# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1863_S36 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 36 Vorwort. kommen in unserer deutschen Bibel die undeutschen Worte „Sclav, Sclavin“ nicht vor; aber die Worte „Knecht“, ebräisch Aebed, griechisch Dulos, und „Magd“, ebräisch Amah oder Schiphchah, griechisch Dule, bedeuten nicht nur ursprünglich dasselbe,*) sondern werden auch an zahllosen Stellen der Schrift in dieser ursprünglichen Bedeutung, nämlich in dem Sinne von bürgerlich Unfreien oder Leibeigenen, also was wir jetzt Sclaven nennen, gebraucht; daher z. B. Melanchthon in einer im vorigen Heft citirten neutestamentlichen Stelle das Wort Duloi geradezu mit dem Worte „Leibeigene“ und auch Luther zuweilen selbst im Bibeltext um größerer Deutlichkeit willen die hebräischen Worte Aebed und Amah mit „leibeigen oder leibeigner Knecht und Magd“ (Gen. 47, 19. 25. Lev. 25, 39. 42. 44.), sowie das hebräische Wort Schiphchah mit „leibeigne Magd“ (Lev. 19, 20.) übersetzt. Daß aber diese Uebersetzung recht ist, daß nehmlich in diesen und andern Stellen der h. Schrift die Worte Aebed, Amah, Schiphchah, Dulos, Dule nichts anderes, als solche Knechte und Mägde bedeuten, welche Leibeigene oder Sclaven waren, ist klar aus den Zu⸗ und Gegensätzen, mit denen sie gebraucht werden. So werden die Knechte Abrahams „ihm in seinem Hause geborne und von allerlei Fremden erkaufte“ genannt Gen. 14, 14. 17, 12. und die Knechte und Mägde den „Freien“ entgegengesetzt Eph. 6, 8. Gal. 4, 30. 31. 3, 28. 1 Cor. 7, 22. Offenbarer Betrug ist es daher, wenn den der Ursprachen Unkundigen weiß gemacht wird, daß in den Stellen, in welchen namentlich das Neue Testament von Knechten und Mägden redet, gedingte Lohnarbeiter, die jetzt auch Knechte und Mägde genannt werden, gemeint seien, wofür die ebräische und griechische Sprache besondere Worte hat, nehmlich das ebräische Sachir (von dem Stammwort Sachar, um Lohn dingen), vergl. Hiob 7, 2. Levit. 19, 13. (ein „Taglöhner“), Exod. 12, 45. (ein „Miethling“), und das griechische Ergates Matth. 10, 10. 20, 1. (ein „Arbeiter“) oder Misthotos Joh. 10, 12. (ein „Miethling“). Was lesen wir nun von dieser bürgerlichen Unfreiheit oder Knechtschaft in heiliger Schrift? Es kann natürlich hier unsere Absicht nicht sein, eine vollständige Darstellung alles dessen zu geben, was in der h. Schrift in Beziehung auf die bürgerliche Knechtschaft vorkommt. Darüber findet man Unterricht in jeder guten vollständigen biblischen Archäologie. Es wird genügen, hier nur das auszuheben, was das Urtheil des heiligen Gottes selbst über die Moralität oder Immoralität dieses politischen und ökonomischen Verhältnisses in das Licht stellt. Das Erste, was wir in h. Schrift über die Knechtschaft lesen, ist der prophetische Fluch, den Noah über Einen gottlosen Sohn Ham ausspricht, in welchem ersterer dem letzteren es als göttliche Strafe verkündigt, *) Denn daß diese Worte um der Analogie willen auch andere abgeleitete Bedeutungen haben, wie alle anderen Worte, versteht sich von selbst und thut hier nichts zur Sache.