# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1863_S33 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Lehre und Wehre. Jahrgang IX. Februar 1863. No. 2. Vorwort. (Fortsetzung und Schluß.) Wenn wir nun im Folgenden uns über die jetzt agitirte Sclavereifrage aussprechen, so erklären wir nochmals von vornherein, daß wir es hier nicht mit einer Emancipation der Sclaven zu thun haben, die aus politischen Gründen und auf gesetzlichem Wege von der Obrigkeit selbst angestrebt wird; denn dies ist nicht nur ein Gegenstand, der nicht in das Gebiet der Theologie gehört, sondern hier gilt uns auch als Christen einfach das Wort Gottes: „Seid unterthan der Obrigkeit, die Gewalt über euch hat.“ Was uns hier beschäftigt, ist die Frage, ob Sclaverei, ob namentlich das Verhältniß des Herrn zu seinem Sclaven an sich, das ist, schon seinem Wesen nach Sünde, oder ob diesem Verhältniß nur in concreto die Sünde als ein Accidens anhänge, wie allen Verhältnissen unter den von Natur grundverderbten Menschen, wie z. B. zwischen Arm und Reich, zwischen Käufer und Verkäufer, ob also die Sclaverei als eine Sünde unter allen Umständen zu bekämpfen und abzuschaffen, oder ob von den Christen als Christen in jedem Falle nur darauf hinzuwirken sei, daß das damit verknüpfte Sündliche abgethan werde und daß der Herr sich gegen seinen Sclaven, der Sclav sich gegen seinen Herrn nach Gottes Willen und Vorschrift, nach den Gesetzen der Gerechtigkeit, Billigkeit und Liebe verhalte.*) *) Wir wissen recht wohl, welches Odium wir auf uns laden, indem wir diesen Gegenstand nach Gottes Wort besprechen; wir wissen recht wohl, welche furchtbare Waffe wir den Bekämpfern der Sclaverei als einer Sünde gegen uns in die Hand geben: aber Gottes Wort und Ehre steht uns höher, als alles. Was Gott in seinem Wort geoffenbart hat, das wollen wir bekennen, so lange Gottes Barmherzigkeit das arme Leben uns schenkt, mag darüber die Welt und die von ihr Bezauberten zürnen oder lachen, uns segnen oder uns fluchen. Wir wollen nicht mit dem Strome schwimmen, sondern auf Gottes und seines Wortes Seite stehen, denn wir wissen, Gottes Wort und Wahrheit wird doch endlich siegen, und alle, die gegen dieses Wort gestritten haben, werden endlich sehen, daß sie wider Gott gestritten haben, aber vergeblich. Wir sehen recht wohl, die wilden Gewässer des neuen Geistes lassen sich nicht abdämmen; unwiderstehlich werden sie ihren Lauf, alles Bestehende hinwegspühlend, fortsetzen und vollenden; aber wir wollen uns wenigstens nicht in dieselben mit stürzen und darin umkommen, sondern vielmehr unsere schwache Stimme zu einem, wenn auch noch so geringen, Zeugniß dagegen erheben; auf Einen Tag mit Sehnsucht wartend, bei dessen Anbruch es sich zeigen wird, daß doch „die göttliche Thorheit weiser war, denn die Menschen sind,“ auf jenen Tag JEsu Christi, dessen Erscheinung ohne Zweifel das nun beinahe zweitausendjährige Seufzen der Christenheit nun bald erbeten haben wird. Amen!