# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1863_S40 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 40 Vorwort. vor dem Forum des Moralgesetzes und daher des Gewissens sündlich und vor Gott strafbar waren? Gehörte es zu jenen Freiheiten, die nur um der Halsstarrigkeit des Volkes willen gestattet waren, deren sich aber diejenigen nicht bedienen konnten oder doch nicht bedienen sollten, welche nicht nur bürgerlich, sondern auch vor Gott unsträflich handeln und wandeln wollten? Gehört also jenes Verhältniß zu den im Neuen Testamente, wo allein das Moralgesetz gilt, aufgehobenen Dispensationen der alttestamentlichen Oekonomie? — Zwar ist schon aus der Art, wie nicht nur Moses, sondern auch die Propheten des alten Testamentes davon reden, unwidersprechlich klar, daß das Knechtsverhältniß nicht in diese Classe gehöre sondern auch dem Moralgesetz entspreche, doch vergleichen wir zu Erzielung einer um so größeren Gewißheit darüber auch das Neue Testament. Trotzdem daß die in der apostolischen Zeit im römischen Reiche bestehende Knechtschaft nicht nur ihren Ursprung meist in himmelschreiendem Unrecht der Raubzüge der eroberungssüchtigen und neidischen Römer hatte und vielfach mit der scheußlichsten Tyrannei verbunden war, da die Herren Recht selbst über Leben und Tod des Sclaven hatten, welches Recht ihnen erst Antonin entzog; so lesen wir doch nie, daß die heiligen Apostel das Verhältniß selbst als ein sündliches, wider das Gesetz der Nächstenliebe streitendes verworfen haben, ebensowenig, als sie die absolute Regierungsgewalt eines Nero als etwas wider das Gewissen Streitendes verworfen haben, trotz des verdammlichen Mißbrauchs, den dieses Ungeheuer damit trieb. Wohl schärfen sie den Herrn mit großem Ernste die Pflichten ein, die sie als solche haben. So schreibt z. B. der heilige Apostel Paulus in seinem Briefe an die Christen zu Ephesus: „Und ihr Herren, thut auch dasselbige gegen sie" (nehmlich die Sclaven), „und lasset das Drohen, und wisset, daß auch euer Herr im Himmel ist, und ist bei ihm kein Ansehen der Person." Ephes. 6, 9. Aehnlich schreibt er auch an die Christen zu Colossä: „Ihr Herren, was recht und gleich ist, das beweiset den Knechten, und wisset, daß ihr auch einen Herrn im Himmel habt." Col. 4, 1. Zu gleicher Zeit prägt aber auch derselbe Apostel den Knechten den Gehorsam gegen ihre Herren ein. Er schreibt im Briefe an die Epheser, nachdem er den Kindern und Eltern ihre Pflichten vorgehalten hat: „Ihr Knechte, seid gehorsam euren leiblichen Herren, mit Furcht und Zittern, in Einfältigkeit eures Herzens, als Christo; nicht mit Dienst allein vor Augen, als den Menschen zu gefallen, sondern als die Knechte Christi, daß ihr solchen Willen Gottes thut von Herzen, mit gutem Willen. Lasset euch dünken, daß ihr dem HErrn dienet, und nicht den Menschen; und wisset, was ein jeglicher Gutes thun wird, das wird er von dem HErrn empfangen, er sei ein Knecht oder ein Freier." Ephes. 6, 5—8. Fast mit denselben Worten ermahnt derselbe Apostel die Knechte auch im Briefe an die Colosser, Col. 3, 22—25. Dies den Knechten vorzuhalten, dazu ermahnt daher Paulus auch den Bischof Titus in Creta: „Den Knechten, daß sie ihren Herren unterthänig seien, in allen Dingen zu Gefallen thun, nicht widerbellen, nicht veruntreuen,