# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1863_S55 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Eine neue homiletische Monatsschrift. 55 durch die Blindheit ihres Herzens.“ Jene „edelsten Charakterzüge des Menschen“ sind durch den Sündenfall allerdings ganz aufgehoben und durchaus nicht als Lebensäußerungen eines noch übrig gebliebenen göttlichen, geistlichen Lebens aufzufassen. Sie sind nur die äußern, hohlen Schalen ohne den Kern, Naturkräfte im Menschen, wie es ja auch unter den Thieren Liebes⸗, Freundschafts⸗, Gesellschafts⸗Triebe gibt. — An einem andern Orte predigt Schaff: „Er (Gott) kennt auch den verborgenen Zug unseres Herzens nach ihm, den Durst nach seinem Frieden, das Heimweh nach seiner Gemeinschaft, das er in die Tiefen unseres Geistes hineingepflanzt hat, und es ist ihm eine Lust, dasselbe zu stillen und uns auf ewig selig zu machen.“ Allem Anschein nach meint auch hier Schaff wieder, daß beim natürlichen Menschen in der Tiefe seines Geistes „Heimweh“ nach Gott ꝛc. zu finden sei, während es doch in der That und Wahrheit so ist, daß in der Tiefe des abgefallenen Menschenherzens nicht Heimweh nach Gott, sondern Feindschaft gegen Gott steckt. Denn alle Menschen sind fleischlich und unter die Sünde verkauft (Röm. 7, 14.). Fleischlich gesinnt sein ist aber eine Feindschaft wider Gott (Röm. 8, 7.). Es finden sich in der Schaff'schen Predigt auch philosophische Erläuterungen über die heilige Dreieinigkeit, welche nicht in eine Predigt für das Volk gehören, zumal wenn sie die eigentliche Sache gar nicht treffen, sondern auf Abwege führen, wie folgende: „Die beiden ersten Personen der Gottheit heißen Vater und Sohn, weil die zweite von der ersten gezeugt, erkannt und geliebt wird; und der heil. Geist ist das Band der Gemeinschaft zwischen Beiden. Wo Liebe ist, da ist Dreieinigkeit, ein Liebender, ein Geliebter und ein Band zwischen Beiden .... In dieser ununterbrochenen Selbstmittheilung und Wechselbewegung zwischen Vater und Sohn im heil. Geiste bestand die ewige Thätigkeit, Lebensfülle und Seligkeit Gottes.“ Der heil. Geist ist einmal, wenn man von den Personen in der Gottheit handelt, auch eine Person und nicht ein bloßes „Band der Gemeinschaft.“ Zum andern ist es gar nicht wahr, daß „wo Liebe ist, da ist Dreieinigkeit,“ wo Liebe ist, ist vielmehr nur Zweieinigkeit. Einen Liebesbund zwischen Dreien, etwa den der Schweizer auf dem Grütli, könnte man allenfalls eine Art Dreieinigkeit nennen. Und was da zuletzt von „der Selbstmittheilung und Wechselbewegung“ gesagt wird, so sollten doch solche Sachen die philosophischen Gelehrten, wenn sie es nun einmal nicht lassen können, über Dinge zu speculiren, von denen sie, und wenn sie auch tausend Jahre lebten und ihre Weisheit sich immer fortentwickelte, doch am Ende nicht ein Haar mehr verstehen, als ein gläubiger Bauernknecht, dieselben unter sich tractiren, und vor dem Volke weglassen. Dem wird dadurch das Maul nur aufgesperrt im Erstaunen vor der gelehrten Herrn philosophischen Tiefsinnigkeit; hat dadurch aber weder Nahrung für den Kopf, noch Erquickung für das Herz. Was uns sehr mißfallen hat und wogegen wir, gewiß im Sinne jedes ernsten Christen, unsern Protest und Warnung entschieden aussprechen müssen, ist die vom Herrn Dr. Schaff unternommene, selbstmächtige Veränderung