# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1863_S59 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Eine neue homiletische Monatsschrift. 59 offenbar weder eine Regel noch ein Rathschlag, sondern eine versuchte Meditation, der man aber eine überraschende Tiefe nicht nachsagen kann. No. 19: „Laß dich vor dem Gang auf die Kanzel nicht unnöthig stören und zerstreuen, sondern schließe dich in dein Kämmerlein ein, damit deine Predigt unter Gebet und Sammlung des Gemüths die Geistes⸗ und Feuertaufe von oben empfange.“ Das sind wieder großartige, übertreibende Redensarten. Was ist einem einfachen Studenten oder Prediger damit gedient? Was soll er sich darunter denken? Die „Geistes⸗ und Feuertaufe“ war ja eine besondere Gabe der heil. Apostel. Hat man die auch nöthig zum predigen? Und wer nun vor der Predigt noch sehr gestört wird, wie sich das zu Zeiten wohl zuträgt, ohne daß der Prediger das ändern kann, wie dann? Fehlt ihm dann die „Geistes⸗ und Feuertaufe von oben“? No. 29: „Im Allgemeinen ist zu rathen: Höre auf, wenn die Begeisterung der Zuhörer aufs Höchste gestiegen ist; dann kommen sie das nächste Mal um so lieber.“ Das ist ein wahres Curiosum von einem Rathschlag und einer Regel. „Im Allgemeinen,“ meine ich, wäre zu rathen, daß der Prediger aufhört, wenn seine Predigt aus ist. Und im Besondern, daß es das Ziel einer jeden Predigt ja überhaupt nicht einmal ist, die Begeisterung gerade immer aufs Höchste zu bringen. Und endlich, woran soll es eigentlich ein Prediger erkennen, „wann die Begeisterung der Zuhörer aufs Höchste gestiegen ist?“ Die Methodisten können das vielleicht an den höchsten Sprüngen sehen, woran aber andere Christen? — Nach den „homiletischen Regeln und Rathschlägen“ folgt eine „Meditation,“ auch von Dr. Schaff, über „die Menschwerdung Gottes.“ Es findet sich manches Anregende, Geistreiche, Erbauliche in derselben. Aber auch hier hat uns ein überschwängliches Geistreich⸗sein⸗wollen gestört. Auch eine Meditation muß nüchtern in den Schranken der Offenbarung bleiben und darf nicht in unwahres philosophisches Phantasiren ausarten, wie z. B. folgende Stelle: „Oeffne, o Seele, deine verborgenen Tiefen und laß den Gottessohn in dich, wie einst in die Krippe Bethlehems, hinabsteigen, damit sich das heilige Geheimniß der Menschwerdung auch in dir wiederhole, und die Idee der Religion, d. h. die Wiedervereinigung des Menschen mit Gott, immer vollständiger verwirklicht werde.“ Das Geheimniß der Menschwerdung ist einmal geschehen und kann und soll sich nicht in der Seele des Menschen „wiederholen.“ Christus Jesus will nicht noch einmal Mensch werden (die Unio mystica, die Schaff hier im Sinne hat, ist ganz etwas anderes!) Von einem „immer vollständiger verwirklicht werden“ der Idee der Religion zu reden, ist wohl nur eine Wirkung der fixen Idee des modernen Prophetenthums der Zukunftskirche. Die Idee der Religion, d. h. der Wiedervereinigung der Menschen mit Gott, die zur Zeit des Alten Bundes allerdings, wenn man sich so ausdrücken will, mehr nur eine Idee war, ist durch die Menschwerdung Gottes ganz vollständig verwirklicht. Schaff verwechselt hier den Segen, die Wirkung der vollständig verwirklichten Idee der Religion, mit dieser Idee selbst.