# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 04 18_S135 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Das iſt ein thörlich und unchriſtlich Fürgeben, das da anzeiget ein glaublos Herze. Chriſtus ſpricht Matth. 6, 28.: „Sehet an die Blumen auf dem Felde, wie ſie wachſen.“ Item Matth. 10, 29.: „Nicht ein Blatt fällt von dem Baum, ohne eures Vaters Willen im Himmel, und nicht ein Vogel kommt auf die Erden ohne ſeinen Wil⸗ len; wie vielmehr ihr, die ihr mehr ſeid, denn Vö⸗ gel, auch eure Haare alle gezählet ſind!“ Wenn denn nun dein Weſen iſt ein Stand, der an ihm ſelbſt nicht Sünde iſt, ob du gleich durch Sünde und Thorheit drein kom⸗ men wäreſt, wird darum dasſelbe Weſen und Stand Gott nicht deſto ungefälliger; denn Gott gefallen alle Dinge wohl, ſagt Moſes (1 Moſ. 1, 31.), ohne die Sünde. Darum, wo du in einem Stand biſt, der nicht Sünde iſt an ihm ſelbſt, ſo biſt du gewißlich von Gott beſchicket, und in dem Weſen, das Gott wohlgefället: ſiehe nur zu, und ſündige nicht drinnen. Wenn du von einem Boden fieleſt, und brächeſt ein Bein entzwei, wäre darum die Stube oder das Bette nichts deſto böſer oder Gott ungefälliger, darein dich derſelbige Fall gebracht hatte, und zu bleiben . zwinge, obwohl ein anderer ohne ſolchen Fall hin⸗ ein käme. Ja, das laß dir ein gewiß Zeichen ſein, daß du in einem rechten gottge⸗ fälligen Stand biſt, ſo du ſeiner Ueber⸗ druß und Unluſt fühleſt; da iſt gewißlich Gott, der läßt dich den böſen Geiſt anfechten und verſucht dich, ob du wankelmüthig oder beſtändig ſeiſt oder nicht, und gibt deinem Glauben Ur⸗ ſache zu ſtreiten, und ſich zu ſtärken. Auch wenn ich vom Stande rede, der nicht ſündlich an ihm ſelbſt iſt, meine ich nicht damit, daß jemand möge hier auf Erden ohne Sünden leben. Alle Stände und Weſen ſündi⸗ gen täglich: Sondern ich meine die Stände, die Gott eingeſetzt hat, oder ihre Einſetzung nicht wider Gott iſt, als da ſind, ehelich ſein, Knecht, Magd, Herr, Frau, Ueberherren, Regierer, Rich⸗ ter, Amtleute, Bauer, Bürger ꝛc. Sündlichen Stand heiße ich Räuberei, Wucherhandel, öffe nt⸗ licher Frauen Weſen, und als ietzt ſind, Pabſt, Cardinäle, Biſchöfe, Prieſter, Mönche, Nonnen⸗ Stände, die nicht predigen oder predigen hören. Denn dieſe Stände ſind gewißlich wider Gott, wo ſie nur mit Meſſen und Singen, und mit Gottes Wort nicht umgehen, daß ein gemein Weib viel eher mag gen Himmel kommen, denn dieſer eines. Geiſtlich (ein Geiſtlicher) zu ſein und nicht mit Gottes Wort (das ihr einiges Werke ſoll ſein) umgehen, iſt eben als ehelich ſein und nim⸗ mer bei einander ſein, ſondern eins hier hinaus, das andere dort hinaus buben. Daß zu beſorgen 4 iſt: viel Stifte und Klöſter, viel Huren⸗ und Buben⸗Häuſer des Teufels; ſein am Leibe fromm und äußerlich, aber an der Seelen eitel Sünde innerlich.“ NMenſchen, die auch nur in Einem Stück von Gottes Wort abgehen und ihrem Dünkel fol⸗ gen, verleugnen Gatt und ſein Wort ganz. Euther, Kirchenpoſtille, über das Evangelium am dritten ö Weihnachtsfeiertage.) „Wer Gott in Einem Stück nicht aufnimmt, ſonderlich in dem, das er vortragen läßt, den hilfts darnach nichts, daß er ihn will aufnehmen in denen Stücken, die er ſelbſt erwählet. Wenn Abraham hätte wollen ſagen, es wäre nicht Gott noch Gottes Werk, da ihm ward geboten, er ſollte ſeinen