# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1863_S50 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 50 Zur Geschichte des Hannoverschen Katechismusstreits. Handlung beginnt mit Feststellung des Programms, welches Unterlage, Ziel und Ergebniß der Verhandlung zugleich ist. Ein solches wird am Morgen des Tages von Greiling, Sulze und Diestelmann unter dem Vorsitze des Prof. Ewald ausgearbeitet; aber ein anderes bringt Rettig aus Göttingen gleich mit. Baurschmidt, der Urheber des Ganzen, bleibt also im Dunkel der Bescheidenheit. Da beide Programme in ihrem Inhalte ziemlich übereinstimmen, so verständigt man sich bald über eine Vereinigung. Die Verhandlungen beginnen, und Zuhörer treten ein, so viel als der Raum fassen konnte.*) Man wird in vier Stunden fertig, und aus den Verhandlungen dieser vier Stunden gehen die obigen inhaltsschweren und zukunftsschwangern Sätze hervor. Was bekennen sie denn? Bekennen sie klar und wahr, was man von geistlichen Männern und Amtspersonen der Kirche erwarten darf? Bekennen diese Superintendenten und Pastoren der lutherischen Landeskirche sich zu dem Inhalte der Bekenntnißschriften dieser Kirche, wie sie dieselben seiner Zeit wenigstens mit Hand und Unterschrift bekannt haben? Oder bekennen sie sich als evangelische Christen wenigstens offen und unbedingt zu der heil. Schrift als der reinen Quelle und obersten Richtschnur ihres Glaubens und ihrer Lehre? Nichts weniger als dies, „sondern wir stehen mit der heil. Schrift und den Bekenntnißschriften der evangelischen Kirche auf dem einen Grunde, der gelegt ist, und außer welchem kein anderer gelegt werden kann, welcher ist Christus." In gleicher Linie, mit gleichem Range, ebenbürtig stehen die hier versammelten Geistlichen mit der heil. Schrift und den Bekenntnißschriften der evangelischen Kirche auf dem einen Grunde Christus. Die heil. Schrift hat nicht göttliches Ansehen, Recht und Macht über diese Geistlichen in ihrem Glauben und Lehren, noch sind die Bekenntnißschriften Zeugnisse der Wahrheit für sie; man weiß sich beiden gleich berechtigt, gleich selbständig, gleich mächtig. Hier ist also freier Raum und Bewegung, nur eine Abhängigkeit haben diese drei Mächte und haben sie mit einander gemein, das ist der eine Grund Christus. Aber wo liegt dieser Grund? In der heil. Schrift liegt er offenbar nicht, in die Bekenntnißschriften ist er auch nicht gelegt, und diese Superintendenten und Pastoren sagen doch auch nicht, daß der Grund in ihnen liege; alle drei stehen sie nur auf diesem irgend wohin gelegten Grunde. Also wo er liegt, ob in der Höhe oder in der Tiefe, in der Lust oder auf der Erde, in der Wirklichkeit oder in der Phantasie — es bleibt im Dunkeln. — Aber wer ist nun dieser Grund Christus? Der Rationalismus hat bekanntlich geantwortet, daß man das so eigentlich nicht wisse, und diese hier versammelten alten und neuen Rationalisten wissen es offenbar auch nicht. Denn wenn die alten ihn für einen weisen jüdischen Rabbi, die neuen ihn für einen idealischen Menschen, das Bild und Gleichniß ihrer selbst, nehmen werden, so sind das offenbar Griffe der Willkür, *) Nach einem andern Blatte ist über die Zulassung von Zuhörern scharf gestritten, und Diestelmann hätte sich sogar entfernt, weil er Zuhörer ausgeschlossen wissen wollte. Traute er vielleicht, in Erinnerung an die hannoverschen Vorgänge, seinen Cellensern nicht?