# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 04 18_S132 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Unwiſſenden, aber Aufrichtigen mit aller Geduld und Lehre unterwieſen, die böswilligen und hart⸗ näckigen Irrlehrer aber mit heiligem Ernſt und Eifer geſtraft, gefährliche Verirrungen, Gaukel⸗ und Blendwerk des Teufels kräftig aufgedeckt haben, alſo wollen, mit Gottes Gnaͤde, auch wir thun. Demgemäß achten wir es denn für die reinſte und edelſte Liebe, nämlich für die Liebe zur gött⸗ lichen Wahrheit — und wo dieſe Liebe fehlt, da iſt auch die Wahrheit der Liebe nicht — wider die falſche ſchriftwidrige Union, dieſen „kräftigen Irr⸗ thum“ unſerer Zeit mit allen Kräften zu Felde zu ziehen; und zwar nicht nur da, wo ſie erſcheint als ein Engel des Lichts, nämlich, wo ſie, im Munde beredter Wortführer, mit ſtattlichen Scheingründen liebenswürdig herausgeſchmückt wird, ſondern auch da, wo ſie uns im Einzelnen entgegentritt, wie z. B. in unioniſtiſchen Agenden, Geſangbüchern, Synoden u. ſ. w. Denn es gab, giebt und wird nimmer eine andere wahre Union zwiſchen Lutheranern und Reformirten geben, als die auf dem Grunde der reinen Wahrheit zur Seligkeit in allen Artikeln des Glaubens, in al⸗ len Stücken der heilſamen Lehre, wie die heilige Schrift ſie begründet, und ſämmtliche Bekenntniß⸗ ſchriften der lutheriſchen Kirche, die Concordid von 1580, ſie rein und lauter bekennen und leh⸗ ren, und zugleich wider Papiſten und Schwärmer behaupten und vertheidigen. Denn in dieſem unſerem Zeugen und Beken⸗ nen, Lehren und Wehren, wiſſen wir, daß wir Lutheraner nicht zu einer Sonderkirche gehören, ſondern zu der, die der Pfeiler und die Grund⸗ feſte der Wahrheit, die lehrende und bekennende Kirche ſelber iſt, ob zwar wir nicht leugnen, ſon⸗ dern zu eigenem Troſt und Freude gern und wil⸗ lig einräumen, daß in allen chriſtlichen Glaubens⸗ partheien verborgene Lutheraner, d. i. ſolche ſind, die ſich der heiligen Schrift, wie ſie hautet, in allen Stücken der Heilswahrheit einfältig und demüthig unterwerfen, und durch ſonderliche Gna⸗ denleitung des Heiligen Geiſtes vor dem Ein⸗ dringen ſeelenverderblicher Irrthümer ihrer Ge— meinſchaft bewahrt werden. So lange alſo die Reformirten nicht ihre beſon⸗ dern Irrlehren, als z. B. über die heiligen Sakra⸗ mente und das Amt der Schlüſſel, und ein großer Theil derſelben die calviniſtiſche Lehre von der Gnadenwahl, frei und öffentlich widerrufen und in unſere ſchriftgemäße Lehre frei und öffentlich eingehen — ſo lange iſt, weder im Ganzen noch im Einzelnen, eine wahre Union zwiſchen uns möglich. Daß aber die Unioniſten in Deutſch⸗ land und Amerika obige Lehren als Nebenlehren bezeichnen, das iſt nichts als Frevel und Muth⸗ wille, Schalkheit der Menſchen und Täuſcherei, indem die heiligen Sakramente, ſammt der heili⸗ gen Abſolution, feierliche und bleibende Stiftun⸗ gen des HErrn Chriſti, und wirkſame Gnadenmit⸗ tel des Heiligen Geiſtes ſind, und Chriſtum und ſein Verdienſt uns zueignen. Wie geſagt, es giebt keine höhere und reinere Liebe, als die zur göttlichen Wahrheit in