# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1863_S82 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 82 Die alten lutherischen Lehrer über Sclaverei. es wider den Nächsten ist; wider Gott kann man hier nicht sündigen, sondern wider den Nächsten. Und ist zu wissen, daß dies Wörtlein „Ruf," hier nicht heißet den Stand, darinnen jemand berufen wird, wie man sagt: der Ehestand ist ein Ruf, der Priesterstand ist ein Ruf, und so fortan; ein jeglicher hat seinen Ruf von Gott. Von solchem Ruf redet hier St. Paulus nicht, sondern er redet von dem evangelischen Ruf, daß alsoviel sei gesagt: Bleibe in deinem Beruf, darinnen du berufen bist, das ist, wie dich das Evangelium trifft und wie dich sein Rufen findet, so bleibe. Ruft dirs im Ehestande, so bleibe in demselben Rufen, darinnen dichs findet; ruft dirs in der Knechtschaft, so bleibe in der Knechtschaft, darinnen du berufen wirst. — Wie? wenn michs dann träfe in sündlichem Stande, soll ich dann darinnen bleiben? Antwort: Bist du im Glauben und in der Liebe, das ist, bist du im Ruf des Evangelii, so thue, was du willst, sündige immerhin; wie kannst du aber sündigen, so du glaubest und liebest? sintemal durch den Glauben Gott genug geschieht und durch die Liebe dem Nächsten. Darum ist's unmöglich, daß du solltest im sündlichen Stande berufen werden und bleiben. Bleibest du aber drinnen, so bist du noch nicht berufen, oder hast den Ruf noch nicht gefasset. Denn dieser Ruf schafft, daß du aus dem sündlichen Stande in einen frommen Stand kömmst, und macht dich, daß du nicht sündigen kannst, so du drinnen bleibest, und bist allerdinge frei bei Gott durch den Glauben, aber bei den Menschen bist du jedermanns Diener durch die Liebe. Aus dem siehest du abermal, daß Klösterei und Geisterei zu unsern Zeiten unrecht ist, denn sie verbinden sich vor Gott an äußerliche Dinge, da sie Gott frei los gibt, und streben also wider des Glaubens Freiheit und Gottes Ordnung; wiederum, da sie sollten verbunden sein, nehmlich vor den Menschen, und durch Liebe jedermann dienen, machen sie sich frei, daß sie niemand dienen noch nütze sind, denn ihnen selbst, und streben damit wider die Liebe. Also ist's ein verkehrtes Volk, das alle Gottes Rechte verkehrt, will frei sein, da es verbunden ist, und verbunden sein, da es frei ist, und hoffen dennoch im Himmel viel höhere Stühle, denn der gemeine Christenmensch. Ja, im Abgrund der Hölle werden sie sitzen, die aus der himmlischen Freiheit ein solch höllisch Gefängniß und aus der lieblichen Dienstbarkeit eine feindselige Freiheit machen. (Walch Tom. IIX, 1123—1130.) So schreibt ferner Melanchthon: „Mit Recht tadelt Aristoteles jene, welche aus unmäßiger und ungerechter Begierde nach Freiheit die durch das Völkerrecht angenommene Form der Knechtschaft anklagen. Doch könnten wir in viel gerechterer Weise die schwärmerischen Menschen unserer Zeit anklagen, welche das Volk unter dem Vorwand des Evangeliums zum Hut, das heißt, zur Freiheit riefen, und behaupteten, daß die Knechtschaft wider das Evangelium sei. Weil wir aber über diese Sache sonst oft geredet haben, so ist es für diesmal genug, den Leser zu erinnern, daß, wie das Evangelium dieses Gebot nicht aufhebt: Ehre Vater und Mutter, so mißbilligt es auch weder die Herrschaften, noch die Knechtschaft, sondern bestätigt