# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1863_S66 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 66 Der Materialismus oder die sog. Resultate der modernen Naturwissenschaft. Aussprüchen blindlings Glauben schenkt, um der Ehre, den Gebildeten zugerechnet zu werden, sich theilhaftig und würdig zu machen. Es ist ebenso unleugbar, daß der Materialismus in seinem Streben, eine Revolution vorzubereiten, bezüglich welcher „wenn sie ausbricht, die gottesgläubigen Seelen dann gewiß sein können, daß diese Revolution eine siegreiche, daß der jüngste Tag der Monarchie und Hierarchie gekommen ist,“ wie L. Feuerbach sagt, zu welchem Zwecke, damit die „neuen Grundlagen für Staat und Gesellschaft“ die nothwendige Festigkeit und Ausdehnung erhalten, Lied und Roman, wissenschaftliche und populäre Ausführungen, alle Zweige geistiger Thätigkeit dienen müssen, um „die Menschen aus Theologen zu Anthropologen, aus Theophilen zu Philanthropen, aus Gläubigen zu Denkern, aus Betern zu Arbeitern, aus Kandidaten des Jenseits zu Studenten des Diesseits, aus religiösen und politischen Kammerdienern der himmlischen und irdischen Monarchie und Aristokratie zu freien Bürgern der Erde, aus Christen, die ihrem eigenen Bekenntniß zufolge halb Thier, halb Engel sind, zu Menschen, zu ganzen Menschen zu machen,“ — daß dieser Materialismus selbst in vielen, die das nicht ahnen, schon festen Boden gewonnen und sie zu Mithelfern sich zubereitet hat, trotzdem, daß sie „vor seinen unvermeidlichen Consequenzen sich noch zimperlich zurückziehen“ und sogar als seine Gegner auftreten. Nehmen wir hinzu, daß das Christenthum eine, der natürlichen Neigung widerstrebende, Erhebung des Menschen in das Gebiet des Unsichtbaren, Heiligen und Himmlischen, eine Umwandlung des ganzen Menschen einen fortdauernden Kampf des Geistes wider das Fleisch fordert; jene Aufklärung dagegen dem geistlich erstorbenen Menschen nicht nur keine Anmuthungen macht, die seiner verderbten Natur widerstreben, sondern ihm ein Evangelium verkündigt, wie er es in seinem Zustande nur wünschen kann, nämlich daß nichts existire und zu fürchten sei, als was er mit seinen Augen sehen, mit seinen Händen greifen, was er selbst hören, schmecken und riechen kann; daß, was er in seiner halben Verthierung sich vorrede, nicht nur vollkommen übereinstimme mit den Resultaten der Wissenschaft, sondern die höchste Wissenschaft selbst sei — so läßt sich die Zuversicht erklären, mit welcher jene Phalanx glaubt, das Christenthum nach und nach über den Haufen werfen zu können. Dem Christen nun können solche Drohungen freilich nur kindisch und lächerlich erscheinen. Das Reich des ewigen Königs hat schon gefährlichere Angriffe, als die der plumpen Materialisten, siegreich überwunden. Es ist auch nicht das erste Mal, daß das Christenthum dem, im erborgten Schmucke der Wissenschaft sich aufblähenden, Materialismus entgegentritt. Als die Philosophie des Stoffes, oder richtiger, des Fleisches durch Epikur zu einem System zusammengestellt, in ein wissenschaftliches Gewand eingekleidet und von einer philosophischen Schule als Resultat der Naturforschung verbreitet wurde, wandte sich die Mehrzahl aller dem Heidenthum Zugehörigen, insbesondere der größte Theil der Mittelklasse, in Theorie und Praxis ihr zu, denn sie enthielt die schließliche und tiefste Entwickelung des Heidenthums,