# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1863_S54 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 54 Eine neue homiletische Monatsschrift. Das erste Heft dieser Monatsschrift liegt vor uns, es finden sich darin zwei Predigten, homiletische Regeln und Rathschläge, Meditationen, Aphorismen und einige Anzeigen. Im Prospectus heißt es unter zwei: „Die Predigten, welche eine Aufnahme beanspruchen, müssen ächt christlich und evangelisch sein und denominationelle Streitfragen vermeiden. Sie sollen dabei, wo möglich, ein vollständiges Gemälde der besten amerikanisch⸗deutschen Kanzelgaben der Gegenwart liefern und ein erbauliches Band zwischen den verschiedenen deutschen Kirchen bilden, welche sich zu den Grundlehren des evangelischen Christenthums bekennen.“ Die Monatsschrift soll also der Union dienen und nichtdenominationelle Predigten nun auch einmal (sonst sind es gewöhnlich Verfassung, Liturgie ꝛc.) das Band der verschiedenen Kirchen bilden. Als Proben der „besten amerikanischen Kanzelgaben der Gegenwart“ gibt Dr. Schaff zuerst eine Predigt von ihm selbst, und als zweite eine „Kriegs⸗Predigt“ von Dr. Mann in Philadelphia. — Beide Predigten sind in gutem Deutsch geschrieben, und an manchen Stellen lebendig und beredt. Schaff's Predigt hat das Thema: „Gott ist die Liebe,“ nach dem Text 1 Joh. 4, 8. und hebt an mit den Worten: „Gott — welch ein kleines Wort, und welch ein großer Gedanke!“ Mann's Predigt hat zum Text Hesek. 14, 17.: „Schwert, fahre durchs Land.“ Sein Thema: „Vom Krieg und wie Christen vom Kriege denken“ ist verfehlt, denn da in den Theilen nur ausgeführt wird, wie Christen vom Kriege denken, so ist die vordere Hälfte des Themas überflüssig. Man erwartet dem Thema gemäß, erst etwas allgemeines „vom Krieg“ und dann das „Denken,“ Urtheil der Christen über den Krieg. Die Predigt bringt das aber nicht, was das Thema ansagt. In den „besten“ amerikanich⸗deutschen Predigten sollte wenigstens Präcision des Themas durchaus nicht fehlen. In Dr. Schaff's Predigt finden sich pelagianisirende Ansätze, die nicht „ächt christlich und evangelisch“ sind. Er sagt: „Herzensgüte, Wohlwollen, Freundschaft, Liebe sind die edelsten Charakterzüge des Menschen. Sie sind uns von dem Gott der Liebe eingepflanzt und durch den Sündenfall zwar getrübt und gelähmt, aber doch nicht ganz aufgehoben worden.“ Die heil. Schrift lehrt dagegen, daß durch den Sündenfall das Gute, die Tugenden im Menschen, als solche, nicht nur getrübt und gelähmt, sondern ganz erstorben sind. „Ihr waret,“ sagt der Apostel Paulus, Ephes. 2, 1., „durch Uebertretung und Sünden (nicht „gelähmt,“ nicht schwach, nicht krank, nicht unkräftig — sondern) todt!“ (ὄντας νεκρούς.) — Die Güte, Liebe, Freundschaft des natürlichen Menschen ist nur Scheingüte, Scheinliebe ꝛc. Wäre in diesen „Tugenden“ auch nur noch ein Fünklein von dem Leben aus Gott, so könnte der natürliche Mensch nach dem Sündenfalle nicht ganz und durchaus und vollkommen „ein Kind des Zornes“ Gottes sein, wie er es doch in der That ist. Gott lehrt durch sein Wort, Ephes. 4, 18.: „Sie (die Heiden) wandeln in Eitelkeit ihres Sinnes, welcher Verstand verfinstert ist, und sind (nicht nur getrübt und gelähmt — sondern) entfremdet von dem Leben, das aus Gott ist, durch die Unwissenheit, so in ihnen ist,