der hei⸗ ligen Schrift, und alle bekenntnißtreue Luthera⸗ 132 ner, die eine wahre und ungeheuchelte Ehrfurcht vor Gottes geoffenbartem Worte haben, werden ſich jetzt, wie zur Zeit der Väter, und bis an den jüngſten Tag, durch Gottes Gnade auf dieſelbe Weiſe erzeigen. Nämlich, ehe ſie ſich auch nur in einem Stücke der heilſamen Lehre von Got⸗ tes klarem unzweifelhaftem Worte trennen, um aus falſcher fleiſchlicher Liebe, aus Menſchenfurcht oder Menſchengefälligkeit, ſich mit Irrgläubigen oder loſen Leuten kirchlich zu vereinigen, die Gottes Wort auch nur in einem Siücke der Heilslehre aufs Dunkle, Ungewiſſe oder ins Gleichgültige ziehen — ehe ſie ſolches thun, wol⸗ len ſie lieber nach wie vor allen Unglimpf. Haß, Zorn und Verachtung der Gegner, die Schelt⸗ reden der „Engherzigkeit, Buchſtabenknechtſchaft, Kurzſichtigkeit, Liebloſigkeit“ u. ſ. w. gern und willig ertragen; ja auch, wo, wie mehrfach in Deutſchland, unioniſtiſche Obrigkeiten mit verfol⸗ gen, wollen ſie Geldbuße und Gefängnißſtrafe, ja, wo es Gott alſo verhängte, den Tod viel lie⸗ ber erleiden, als wider Gott, ſein Wort und ihr Gewiſſen in ſolche falſche Union willigen. Dar⸗ um iſt es denn auch recht und wohlgethan, wenn die bekenntnißtreuen Lutheraner zu dieſer unſerer Zeit, da das teufliſche Gaukelſpiel und das Men⸗ ſchengemächte dieſer falſchen Union ſich ſo hervor⸗ thut, ſich insbeſondere zu der den Unioniſten ſo verhaßten und widerwärtigen Concordienformel auf das Entſchiedenſte bekennen, möge dies auch von Herrn H. und andern, die durch die roſen⸗ farbene unioniſtiſche Brille ſehen, „bigotte, eng⸗ herzige Anhänglichkeit“ geſcholten werden. Denn. grade dieſe kirchliche Bekenntnißſchrift iſt es, die (ſo friedfertig ſie nach innen die innerhalb der Kirche meiſt zunächſt durch ſchiefe und mißver⸗ ſtändliche Ausdrücke, ſodann durch einſeitiges Heworheben einzelner Theile in verſchiedenen Leh⸗ ren, entſtandenen Gegenſätze zu vermitteln ſucht) auf das Schärfſte und Beſtimmteſte nach Außen allem falſchen Eindringen wehrt und es nach allen Seiten kenntlich macht. 2.) Herr H. fährt dann noch alſo fort: „Die leitenden Männer (nämlich der ſächſiſchen Luthe⸗ raner in Miſſouri) ſind ohne Zweifel ehrenwerthe, eifrige und aufrichtige Leute, die aus Ueberzeu— gung handeln und natürlich das Deutſche, als das Lebens⸗Element irgend welcher lutheriſchen Kirche, hegen und pflegen; aber in ihrem ſäch⸗ ſiſch⸗bairiſchen Tempel am Ufer des Miſſiſſippi iſt einem traurig zu Muthe, da es für ſie faſt nur Teufelskapellen in der ganzen Welt giebt.“ Ob nun Herr H. ſelbſt in St. Louis geweſen, und dort einen oder zwei lutheriſche Paſtoren habe predigen hören, iſt mir nicht bekannt, aber das wage ich getroſt zu behaupten, daß keiner von bei⸗ den irgendwo und wie geſagt, daß es außer ihrer deutſch⸗lutheriſchen Dreieinigkeitskirche faſt nur lauter „Teufekskapellen“ gäbe. Denn was inſonderheit den Herausgeber des „Lutheraners“ betrifft, ſo iſt ja dies Blatt ſelbſt ein fortlaufender Zeuge, daß der Schreiber desſelben nicht nur alle bekenntnißtreue Lutheraner in aller⸗ ley Sprachen