# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1863_S64 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 64 Kirchlich⸗Zeitgeschichtliches. II. Ausland. Italien. Der allgem. Kirchenzeitung wird aus Florenz geschrieben: Die Verachtung gegen das Pabstthum und den Klerus kann kaum stärker ausgedrückt werden und hat kaum in Deutschland und England zur Zeit der Reformation einen stärkeren Ausdruck gehabt, als gegenwärtig in Italien selbst. Gleichwohl irrt man jenseits der Alpen gar sehr, wenn man glaubt, Italien stehe am Vorabend einer Reformation, oder eines Bruchs mit seiner alten historischen Kirche. Der Haß gegen deren Repräsentanten ist und bleibt hier politischer Natur. Obwohl in Florenz und in Bologna eine waldensische Kirche entstanden ist, welche bereits dreitausend Mitglieder zählen soll, so fehlt ihr doch der wahre reformatorische Geist, und viele dieser Separatisten schicken nach dem katholischen Priester, wenn sie in articulo mortis (in den letzten Zügen) sind. Ein italienischer Staatsmann sagte in Bezug hierauf: „Bei uns ist keine Religion; die gebildeten Classen glauben an nichts und sind indifferent; die unteren Schichten des Volks glauben nicht an Gott, sondern an die Heiligen, und das Motiv ihrer religiösen Triebe ist die Furcht.“ Visitation. Auch diejenigen preußisch-luth. Pastoren, welche sich vom Oberkirchencollegium in Breslau losgesagt haben, thun Schritte zu einer geordneten kirchlichen Verbindung. Dahin gehört auch eine Art gegenseitige Visitation. Ehlers meldet darüber in seinem Kirchlichen Zeitblatt vom 15. Nov. Folgendes: „Am 4. Oktober und an den folgenden Tagen hat in Magdeburg die Visitation der dortigen luth. Gemeine, die von P. Wolf erbeten worden war, Statt gefunden. Es waren gegenwärtig die Pastoren Diedrich, Räthjen, Meinel aus Hamburg und Vollert aus Clodra in Sachsen-Weimar. Die übrigen eingeladenen Pastoren waren zu kommen verhindert worden, der Herausgeber des Zeitblattes durch einen Todesfall in der Gemeine. Nähere Nachricht über diese Visitation wird vielleicht künftig gegeben werden können. — Gegenseitige Visitationen (zu deutsch Besuche) der Pastoren und Gemeinen sind ein geeignetes Mittel, unter denselben eine Verbindung herzustellen, kraft welcher sie einander dienen, ohne eine Herrschaft über einander zu üben. Gott wird helfen, daß die vom O. K. C. getrennten Gemeinen das Rechte treffen, so daß der Gemeine der volle Segen einer von Gott gewollten Gemeinschaft zufließe, ohne daß ihnen Menschensatzungen als aus göttlichem Gebot aufgelegt werden, — was je und je der Kirche zu großem Schaden gereicht hat und die betrübte Ursache beklagenswerther kirchlicher Spaltungen geworden ist.“ J. Rupertt, lutherischer Pastor in Bremerhaven, schreibt in einer öffentlichen Dankabstattung für erhaltene Liebesgaben, unter dem 12. Nov. v. J.: „Grade jetzt gehen auch in unserer Stadt, je höher unser lutherisches Kirchlein gen Himmel steigt, die Wogen bittrer Wuth gegen „„Gottes Wort und Luthers Lehr““ so hoch, wie noch nie zuvor, und grade in diesen heißen Tagen hat uns der Herr überschüttet mit Gaben und erquicklichen, ermuthigenden Worten von allen Seiten, wie nie zuvor! Er ist wahrlich eine feste Burg! Wol allen, die auf ihn trauen!“ Urtheil eines Rationalisten über die Unionstheologie. Der berühmte Würtemberger Gelehrte Baur hat in seiner nach seinem Tode im vorigen Jahre herausgegebenen Kirchengeschichte des 19. Jahrh. folgendes Urtheil über die genannte Theologie gefällt: „Man hat nicht mehr den rechten Sinn für das alte System, und doch auch nicht die Kraft und den Muth, sich zu einem neuen zu erheben, man weiß sich innerlich mit der Kirche nicht mehr eins, und doch wagt man es nicht, äußerlich mit ihr zu brechen, man hält die Union mit allem Interesse fest, und doch kann man auch von dem Confessionellen nicht lassen. Kann man sich wundern, daß alle dogmatischen Produkte dieser Klasse von Theologen etwas höchst Schwächliches, Flaches und Geistloses sind? Vom dogmatischen Standpunkte kann man nur den Gegnern dieser Unionstheologen Recht geben, den lutherischen Theologen, deren System bei allem Abstoßenden seines Partikularismus wenigstens den Vorzug des Charakters, der Entschiedenheit und Consequenz hat.“ Dr. Barth, der bekannte christliche Jugendschriftsteller, starb am 12. Nov. d. J. im Gebäude des Calwer Verlags⸗Vereins. Er war 1799 geboren. ————◆◆————