# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1863_S84 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 84 Luther als Prediger von Prof. Dr. Hengstenberg. (Fortsetzung.) Wie sehr aber Luther in der Dialektik selbst bewandert war, das zeigen seine polemischen und dogmatischen Arbeiten. Auch die Naturgeschichte war ihm wohl bekannt, so weit sie damals überhaupt existirte. In seinen Predigten kommt er oft auf die Naturerscheinungen zu sprechen, er weiß, „daß der Hirsch die Natur hat, das er die Schlangen aus dem Loche zeucht mit seinem Athem, sie tödtet und frißt. Desgleichen auch, daß ein Wieselein, wenn es vor der Schlange Loch mit dem Schwanze wedelt, die Schlange herauslockt und wenn sie herauskreucht, so schlägt das Wieselein die Zähne der Schlangen in den Hals, so daß es die Gift nicht trifft und erwürgt sie." Er sagt, „die Philosophen sollten die Natur der Creaturen wissen; aber jetzt wissen die Bauern mehr drum, denn unsere natürlichen Meister." Er verlachte Melanchton mit seiner abergläubischen astrologischen Furcht und sagte: „es sind die Sternkunder und natürlichen Meister hinauf gen Himmel gefahren und haben das, was er hier von Zeichen sagt, auf ihre Lügen gezogen." Dabei hatte Luther einen tiefen Blick in die Erscheinungen der Natur und weist oft auf dieselben hin, um dadurch seine christlichen Ideen deutlich zu machen. Auch die Geschichte hielt Luther sehr in Ehren. Wie vieles weiß er in seinen Predigten aus der alten und neuen Geschichte bis auf die Legenden herab vorzubringen! Auf Exempel kommt es ihm an. Nur daß er nicht, wie es heut zu Tage Mode ist, nur aus Bekehrungs- und andern derlei Geschichten mit ihrem süßlichen Nebengeschmack Beispiele anführt: ihm stand das ganze Gebiet der Geschichte offen und er benutzte es wie ein Mann, der überall zu Hause ist und alles versteht und alles brauchen kann: Heidenthum und Christenthum. „Was, sagte er, die Philosophie, weise Leute und die ganze Vernunft lehren und erdenken kann, das zum ehrlichen Leben nützlich sei, das gibt die Historie mit Exempel und Geschichten gewaltiglich und stellt es gleichsam vor die Augen, als wäre man dabei und sehe es also geschehen. Und wenn man's gründlich besinnet, so sind aus den Historien und Geschichten fast alle Rechte, Künste, guter Rath, Warnung, Dräuen, Schrecken, Tröste, Stürme, Unterricht, Einsichtigkeit, Weisheit, Klugheit, somit alle Tugenden u. s. w. als aus einem lebendigen Brunnen gequollen. Darum sind diese Last aufgelegt, der den Herren eure Dienste vermiethet hat. So thut derjenige, welcher mit gutem Gewissen beflissen ist, gegen seinen Herrn seine Schuldigkeit zu erfüllen, nicht nur gegen einen Menschen, sondern gegen Gott seine Pflicht." (Joh. Calvini in N. T. Commentar. Ed. A. Tholuck. II, 68.) Von Philemon sagt Calvin in seinem Commentar zur Epistel an denselben: „Philemon war nicht einer aus dem niedrigen Volke, sondern ein Mitarbeiter Pauli in Christi Weinberg, und doch wird ihm die Herrschaft über seinen Knecht, welche durch die Gesetze gestattet war, nicht genommen, sondern es wird ihm nur befohlen, demselben Verzeihung zu gewähren und wieder aufzunehmen, ja, Paulus bittet inständig, daß er den früheren Platz erhalten möge." (A. a. O. S. 371.)