# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1863_S58 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 58 Eine neue homiletische Monatsschrift. Predigers mit dem Wesen eines Christen. Der Apostel Paulus hat Recht, wenn er sagt, ein Christ ohne Liebe, wenn er auch sonst alle möglichen Gaben hätte, sei ein tönendes Erz und eine klingende Schelle; Dr. Schaff hat aber Unrecht, diesen Spruch nun auch gleich ohne Weiteres auf einen Prediger zu übertragen, und zwar nicht auf seine Person, als Christ, sondern auf sein Amt, als Prediger. Weil er das Predigtamt nicht auf rechtmäßig Weise hat, so wirkt das Predigtamt Nichts, ist ein tönendes Erz ꝛc., das ist Schaffs Schluß. Aber ein Prediger, sei er nun äußerlich und innerlich berufen oder nicht, sei er wie ein Dieb ins Amt gestiegen, oder sei er gar, wie Luther sagt, der Teufel selbst, predigt er nur Gottes Wort, so wirkt er, und ist kein tönendes Erz oder eine klingende Schelle. Ein ächter Gold⸗Dollar bleibt ein ächter Gold⸗Dollar, ob denselben ein Betrüger oder ein ehrlicher Mann ausgiebt. Steckt denn Dr. Schaff auch in der falschen römischen Lehre von Amt und Ordination? Nach dieser dritten Regel scheint es fast so. No. 9. „Die evangelische Predigt ist ein lebendiges und erfahrungsmäßiges Zeugniß von Christo, als dem alleinigen und allgenugsamen Heiland der Sünder, zur Erweckung und Erbauung der Zuhörer. Sie ist nicht blos Belehrung und Ermahnung, sondern Mittheilung des christlichen Lebens. Was vom Herzen kommt, geht zu Herzen, und Leben zeugt Leben.“ War No. 3 unwahr römisch, so ist No. 9 unwahr schwärmerisch. Die Methodisten reden gerade so. Die „evangelische Predigt“ wirkt allerdings „christliches Leben,“ aber die Ursache ist allein, weil die „evangelische Predigt“ eine Predigt des Wortes Gottes ist. Das Wort Gottes ist Geist und Leben und theilt darum Geist und Leben mit, mag der Prediger selbst nun das Wort glauben oder nicht, mag er selbst Leben haben oder nicht, mag es ihm vom Herzen kommen oder nicht. „Das Leben“ eines Predigers zeugt nie Leben, sonst wäre ja „das Leben eines Predigers“ auch ein Gnadenmittel. Schaff will eine gewisse Wahrheit aussprechen, er übertreibt sie aber. Denn das ist wahr, daß ein gläubiger Prediger, dessen Herz vom Evangelio erfaßt und durchdrungen ist, mehr wirkt als ein geistlich Todter, aber das kommt daher, weil derselbe das Wort Gottes den Zuhörern klarer, dringender, freudiger, zuversichtlicher ans Herz legt, als ein geistlich Todter. Aber das Leben gibt doch immer nur und allein das Wort. In Aufstellung von homiletischen Regeln sollte man doch vornehmlich alle Ueberschwänglichkeiten fern halten, wodurch der Klarheit und nicht selten auch der Wahrheit Abbruch geschieht. No. 11: „Jede Predigt soll eine That der Studierstube und der Kanzel sein. Zu Hause wird sie unter stillem Gebete und treuem Studium erzeugt, in der Kirche unter dem begeisternden Anblick der andächtigen Gemeinde geboren.“ Das ist wieder zu viel Schönrednerei. Denn wenn das wahr wäre, so würden namentlich wohl im Westen, wo es in den Buschgemeinden und Blockhütten nicht immer „begeisternde Anblicke andächtiger Gemeinden“ gibt, viele Predigten wohl gezeugt, aber ungeboren bleiben. No. 15: „Die Bibel ist wunderbar reich an Texten für alle möglichen Themata, die auf die Kanzel passen und zur Erbauung dienen.“ Das ist