben von Männern erzählt weiden, welche unwiderſprechliche Kennzeichen haben, daß Gott ſelbſt durch ſie geredet habe. Jenen Mährchen fehlt aber eben dieſes Siegel ihrer Wahrheit; hätten ſie dies, ſo wären ſie keine Mährchen. Herr L. haben daher nicht nöthig, ihr ehrliches, und darum ehrenwerthes Eingeſtändniß ſo lange zu verſchieben, bis wir jene uns angemuthete Beweisführung geliefert haben. Herr Lichtireund möchte zwar endlich, gedrun⸗ gen von den Gefühlen der Dankbarkeit, auch uns gern die Ehre zuweiſen, eine Petitio principii eingeſtehen zu müſſen, die darin liegen ſoll, daß wir in unſerem Glauben auf der Annahme einet . übernatürlichen Offenbarung fußen, ohne im 4 Stande zu ſein, ſie als ſolche genügend zu rech⸗ fertigen. Hierauf diene aber zur Antwort: Wir Chriſten nehmen die heilige Schrift nicht deswe⸗1 gen für eine göttliche Offenbarung an, weil ſich dies genügend vor der Vernunft des natürlichen Menſchen rechtfertigen läßt, ſondern, weil ſich die heilige Schrift als göttliche Offenbarung ſelbſt in uns gerechtfertigt hat und noch täglich rechtfertigt durch das göttliche Siegel, was ſie allen denen aufdrückt, die dem Geiſte Gottes Raum geben, ja oft auch denen wider ihren Willen, die dem⸗ ſelben widerſtreben. Allen denen, die uns die Unerweislichkeit einer übernatürlichen Offenba- ◻ rung vor dem Richterſtuhl der natürlichen Ver⸗ nunft vorwerfen wollen, rufen wir daher das Wort Chriſti zu: „So jemand will deß Willen; thun (der mich geſandt hat), der wird inne wer⸗ den, ob dieſe Lehre von Gott ſei, oder ob Ich von mir ſelber rede. (Joh. 7, 17.) Wir gedenken daher mit der geforderten Rechtfertigung der über⸗ natürlichen Offenbarung ſo lange es anſtehen zu laſſen, bis Herr Lichtfreund uns glaubhaft werden 3 verſichert haben, daß ſie jenen von Chriſto gezeig⸗ ten Weg gegangen ſind, auf welchem man zum Glauben an die Offenbarung kommt, daß ſie nemlich den Willen deſſen gethan haben, der Chri⸗ ſtum geſandt hat; welcher Wille kurz beſchrieben iſt Joh. 6, 40. Es thut uns übrigens leid, daß Hr. Lichtfreund offenbar feindſelig wider uns auftritt, da wir doch, wie alle Leſer wiſſen, alles, was uns möglich war, aufgeboten haben, um die Verdienſte des Herm Lichtfreund um die Aufklärung in den weſilichen Urwäldern in das Licht zu ſetzen. Doch wir müſ⸗ ſen uns mit dem alten Sprüchwort der Deuiſchen tröſten: „Undank iſt der Welt Lohn.“ Anmeldung der Communicanten bei dem Prediger. Aus dem „Kirchenboten“ erſehen wir, daß die „Nördliche Conferenz“ der Pittsburger Synode kürzlich beſchloſſen habe, der nächſten Synodalver⸗ ſammlung anzuratherr: „wieder zu dem alten Gebrauch unſerer Vorväter zurückzukommen, ſich vor der Abendmahlsfeier bei dem Prediger per⸗ ſönlich zu melden, damit dieſer eine Gelegendeit habe, genauer mit dem Seelenzuſtande der Com⸗ municanten bekannt zu werden und denſelben den gehörigen Troſt und Anweiſung ertheilen zu kön⸗ nen.“ Wir freuen uns dieſes Beſchluſſes, als auch eines Zeichens von Streben nach dem Beſ⸗ ſeren. Erhalten für die Miſſion am Fluſſe Cass: 514.00 von der Gemeinde in Fort Wayne, 51.00 von Herrn Georg Raß in Pomeroh. W. Hattſtädt, Pfr. in Monroe. Erhalten 355.00 für dieſelbe Miſſion von der Gemeinde in Pome⸗ roy. 51.00 von der Synodal-Miſſions Caſſe von einem Unbekannten. für die Gemeinde zu Palmyra, Mo.: 54.00 von der Gemeinde zu Neudettelsau, Union Co, Ohio. 3.00 von der Gememde zu Winenberg, Frankliin Co., Ohio. Bezahlt. Den 4. Jahrg. Die HH. Joh. Beckfeld, Carl Fleiner, Heinr. Gobbert, Georg Gründler, P. Hattſtädt, Friedr. Haushalter, Friedr. Herion, Jacob Hügly, Friedt. Krucke, Geo. Kirchherr, Bernh. Krudop, P. Lücken, Wilh. Meier, Jafob Müller, Friedr. Niehaus, Heinr. Schune, Sieph. Sauer, W. Scharf, A. Wagner, Peter Walter, M. Weſſza. Gedruckt bei Arthur Olshauſen,. Herausgeber des Anzeiger des Weſtens.