# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1863_S80 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 80 Die alten lutherischen Lehrer über Sclaverei. werdest, so du kannst mit Gunst deines Herrn; also daß deinem Gewissen gleich soll gelten, du werdest frei oder leibeigen, wo du mit Gott und mit Ehren kannst. Denn das lehret der christliche Glaube nicht, einem andern das Seine zu nehmen, sondern vielmehr alle Pflicht leisten, auch denen, denen man nichts schuldig ist, noch Recht an uns haben. V. 22.: Denn wer ein Knecht berufen ist in dem HErrn, der ist ein Gefreiter des HErrn. Desselbengleichen wer ein Freier berufen ist, der ist ein Knecht Christi. Das ist so viel gesagt: Es gilt vor Gott gleich, du seiest frei oder leibeigen; gleichwie die Beschneidung und Vorhaut gleich gilt: keins hindert den Glauben und Seligkeit. Gleich als wenn ich spreche: Es gilt im Glauben gleichviel, du seiest arm oder reich, jung oder alt, hübsch oder häßlich, gelehrt oder ungelehrt, ein Laie oder Pfaffe. Denn wer arm berufen ist, der ist reich vor Gott; wer reich berufen ist, der ist arm vor Gott; wer jung berufen ist, der ist alt vor Gott; wer häßlich berufen ist, der ist hübsch vor Gott. Und wiederum, wer ungelehrt berufen ist, der ist gelehrt vor Gott; und wiederum, wer ein Laie berufen ist, der ist ein Pfaffe vor Gott. Das alles darum, daß der Glaube uns alle gleich macht vor Gott und keinen Unterschied der Person oder Standes läßt etwas gelten. Also auch hier: Wer ein Knecht berufen ist, der ist ein Freier des HErrn, das ist, es gilt gleichsoviel vor ihm, als wäre er frei und kein Knecht. Wiederum: Wer ein Freier berufen ist, der ist Christi Knecht, das ist, er ist nicht besser, denn einer, der ein Knecht ist. Denn hier gehets, wie St. Paulus Gal. 3, 28. sagt: Hier ist kein Jude, kein Heide, kein Knecht, kein Freier, kein Mann, kein Weib, sondern alles und eitel Christus. Denn es ist da gleicher Glaube, gleich Gut, gleiches Erbe und alles gleich. Also möchtest du auch sagen: Wer ein Mann berufen ist, der ist ein Weib vor Gott, und wer ein Weib berufen ist, der ist ein Mann vor Gott. Darum kann hier das Wort, ein Knecht Christi, nicht von dem Dienst gesagt sein, den man Christo thut, sondern es heißt ein Knecht unter den Menschen auf Erden; weil derselbe Christo angehöret und unter ihm ist, so gilt er gleich so viel, als ein Freier, und ein Freier, als ein Knecht; und ist gleichwohl Christi eigen in dem, daß er Knecht ist. V. 23.: Ihr seid theuer erkauft, werdet nicht Menschenknechte. Was ist das gesagt? Jetzt hat er gelehrt, man soll Knecht bleiben, und es hindere nicht am christlichen Glauben; hier aber verbeut er, daß man nicht soll Knecht werden. Er sagt solches ohne Zweifel als einen gemeinen Spruch wider Menschenlehre, die solche Freiheit und Gleichheit des Glaubens zunichte machen und spannen die Gewissen enge .. Daß aber dies seine Meinung sei, bewährt sich aus dem, daß er sagt: Ihr seid theuer erkauft. Da meinet er Christum mit, der hat uns mit seinem eignen Blut von allen Sünden und Gesetzen erkauft und frei gemacht, Gal. 5, 1. Nun geht aber dieser Kauf nicht weltlicher Weise zu und trifft auch nicht die Verbindniß, so die Menschen unter einander haben; als da ist des Knechtes gegen den Herrn, des Weibes gegen den Mann. Solche Verbindnisse läßt er alle bleiben und will sie ge⸗