# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1845 01 11_S38 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 38 rechter Art war, wollt schier sagen Verzweiflung, ich da schwebete, ach, da wissen die sichern Geister wenig von, die hernach des Pabstes Majestät mit großem Stolz und Vermessenheit angriffen.“*) — Als der Pabst sah, daß er Dr. Luthers standhaftes Bekenntniß mit Gewalt nicht dämpfen könne, versuchte er's auf gütliche Weise und sandte durch den Herrn von Miltitz dem Churfürsten zum Zeugniß seiner Gewogenheit im J. 1519 eine geweihte goldne Rose, mit der aber der Empfänger nur Spott und Kurzweil trieb. Dieser päbstliche Abgesandte getraute sich seinen Auftrag, Luthern nach Rom zu bringen, wie er ihm selbst gestand, nicht mit 5000 gerüsteter Mann auszuführen; „denn — sagte er zu ihm — ich habe auf meiner Reise so viel erfahren, wo Einer auf des Pabstes Seite steht, so stehen wohl drei andere auf deiner Seite wider den Pabst.“ Dieser Herr v. Miltitz bat Luthern freundlich in einer mit demselben in Altenburg angestellten Unterredung, er wolle doch zum Frieden helfen, und versprach, auch den Pabst dazu zu bewegen. Dr. Luther willigte gern in solche Bitte, so weit er es mit gutem Gewissen und ohne Schaden der Wahrheit thun könne. Der Gesandte beschied auch den unverschämten Schreier Tezel vor sich, gebot ihm, mit seinem Ablaßkram inne zu halten, und jagte ihm ein solches Schrecken ein, daß er bald darauf starb, niemand hatte sich des elenden Mannes, der sich nun von Gott und Menschen verlassen gesehen hatte, angenommen, als Luther, welcher einen Trostbrief an ihn richtete und auch ihm die Gnade Christi predigte. Hätte menschliche Klugheit das aufhalten können, was Gott durch Luthern auszuführen beschlossen hatte, so wäre ohne Zweifel Miltitz der Mann dazu gewesen. Luther selbst soll gesagt haben, wenn im Anfang Miltitzens Rathschlag wäre vorgenommen worden, so hätte können der Sachen gerathen werden; daß sie aber zu einem solchen Lärm gelaufen, daran habe allein der Bischof von Mainz Schuld, welchen seine Weisheit und Listigkeit betrogen habe, womit er gedachte Luthers Lehre zu dämpfen und den Erlös aus dem Ablaß ohne Abbruch zu behalten. Luther trat nehmlich keinesweges in den Kampf, weil er das römische Pabstthum in seinem antichristischen Wesen erkannt hatte. In einem Briefe, den er nach den Verhandlungen mit Miltitz an den Pabst ergehen ließ, schrieb er daher: „Ich bezeuge vor Gott und allen Creaturen, daß ich nie Willens gewest noch heutigen Tages bin, daß ich mir mit Ernst hätte vorgesetzt, der römischen Kirche und Ew. Heiligkeit Gewalt auf einerlei Weise anzugreifen oder mit irgend einer List etwas abzubrechen. Ja, ich bekenne frei, daß *) Wollte Gott, dies merkte sich mancher Bramarbas, der hier im freien Lande ein großes Maul wider den Pabst hat und dabei Luthern einen elenden Pfaffen und Fürstenknecht schilt. Hätte Luther nicht durch Gottes Wort „mit großem Zittern und Furcht des Gewissens“, wie er selbst bekennt, zuerst angegriffen und überwunden, so würde vielleicht mancher solcher großmaulige Held noch immer mit ganz anderer Furcht, nehmlich mit feigem Zittern dem Pabste die Pantoffeln küssen. (Anm. d. Herausgebers.) dieser Kirchen Gewalt über alles sei, und ihr nichts, weder im Himmel noch auf Erden, möge vorgezogen werden, denn allein JEsus Christus der HErr über alles.“ Christus mit seinem reinen Evangelio war es also allein, das sich Luther nicht nehmen lassen wollte; weil er nun dies durch die Ablaßpredigt bedroht sah, darum stand er auf. In diesem Kampfe lernte aber Luther das Pabstthum erst kennen und stritt daher erst dann offen wider dasselbe, als es ihm offenbar wurde, daß mit demselben das Evangelium Christi nicht bestehen könne und daß der Pabst der größte Feind Christi sei. Hier sehen wir, daß die lutherische Reformation nicht ein nach einem menschlichen Plane und Rathe begonnenes und ausgeführtes, sondern ein Werk Gottes war, das daher selbst die Feinde gerade durch ihren Widerstand und ihre falsche Weisheit befördern mußten. Ueberaus wichtig für Luthers Vorbereitung zu immer größeren Kämpfen war auch Folgendes, was sich im Jahre 1519 zutrug. Nachdem er nehmlich sieben Jahre lang die h. Schrift mit großem Fleiße gelesen hätte, also, daß er fast alles auswendig wußte und daher namentlich eine große Begierde hatte, die Epistel St. Pauli an die Römer recht zu verstehen, so hinderte ihn daran nur ein einziges Wort, nehmlich dies: die Gerechtigkeit Gottes, von welcher Paulus (Röm. 1, 17.) sagt, daß sie im Evangelium offenbart werde. Bis dahin verstand er unter dieser Gerechtigkeit diejenige, nach welcher Gott alle Sünder und Ungerechte strafe. Daß nun Gott diese Gerechtigkeit nicht nur im Gesetz, sondern auch im Evangelio offenbare und dadurch also das Schrecken des Gesetzes noch vermehre und