Sohn Iſaak opfern, und hätte ſeiner Ver⸗ maft gefolget und geſaget: Er wollte nicht ſeinen Sohn opfern, er wollte aber ſonſten Gott dienen, 135 V. der Himmel und Erden geſchaffen hat; was hätte es ihm geholfen? Er hätte gelogen: denn er hätte eben in demſelbigen verworfen den Gott, der Him⸗ mel und Erden geſchaffen hat, und einen andern Gott erdichtet, unter dem Namen des Gottes, der Himmel und Erden geſchaffen hat, und hätte den ahtel Gott, der ihm das Gebot vorgeleget, ver⸗ achtet. Siehe, alſo lügen alle, die da ſagen, ſie mei⸗ nen den rechten Gott, der Himmel und Erden geſchaffen hat, und nehmen doch ſein Werk und Wort nicht an, ſondern ſetzen ihren Dünkel über Gott und ſein Wort. Wenn ſie nun wahrhaftig gläubten an einen Gott, der Himmel und Erden geſchaffen hat, ſo würden ſie auch wiſſen, daß der⸗ ſelbige Gott auch ein Schöpfer über ihren Dünkel wäre, und denſelbigen machen, brechen, richten ſollte, wie ers wollte. Nun ſie ihn aber nicht laſſen einen Schöpfer ſein über ſich ſelbſt und ihren Dünkel, in einem ſolchen kleinen Stück; kann es nicht wahr ſein, daß ſie ihn der ganzen Creatur Schöpfer glauben. So ſprichſt du: Ja, wie wenn ich verführet würde, und es wäre nicht Gott? Antwort: Schweig ſtille, lieber Menſch; ein ſolch Herz, das auf ſeinem Dünkel nicht ſtehet, läßt Gott nicht verführet werden: denn es iſt nicht möglich, daß er in ein ſolch Herze nicht ſollte bvommen und woh⸗ nen, wie die Mutter Gottes ſagt Luc. 1, 53.: Er erfüllet die Hungrigen. Und Pſ. 107,9.: Die ledigen Seelen erfüllet er. Wird aber jemand verführet, ſo iſts gewiß, daß er auf ſeinem Dünkel geſtanden iſt, heimlich oder öffent⸗ lich. Darum, ein ledig Herz, das ſtehet allezeit in Furchten, in den Dingen, die ungewiß ſind, ob ſie aus Gott ſind. Die Dünkler aber fallen plötzlich darauf, laſſens genug ſein, daß es gleißet, und ſie gut dünket. Wiederum, was aus Gott gewißlich iſt, das nehmen die Ledigen ſchnell auf,‚ aber die Dünkler verfolgen dasſelbe. Nun iſt kein gewiſſer Zeichen, daß etwas von Gott ſei, denn ſo es wider und über den Dünkel iſt. So meinen die Dünkler, es ſei nichts gewiſſers, das aus Gott nicht ſei, denn ſo es wider ihren Dünkel iſt: denn ſie ſind Gottesmacher und Gottmeiſter; das ihrem Dünkel recht iſt, das ſoll Gott und Gottes ſein. Alſo müſſen alle die ver⸗ führet werden, die auf ihnen ſelbſt ſtehen, und alle die zu rechte kommen, die ihrer ſelbſt müßig und ledig ſtehen, das ſind, die den rechten Sabbath feyren. Und wo derſelbe Dünkel da⸗ hin kommt, daß er Gottes Wort auf ſeinen Fre⸗ vel führet und alſo mit ſeinem Licht in die Schrift fället, da iſt kein Rath noch Hülfe mehr. Denn da meint er, Gottes Wort ſei mit ihm, da müſſe er über halten; das iſt der letzte Fall, und recht Lucifers Unglück, davon Salomo ſaget Sprüchw. 24, 16.: Der Gerechte fället ſiebenmal, und ſtehet wieder auf; aber die Un⸗ gläubigen fallen in alles Unglück.