und Völkern von Herzen als Brü— der anerkennt, ſondern auch die Eine heilige chriſtliche Kirche nicht in den Schranken der Kirche für befaßt hält, die in ihrem ſichtbaren 4ʃ confeſſionellen Hervortreten dermalen die lutheri⸗ ſche heißt. ö Es wäre in der That ein enges und kümmer⸗ liches Ding, wenn ſonſt keiner, als der lutheriſch heißt, die einfältige Unterwerfung unter Gottes Wort, den rechten Glauben an Chriſtum und den 4 Heiligen Geiſt hätte; im Gegentheil wiſſen wir leider nur allzuwohl, wie viele tauſend Namen⸗ Lutheraner nicht den Glauben ihrer Kirche leben⸗ dig im Herzen tragen, und entweder heimlich ge⸗ fährliche Irrlehren hegen, oder gar zum Unkraut unter dem Weizen gehören. Umgekehrt dagegen hat es ja auch der „Lutheraner“ ſchon mehrfach bezeugt, daß es ſelbſt in der römiſchen Kirche und unter den Schwärmern gar manche wahrhaftige Lutheraner d. i. Chriſten gebe, die ſich der heiligen Schrift ohne Falſch unterwerfen, den rechten Glau⸗ ben an Chriſtum und den Heiligen Geiſt haben und wahrhaftig zur Einen heiligen chriſtlichen Kirche gehören. Summa: Wir ſagen nicht: die lutheriſch ge⸗ nannte Kirche iſt und befaßt die Gemeine der Gläubigen, ſondern die Gemeinde der Gläubigen oder die wahre Kirche iſt lutheriſch geſinnt. Gleich]⸗ wohl ſoll damit nicht geſagt ſeyn, als ſey uns der Name: Lutheriſch dermalen'gleichgültig; viel⸗ mehr, da lutheriſch derzeit ſo viel heißt als recht— gläubig, und da die lutheriſche Kirche allein die re ine und volle Wahrheit zur Seligkeit aus Gottes Wort lehrt und bekennt, und ſich als ſolche gegenwärtig durch dieſen ihren Namen von allen andern beſondern Kirchen unterſcheidet, ſo wollen wir dieſen Namen nicht leichtfertig weg⸗ werfen, ſondern feſt über ihm halten. Würden aber z. B. die Reformirten ihre beſonderen Irr⸗ lehren fahren laſſen und nicht darin in den Fuß⸗ tapfen der Hoffahrt und des fleiſchlichen Vernunft⸗ dünkels ihrer Vormänner, Zwingli und Caltvin, fort wandeln, ſondern die falſchen Stücke öffent⸗ lich widerrufen und in unſere durchaus reine Lehre eingehen, ſo würden wir auch mit Freuden den Namen lutheriſch fahren laſſen und könn⸗ ten uns dann zuſammen mit gutem Fug und Recht: evangeliſch, im Gegenſatz gegen die Römiſch-Papiſtiſchen, nennen. Das wäre dann eben die wahre und rechte Union, derer alle treue Lutheraner von Herzen begehren und theils in der zweiten Bitte, theils ſonderlich, fleißig darum beten. Aber auch ſonſtig iſt es den Leſern des „Luthe⸗ raners“ wohl bekannt, daß er mit ſchroffer und feindſeliger Abgeſchloſſenheit, mit richteriſch-lieb⸗ loſem Weſen und mit fleiſchlichem Kirchenthum, auf Koſten der Liebe, eben ſo wenig zu ſchaffen hat, als mit fleiſchlicher Union auf Koſten der Wahrheit. Hat er nicht von Herzen ſeine Freude öffentlich bezeugt, daß die Diſtrict-Synode von Oſt⸗Ohio den Beſchluß gefaßt hat, ihre Candi⸗ daten bei der Ordination auf die ſymboliſchen Bücher zu verpflichten? Nimmt er nicht aufrich⸗ tigen und herzlichen Antheil an der zunehmenden kirchlichen Richtung des Lutheran Standard und wünſchet ſehnlich, daß unſere theuerwerthen