# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1863_S56 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 56 Eine neue homiletische Monatsschrift. der lutherischen Uebersetzung der heil. Schrift. Es ist eine eigenthümliche Erscheinung, daß gerade die entschieden unirt gesinnten Herrn Gelehrten bei aller äußerlich ausgesprochenen Hochachtung vor Luther's Bibelübersetzung, doch von innerlichem Widerwillen gegen dieselbe umgetrieben werden, und auf alle mögliche Weise dahin arbeiten, daß dieselbe abgethan und nach und nach aus dem Wege geschafft werde. Welcher Geist eigentlich sein Werk in den Unirten treibt, war nüchternen Lutheranern schon längst klar; nämlich unter dem Mantel der Union der Geist der Confusion, der Geist der Zerstörung aller kirchlichen Einheit, der alte Feind des einen festen, gewissen, zuversichtlichen Glaubens. Wer wird sich daher wundern, daß dieser kirchenzerstörende Geist treibt, daß das Werk vollendet, und nun auch die Grundlage des einen Glaubens, das feste und gewisse Wort Gottes selbst untergraben werde? Das deutsche Volk hat kein anderes Wort Gottes und kann auch kein anderes haben als eine deutsche Uebersetzung desselben. Luther's Bibelübersetzung ist dem deutschen Volke das Wort Gottes. Das soll demselben nun auch genommen werden, es soll sich nicht mehr zuversichtlich desselbigen trösten, es soll seine Feinde nicht mehr zuversichtlich schlagen mit dem: „es steht geschrieben!“ sondern es soll auf den Zweifel gesetzt werden, und immer die Frage im Herzen führen: sollte es auch wirklich so geschrieben stehen? Es soll sich daran gewöhnen, nicht mehr zu denken: es steht geschrieben, sondern nur: es steht übersetzt, ob recht oder falsch, das weiß es natürlich selbst nicht. Das wäre dann der Triumph der Union, der eine feste Glaube, wie die eine feste Schrift wären hin! — Dr. Schaff fängt nun seine Operationen sehr praktisch an. Er übersetzt nicht etwa erst die ganze heil. Schrift, legt diese zur Prüfung der Kirche vor, und sucht nach deren Billigung die Einführung derselben unter das Volk. Nein, das geht viel zu langsam, könnte auch auf mögliche Hindernisse stoßen. Er verfaßt vielmehr Katechismen und Predigten, worin seine „Berichtigungen“ der Uebersetzung der heil. Schrift gleich ohne Weiteres eingeführt werden. So kommen die Berichtigungen der deutschen Bibel noch eher unter das Volk als die „berichtigte“ Uebersetzung selbst. Das Volk muß aber natürlich wünschen, eine Bibel zu haben, die mit seinem Katechismus übereinstimmt, und was will Schaff dann thun? Er muß schon heran an das große Werk einer eigenen Bibelübersetzung, und so kommt er auch zum Ziel, nur auf umgekehrtem Wege. Uebrigens hat offenbar jeder andere Gelehrte dasselbe Recht als Schaff, in Katechismen mit auf eigene Faust und durch eigene Selbstweisheit berichtigten Bibelsprüchen das unberichtigte Volk zu berichtigen. Und es wäre möglich, daß dann bald wenigstens jedes College seine eigene berichtigte Bibel hätte. Was für eine Art kirchlicher Einheit daraus entstehen würde, kann jeder leicht selbst ermessen. — Wahrlich, Herr Dr. Schaff hat für die Einheit der deutschen Kirchen, die er ja so sehr anzustreben scheint, sehr schlecht gesorgt, daß er ihnen das Haupteinigungsband, was sie noch haben, die eine lutherische Uebersetzung, so viel an seinem Theile ist, nimmt. — Er sagt in der Vorrede zu seinem „christlichen Katechismus,“ der am Ende