somit die Sünder alles Trostes beraube: darüber entsetzte sich Dr. Luther oft in seinem irrenden Gewissen. Als er aber dennoch Tag und Nacht mit Nachdenken über diesen Spruch anhielt, erkannte er endlich durch die dabei stehenden Worte: „der Gerechte lebet seines Glaubens,“ durch Gottes Gnade, daß die im Evangelio offenbarte Gerechtigkeit Gottes keine andere sei, als die, welche vor Gott gilt und die darin besteht, daß Gott uns aus Gnaden und eitel Barmherzigkeit durch den Glauben rechtfertigt oder die Sünde vergibt. Davon schreibt er selbst: „Hie fühlte ich alsbald, daß ich ganz und neugeboren wäre und nun gleich eine weite aufgesperrte Thür, in das Paradies selbst zu gehen, gefunden hätte; sahe mich auch die liebe heilige Schrift nunmals viel anders an, denn zuvor geschehen war. — Ich fing an, das Wort, Gottes Gerechtigkeit, als mein allerliebstes und tröstlichstes Wort theuer und hoch zu achten und war mir derselbe Ort in St. Paulo in der Wahrheit die rechte Pforte des Paradieses.“*) *) Hieraus ersehen wir, wie falsch Luther in neuerer Zeit gewöhnlich aufgefaßt worden ist. Man hat ihn nehmlich jetzt meist als einen Mann geschildert, der einen ausgezeichneten natürlichen Muth besessen und daher, die Mißbräuche und den Aberglauben der päbstlichen Kirche erkennend, ohne Scheu Pabst, Bischöfe, Priester, Mönche ꝛc. in beißenden Schriften angegriffen, das Volk durch das Feuer seiner Beredtsamkeit mit sich fortgerissen, selbst die Großen der Erde durch sein heldenmüthiges Auftreten für sich gewonnen und so einen für alle Zeiten glorreichen Sieg über groben Aberglauben errungen und die Bahn gebrochen habe für die, die jetzt wieder die alten Zu den Merkwürdigkeiten dieses Lebensjahres Luthers (im J. 1519) gehört auch die bekannte Leipziger Disputation. Der papistisch gesinnte Herzog Georg zu Sachsen, beunruhigt durch die unerhörte Lehre, die jetzt von Wittenberg aus erscholl, veranstaltete es nehmlich, daß sich Dr. Eck, ein eifriger papistischer Professor auf der Universität Ingolstadt, mit Luthern und Carlstadt, damals Professor in Wittenberg, über die ausgebrochenen Streitigkeiten öffentlich unterreden sollten. Zu einer solchen Disputation hatte Eck Sätze ausgegeben, welche den Sätzen Luthers über den Ablaß entgegengestellt waren. Luther war daher genöthigt, zu erscheinen. Das Wichtigste hierbei war, daß Luther bei dieser Gelegenheit das erste Mal aufgefordert war, vor aller Welt darzulegen, daß der Pabst nicht nach göttlichem Rechte das Oberhaupt der Kirche sei. Diese Behauptung, von deren Wahrheit Luther schon damals felsenfest überzeugt war, zog denselben nun immer tiefer in den Kampf hinein, den er nach Gottes Rathschluß durchkämpfen sollte. Im J. 1520 schrieb Dr. Luther unter anderm das wichtige Buch „von der christlichen Freiheit,“ welches er dem Pabste sendete und worin er namentlich bewies, daß die christliche Freiheit in der h. Taufe ihren Grund habe, indem darin jeder Getaufte dem dreieinigen Gott in allen Gottes-Sachen allein Gehorsam geschworen habe und daß daher ein getauftes Glied Christi keiner menschlichen Ordnung, die wider das klare Wort Gottes strebe, Gehorsam schuldig sei, und wenn es denselben leiste, dadurch seines Theils am Himmelreich verlustig werde. (Fortsetzung folgt.) Beiträge zur Vertheidigung der christlichen Religion gegen die gewöhnlichsten Einwürfe der Spötter und Lästerer unserer Tage. (Fortsetzung.) Es gibt in unsern Tagen Spötter, die, wenn sie gegen das Christenthum schreiben, sich so gemein und unverschämt zeigen, daß sich selbst die Ungläubigsten, welche noch auf Ehrbarkeit, Anstand und Sittlichkeit halten, schämen, mit ihnen in eine Reihe gestellt zu werden. Unsere Zeit ist jedoch durch den Unglauben auch moralisch so tief gesunken, daß selbst solche, die bei den gesitteten Gegnern des Christenthums heidnischen Lehren als die wahre Aufklärung der Menschen preisen. Daher ist es leider gekommen, daß selbst die frechsten Ungläubigen Luthern bisher fast immer gelobt haben. Mit Scham liest ein Lutheraner ihre Lobpreisungen; denn Lob aus dem Munde derer, die den Allerhöchsten lästern, ist die größte Schändung, die unser theurer Luther noch im Grabe erfahren kann. Gott gebe, daß es den Spöttern auch durch die gegenwärtige Darstellung Luthers in seiner wahren innern und äußern Gestalt immer klarer werden möge, daß ihnen Luther auf ihrer fluchwürdigen Bahn nicht vorangegangen, sondern ein demüthig gläubiger Christ gewesen sei. Ja, immer heraus, ihr Spötter! schließet nur, so schimpflich als ihr könnt, unsern Luther aus eurer unsaubern Zunft aus! Macht es' so übel, als es euch möglich ist. Durch nichts wird Luther besser von dem Schandflecken wieder gereinigt werden, den das Lob ihm angehängt hat, das die Gottes- und Christus-Feinde ihm so oft wider seinen und unsern Dank ertheilt haben. [Anm. des Herausgebers.]