“ Geſchlagener Unglaube. Er hat die Erde durch Seine Kraft gemacht, und den Weltkreis bereitet durch Seine Weis⸗ heit, und den Himmel ausgebreitet durch Seinen Verſtand (Jer. 10, 12.). Der berühmte Aſtronom Athanaſius Kircher überzeugte einen ſeiner Bekannten, der an dem Daſein Gottes zweifelte, von dieſem recht ſchlagend. Er ſetzte zu einer Zeit, da ſein Freund zu ihm kommen wollte, einen ſchönen Himmels⸗ Globus in einen Winkel ſeines Zimmers. Dieſer kam, indem Kircher ſich eben mit aſtronomiſchen Berechnungen zu beſchäftigen ſchien, welches jenen nöthigte, ſich während der Zeit in dem Zimmer umzuſehen. Er bemerkte bald den Globus, und fragte Kirchern nach einer kleinen Pauſe, ob er ihm geböre, wer ihn gemacht habe u. ſ. w. Kircher antwortete, er gehöre ihm nicht, es habe ihn Niemand gemacht, und er müſſe von ungefähr dahin gekommen ſein. — „Sie ſcherzen“, ſagte der Freund, und ſchien unwillig zu werden, als Kircher bei ſeinen Behauptungen blieb. Sogleich ergriff Kircher dieſe Gelegenheit, und ſagte: „Sie wollen nicht glauben, daß dieſer kleine und ſchlechte Körper von ſelbſt entſtanden ſei, wie können Sie denn glauben, daß das viel größere und ſchönere Original, der Himmel mit allen ſeinen Planeten und Sternen, von ſelbſt, durch einen bloßen Zufall ſo geworden ſei, wie wir es jetzt ſehen?“ — Der Ungläubige ſchwieg. Paſtoralklugheit. Wenn ihr nicht mit Frieden und im Guten etwas ſchaffen könnt, rathe ich nicht, daß ihr mit Gewalt und hartem Sinn unter den meiſten der Eurigen ſtreitet. Sondern gebet Raum dem Zorn und laſſet das Unkraut mit dem Weizen wachſen. Es iſt beſſer, wenige in Frieden ſelig zu machen, als alle wegen vieler in Unruhe ſetzen. Und es iſt beſſer, viele wegen weniger dulden, als weniger wegen viele zu Grunde richten.“) (Luther an 5765 wt im Kloſter Leißen. Opp. Hal. XXI, 576. Segen der Fürbitte für ein ungerathenes Kind. Sp ener hatte einen Sohn von ausgezeichneten Fähigkeiten, der aber höchſt ungerathen war. Alle Mittel der Liebe und des Ernſtes waren fruchtlos, und der Vater konnte endlich nur noch — als das Einzige, was er fortzuſetzen mit Grund ſich ge⸗ traute — beten, der liebe Gott möchte ſeinen Sohn doch noch retten, ſei es wann und auf welche Weiſe, das überlaſſe er Ihm. Einige Zeit nachher erkrankte der Sohn ſehr heftig, lag mehrere Wochen in großen innerlichen Kämpfen, aber äußerlich beinahe ſtumm und be⸗ wegungslos da. Auf einmal erhob er ſich mit Gewalt, ſchlug die Hände empor, und rief aus gepreßter Bruſt: „Die Gebete meines Vaters umringen mich wie Berge!“ Bald hernach hörten die innern Kämpfe auf, ſanfte Ruhe verbreitete ſich über das ganze Weſen des Leidenden, und er war leiblich und geiſtlich gerettet. Er war von nun an ein ganz anderer Menſch, und Spener hatte noch kurz vor ſeinem Tode die Freude, ſeinen Sohn als einen rechtſchaffenen Mann in einem bedeutenden Amte angeſtellt und glücklich ver⸗ heirathet zu ſehen. Studiren auf die Predigt. Wer da ſagen wollte, die Menſchen hätten ſich nicht darum zu bekümmern, was und wie ſie leh⸗ ren möchten, da der Heilige Geiſt die Lehrer ſelbſt mache, der könnte ſagen, wir dürfen auch nicht beten, weil Chriſtus ſagt: „Euer himmliſcher Vater weiß, was ihr bedürfet, ehe ihr darum bittet.“ (Augustini de doctr. christ. I. IV, C. 16.) Luther ein ſchwacher Lutheriſcher. „Ich weiß wohl, wie ſauer und ſchwer es mir worden iſt und noch täglich wird, daß ich dieſen Eckſtein ergreife und behalte. Man mag mich lutheriſch heißen; aber man thut mir faſt ſchier unrecht, oder bin ja ein geringer, ſchwacher Luthe⸗ riſcher. Gott ſtärke mich!“ Luther über Pſ. 118, 23. *) Vielleicht ſollte der letzte Satz heißen: „wenige wegen vieler zu Grunde richien.“ A. d. R.